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Von Berg-Panoramen und Bergsteiger-Träumen

Yosemite Nationalpark

Zwischenstopp in Fresno? Hätt‘ ja nicht sein müssen …

Nachdem wir den Sequoia Nationalpark verlassen hatten entschieden wir uns dummerweise nicht direkt weiter Richtung Yosemite Nationalpark zu fahren. Wir legten einen Zwischenstopp in Fresno ein – eine wie sich herausstellen sollte blöde Idee. Nach 3 Tagen campen sollte es mal wieder eine Nacht in einem richtigem Bett werden, mit heißer Dusche und Essen ohne rauchigen Beigeschmack. Wie so oft, wenn wir (Jan und Nina) eine Unterkunft suchen, schauen wir bei Booking, bei Hostelbookers oder sonst einer Plattform für Übernachtungsmöglichkeiten nach einer günstigen Möglichkeit mit nicht allzu schlechten Bewertungen – so auch an diesem Abend. Leider hatten wir diesmal kein Glück, die Unterkunft – mal wieder ein schmieriges Motel – lag direkt neben dem Straßenstrich. Diese Tatsache ließ es abrupt nochmals schmieriger werden. Klar, das ist nicht schön, für eine Nacht wahrscheinlich aber auszuhalten. Leider blieb es nicht dabei, denn nicht bloß Zweibeiner gingen hier ein und aus. Wie sich herausstellen sollte hatten auch einige Kakerlaken das Zimmer für sich entdeckt. Weil wir wussten dass der Besuch aus Deutschland nicht wirklich zufrieden mit dem Zimmer war, wir aber schon bezahlt hatten und auch keine Lust mehr hatten etwas anderes zu suchen, spielten wir alles ein bisschen runter. Glücklicherweise sind wir da wirklich relativ entspannt, obwohl das auf der gesamten Reise die ersten Kakerlaken (im Zimmer) waren. Wenn man einmal in Asien war oder sich längere Zeit an warmen Orten aufgehalten hat, weiss man, dass Kakerlaken nicht immer etwas mit Müll, Dreck oder schlechter Hygiene zu tun haben. Wie dem auch sei, wir hatten eine bescheidene Nacht und hinterher alle ziemlich schlechte Laune, dennoch oder gerade deshalb machten wir uns schon früh morgens auf den Weg zum Yosemite.

Der Yosemite, der ganz anders ausgesprochen wird als ich es mir immer vorgestellt habe, gilt zusammen mit dem Yellowstone Nationalpark als einer der bedeutendsten und beliebtesten Nationalparks der USA. Bereits 1864 erkannten die ersten Ranger das Potential des bis dato schwer zugänglichen und heute als Hauptattraktion gefeierten Yosemite-Valley. Umgeben von imposanten Granitfelsen mit zum Teil hunderte Meter senkrecht empor ragenden Felswänden liegt ein Tal voller tiefgrüner Wiesen und Wälder. Heute umfasst der Park 3081 km2 und lockt jedes Jahr über 3 Mio natur- und wanderbegeisterte Touristen an. Die Wege im Yosemite-Valley sind heute so gut ausgebaut, dass man selbst im Rollstuhl über 15 Kilometer erkunden kann.

Oben? Unten? Wo geht’s lang …

Uns oder besser gesagt mir reichte es allerdings nicht nur im Tal spaziere zu gehen, wenn man schon mal hier ist und das Wetter auch mitspielt will man (ich) auch irgendwo drauf klettern. Meine Bergsteiger- und Abenteurer-Seele hatte jedenfalls das tiefe Bedürfnis endlich mal wieder von oben auf irgendetwas herabschauen zu können.

Für einen kurzen Moment war sich unsere 4 Personen-Herde uneinig was jetzt bewandert bzw. bestiegen werden sollte – ob und überhaupt stand in Frage. Ich muss zugeben, dass ich zu diesem Zeitpunkt ziemlich schlechte Laune bekam á lá „wenn wir da nicht draufgehen dann können wir uns den Park ja auch gleich schenken“ Natürlich war das dem Park und letztendlich auch unser kleinen Reisegruppe gegenüber nicht wirklich fair. Der kleine Jan wollte aber!

Nach einigem hin und her machten wir uns dann allerdings doch, es war mittlerweile schon 12:30 Uhr, noch auf den Weg die Higher Yosemite Falls zu erkunden. Yippee, endlich eine ordentliche Runde wandern – die Higher Yosemite Falls liegen immerhin auf knapp 740 Höhenmetern. Ich freute mich obwohl ich wusste, dass wir es, sollte die vom Parkmanagement angebene Wanderzeit von 6-8 Stunden auch nur annähernd stimmen, niemals bis zu den oberen Wasserfällen schaffen würden. Das war mir aber zu diesem Zeitpunkt egal, immerhin hatte ich meinen Willen bekommen und wir würden wenn alles ideal Laufen würde später einen grandiosen Ausblick genießen können.

