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Perspektivlos durch die Salzwüste

Salar de Uyuni

Aus San Pedro de Atacama sollte es für uns also nach Bolivien gehen. Um ehrlich zu sein habe ich bis zur Ankunft in San Pedro gedacht wir steigen einfach in einen Bus und fahren grade rüber. Die beiden Damen hatten da aber andere Pläne – es sollte eine 3-tägige Jeeptour von San Pedro bis Uyuni werden. Auch wenn es in San Pedro wie bereits erwähnt vor Agenturen nur so wimmelt gestaltete sich die Suche nach der richtigen nicht unbedingt als einfach. Im Internet liest man immer wieder von betrunkenen Fahrern, kaltem Essen und miserablen Touren. Das galt es zu vermeiden.

Glücklicherweise hatte Emilie in ihrem „Le Routard“ (dem französischem Lonely Planet) und Nina in den Unweiten des Internets von ein und der selben Agentur gelesen: „Estrella del Sur„.  Estrella del Sur, also „Stern des Südens“ hört sich nicht nur gut an, sie soll auch eine der besseren Agenturen sein. Auf einer Karte wurde uns erklärt wie die Tour in etwa verlaufen würde, dass die erste Unterkunft sehr spartanisch eingerichtet ist (sprich: ohne warmes Wasser und unisoliert) und dass die zweite dafür um so schöner sei. 90.000 Chilenische Pesos also in etwa 90 € sollte der Dreitagestrip pro Person kosten. Mit ein bisschen Verhandeln kamen wir dann auf 85.000. Auch wenn einige Touranbieter für 75.000 fahren und wir immer wieder hörten, dass sie Nachts eh in den selben Unterkünften nächtigen, waren wir mit diesem Preis zufrieden und willigten ein. „Estrella del Sur“ würde uns also morgens am Hostel abholen und 3 Tage später in Uyuni absetzen – Super!

Tag 1: Lagunen, heiße Quellen und eine kalte Nacht

Pünktlich um 7:30 Uhr morgens stiegen wir in den kleinen Bus der uns bis zur Grenze von Bolivien bringen sollte. Ab dort ist das Gelände nur noch durch Jeeps befahrbar und so wechseln wir mit der Ankunft in Bolivien auch unser Gefährt.

Bevor es jedoch soweit ist, heißt es erstmal raus aus Chile. Zur Ausreise braucht man nicht sein ganzes Gepäck, bloß den Reisepass und den kleinen bei der Einreise erhaltenen Zettel. Unser Bus erreichte die Grenzsstation diesmal glücklicherweise als erstes. Auch wenn kein Gepäck gescannt werden musste und obwohl diesmal nur eine Station zu besuchen war dauerte die Ausreise (Zweifinger-Suchtechnik und einem defektem Lesegerät sei dank) pro Person gute 5 Minuten. Die bolivianische Grenze befindet sich auf über 4000 m Höhe und besteht aus genau einem Gebäude. Glücklicherweise arbeiten hier 3 Grenzbeamte zeitgleich und so sind wir innerhalb von 10 Minuten glückliche Besitzer eines Einresiestempels. Nach einem schnellem Frühstück im Windschatten unseres Busse geht die eigentliche Tour auch schon los. Wir werden in 6er Gruppen aufgeteilt (wenn jemand sagt: Maximal 6 Personen in einem Jeep, dann werden es 6 Personen) und einem Jeep zugeteilt. Enir (unser nicht viel sprechender aber hilfsbereiter Fahrer) verlädt die Rucksäcke auf dem Dach, schnürrt alles fest und schon gehts los.

Den ersten Stopp, keine 10 Minuten hinter der Grenze, machten wir am Eingang zum „Eduardo Avaroa National Reserve of Andean Fauna“ einem  7147 km² großem Nationalpark, durch den wir die kommen 2 Tage chauffiert werden. Der Eintritt zum Reservat beträgt 150 BOB (etwa 15 €). Keine 3 Minuten weiter liegt auch schon die Laguna Blanca, eine nicht nur durch die dünne Eisschicht weißlich schimmernde Lagune.

Weiter gehts zur Laguna Verde, der grünen Lagune. Diese leuchtend türkis schimmernde Lagune mit der atemberaubenden Landschaft im Hintergrund erinnert von ihrer Färbung eher an die Karibik als an 4000 m Höhe und eine Jahresdurchschnittstemperatur von 3 Grad. Zum Schwimmen war es dann aber doch ein bisschen frisch.

Duch Dali Desert, einen Wüstenabschnitt mit vereinzelten großen Steinen erreichen wir die heißen Quellen. Auch wenn sich hier die einzige Möglichkeit auf ein heißes Bad am heutigen Tag bietet verzichten wir darauf. Gern würde ich schreiben, dass wir einfach keine Lust hatten und auch gar keine Badesachen dabei hatten, in Wahrheit hat uns der eiskalte Wind und die Gewissheit, dass wenn man rauskommt alles noch viel kälter ist davon abgehalten.

Enir weist noch einmal auf den mitgeführten Notfallsauerstoff hin ehe wir uns auf den bisher höchsten Punkt unserer Reise begeben. Die Geysire Sol de Mañana liegen auf 4900 m und sind mit den letzten Geysire in Chile nicht zu vergleichen. Hier riecht es gewaltig nach Schwefel und in den Geysiren blubbert eine dicke graue Schlammmasse. Die kleinen Erhöhungen zwischen den einzelnen Becken leuchten in Grün-Rot-Gräulichen Farben und lassen einen fast vergessen wie hoch wir hier eigentlich sind. Schick, aber anders. Gut, dass wir beide Geysirversionen kennen lernen durften.

Mit dem Jeep geht es jetzt zu unserem heutigem Nachtquartier, eigentlich nicht mehr als eine Lehmhütte mitten im Nirgendwo. Nach einem kurzem Mittagessen (gegen 17 Uhr) geht es für uns nochmals raus, keine 20 Minuten Autofahrt (hier kann man fast von Luftlinie spreche denn dank Allradantrieb können wir wirklich schnurstracks geradeaus durch die Berge düsen) entfernt liegt die Laguna Colorado. Diese an ihrem tiefsten Punkt nur 1,5 Meter flache Lagune verdankt ihre Färbung und ihren Namen der vorherschenden Algenart. Für gewöhnlich sieht man hier wohl jede Menge Flamingos – wir heute leider nicht. Enir versichert uns aber, dass wir noch welche sehen werden.

Die erste Nacht wird wie angekündigt kalt und das schon relativ bald nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist. Es gibt noch ein schnelles Abendbrot, ehe wir uns mangels Feuerholz und dadurch entstehender Wärme schon gegen 21 Uhr ins Bett legen. Ins Bett heißt heute Schlafsack und 4 Decken.

Tag 2: Fehlstart, bunte Tiere und entgleiste Bilder

Der nächste Morgen beginnt früh und genauso kalt wie der letzte Abend geendet hatte. Immerhin gibt es heißen Tee und Eierpfannkuchen mit Marmelade. Unser Jeep bzw die Kühlflüssigkeit in unserem Jeep fand es anscheinend nicht so nett, dass er/sie bei -25 Grad draußen nächtigen musste und so ging es für uns erst eine gut Stunde später als geplant gegen 9:30 Uhr los.

Den ersten außerplanmäßigen Stopp machen wir um einige Lamas abzulichten, irgendwie wollen sie uns aber nach kurzem Fotoshooting nur ihren verfilzten Hintern zeigen und so geht es weiter zu den bizarren Felsformationen der Sioli Wüste. Verrückt was Wind und Wetter so anrichten können.

Nach dem Mittagessen mit traumhaftem Ausblick direkt an der Laguna Honda sehen wir auch endlich die versprochenen Flamingos. Hier tummeln sich hunterte wenn nicht tausende. Sie durchkemmen den Schlamm mit ihren Schnäbeln und bieten uns genügend Zeit sie dabei zu fotografieren.

Vorbei an weiteren kleinen Lagunen geht es durch zum Teil canyonartige Täler bis zum Aussichtspunkt des (oh bitte schlagt mich nicht ich habe den Namen vergessen) Vulkans. Der Vulkan an sich ist gar nicht so spannend, zumal er schir unendlich weit entfernt scheint. Viel interssanter finden wir die abstakte Landschaft komplett aus Vulkangestein (fast wäre ich vor Freude wieder angefangen auf und ab zu rennen, habe mich schlussendlich aber doch für ein normales Tempo entschieden).