Eine etwas trockene Wanderung …

Der Aufstieg begann relativ flach, dafür aber mit Serpentinen, die ihresgleichen suchen – für 3 Höhenmeter bezwangen wir gefühlt 3 Serpentinen. Der Untergrund ist mal aus sehr groben Felsen und mal aus kleineren Kieseln, eigentlich nicht wirklich erwähnenswert, wären die beiden Mädels nicht von Haus aus mit einer „uijuijui-hier-ist-es-aber-rutschig-lass-mal-lieber-langsamer-gehen-panik“ ausgerüstet. Weil sie es allerdings doch sind entschieden wir relativ schnell, dass es wohl das beste sei, wenn lediglich Niclas und meine Wenigkeit weiterlaufen würden. Jetzt kann ich es ja sagen, wir haben uns darüber mindestens so gefreut wie die beiden im Tal gebliebenen. Immerhin hatten wir beide den Wunsch wenigstens eine kleine Runde Wandern zu gehen.

Ab diesem Zeitpunkt stand allerdings so gut wie fest, dass wir auf jeden Fall bis nach ganz oben wollten. Wir legten also einen Zahn zu und erreichten den Aussichtspunkt auf die Lower Falls schon nach ca 50 Minuten (dieser Aussichtspunkt wurde als halbe Strecke angegeben). Außer Atem mussten wir feststellen, dass Kimi und Nina in ihrem Rucksack so gut wie alle Getränke trugen. Uns blieben 700 ml Wasser, eine Packung Kekse und etwas Salzgebäck. 700 ml Wasser bei 30 Grad und Sonnenschein – mit ein bisschen Überlegen fällt einem auf wie blöd wir waren an dieser Stelle noch weiter zu gehen. (Macht ja nichts ist ja nichts passiert)

Mit trockenem Mund, klebrigen Hosen und etwas außer Atem erreichten wir nach ca 1,5 Stunden durch immer weniger Schatten und über immer größere Steine die Higher Yosemite Falls. Oben angekommen bestätigte sich was wir auf dem Weg schon vermuteten: der Ausblick ist fantastisch und rechtfertigt jede Anstrengung. Wir stehen an einer 430 Meter hohen und nahezu senkrecht abfallenden Wand. Selbst die Tatsache, dass die Wasserfälle zu dieser Jahreszeit ausgetrocknet sind trübt unser Freude und Begeisterung nicht. Wir tauschen einige Cookies gegen gute 400 ml Wasser, machen einige Fotos und sind auch schon wieder auf dem Rückweg.

Der Rückweg war weniger kräftezehrend, auch wenn wir nur selten joggten schafften wir ihn in knapp 1,5 Stunden. Gut, wir waren nahezu am Ende unser Kräfte und mussten erst einmal gefühlte 2 Liter Wasser nachschütten. Jetzt können wir aber Sagen: „Ach für die Higher Yosemite Falls braucht man auch bloß 5 Stunden, ist gar nicht so schlimm.“ 

270 Grad-Panorama und Bergsteiger-Träume

Eine Cola, 500 g Fleisch und eine Nacht später sind die Anstrengungen schon wieder vergessen als wir ein weiteres mal durch das Yosemite Valley Fahren, das heutige Ziel heißt „Glacier Point“. Glacier Point liegt nochmals etwas höher als die Yosemite Falls und hat den Vorteil, dass man hier auch mit dem Auto hochfahren kann. Aus dem Tal waren wir eine gute Stunde unterwegs ehe es zum ersten mal etwas zu sehen gab. Vor uns thront der Half Dome, die insgesamt 2693 Meter hohe kuppelartige Granitspitze ist imposant, faszinierend, gigantisch … Natürlich will man da drauf, am liebsten sofort und noch heute. Tja, geht leider nicht. Zum einen weil die Wanderung wohl 11 Stunden dauern soll (ja klar ;-)) zum anderen braucht man eine Genehmigung und von denen gibt es jeden Tag bloß 300 Stück. Da die 300 verfügbaren Tickets allerdings Anfang des Jahres schon verlost werden ist eine spontane Besteigung nahezu unmöglich. Ich wollte ja eh noch einmal wiederkommen.

Glacier Point an sich ist wohl einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der bisherigen Reise, ein unglaubliches 270 Grad Tal-Panorama wartet darauf entdeckt zu werden. Das aufgestellte Gratis-Fernglas (leider nur eins) hätte uns wahrscheinlich über Stunden unterhalten können, wären da nicht viel zu viele andere Touristen, die schon nach 2 Minuten mit den Füßen scharrten. Es blieb also bei einem kurzem Blick auf den Half Dome und bei dem Gedanken, dass man irgendwann auch selbst da oben stehen wird.

Hoffentlich denke ich dann an die Menschen die zu dieser Zeit „nur“ auf dem Glacier Point stehen und neidisch rüber gucken. Ich weiss jetzt ja, dass sie da sein werden. Für’s erste muss ich mich wie viele andere auch mit der Aussicht von hier begnügen, es könnte ja auch schlimmer sein.

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