Letzter Stopp für heute ist die Zugstecke von Chile nach Bolivien, mitten durch die Salar de Ujuy – mitten durchs Nichts. Nach dem obligatorischen Indianer-der-Zug-kommt-nicht-Sicherheitscheck und einigen Fotos gehts weiter ins Hotel.

Ein richtiges Hotel wurde uns versprochen und dann sieht es von außen haargenauso aus wie die Lehmbauten von der Nacht davor. Wenn man aber erstmal drin ist, ist die Welt wieder in Ordnung es gibt eine große helle Empfangshalle und auch die Heizung funktioniert. Die Zimmer sind verhältnismäßig groß und was das beste ist, es gibt heißes Wasser (jedenfalls die erste Stunde, wer bis dahin noch nicht geduscht hat wartet vergeblich … wie Nina). Interessanterweise sind die kompletten Wände aus massiven Salzblöcken, sogar die Fugen sind mit Salz verputzt. Faszinierend, war mir doch vorher gar nicht bewusst, dass Salz so stabil sein kann.

Tag 3: Einfach perspektivlos – Salar de Uyuni!

Der nächste Morgen beginnt bereits um 5:00 Uhr. Pünktlich um 6:00 Uhr wollten wir uns auf den Weg machen, das hätte auch fast geklappt wären da nicht ein paar Franzosen der Meinung gewesen, dass es ja auch reicht um 5:45 Uhr aufzustehen. In solchen Momenten hasst man seine Gruppe dann mal kurz aber intensiv – muss doch nicht sein, wenn heut der Sonnenaufgang in der Salzwüste ansteht.

Enir fährt die verlorenen 20 Minuten allerdings souverän wieder raus und so erreichen wir den ausgetrockneten Salzsee rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Es ist bitterkalt aber wunderschön, mit der aufgehenden Sonne wird einem erst das gewaltige Ausmaß dieses Salzsees bewusst. Bis zum Horizont zieht sich das helle Weiß, nur unterbrochen durch die kleinen Anhebungen der einzelnen fünfeckigen Salzwaben. Hier sehen wir nicht nur einen extrem langen Schatten sondern auch einen in Erinnerung bleibenden Sonnenaufgang.

Frühstück gibt es heute an einer der wenigen Erhebungen, die das Salz durchbrechen, an der so genannten „Kakteeninsel“. Eine Insel inmitten des unendlichscheinenden Salzes. Komplett aus Lavagestein bietet sie tausenden Kakteen den einzigen Nährboden im Umkreis von mehreren Kilometern, natürlich ist sie da über und über mit diesen stacheligen Freunden bewachsen.

Nach dem Frühstück gehts noch einmal ins nichts, einmal dorthin wo nicht nur Kameras das Gefühl für Entfernung verlieren. Eine knappe Stunde experimentieren wir herum ehe wir etwas überstürzt Abschied von Enir nehmen müssen. Da unser eigentliches Ziel Uyuni bestreikt wird, entscheiden wir uns dazu direkt vom Rande der Salzwüste einen Bus zu nehmen und nicht mit ihm nach Uyuni zu fahren.

Kommentare
2 kommentare zu “Salar de Uyuni”
  1. Nathalie sagt:

    Ein toller und sehr informativer Bericht!! Mich würde interessieren, wie gut ihr mit der Höhe klargekommen seid. Ich habe schon Horrorgeschichten von Höhenkrankheit gelesen, die mir etwas Sorge machen, zumal ich auch kein Spanisch spreche um mich im Notfall wirklich klar auszudrücken.
    Liebe Grüße, Nat

    • nina sagt:

      Hallo Nathalie,
      ich hatte wären der ganzen Zeit in den Anden nur einen einzigen Nachmittag Probleme mit der Höhe und das hat sich „nur“ durch starke Kopfschmerzen geäußert. Kokablätter helfen da Wunder ;-) Ein Vorteil war sicher, dass wir uns langsam an die Höhe rangetastet haben und nicht direkt auf der Höhe gelandet sind. Uns sind aber auch während der ganzen Zeit nur wenige begegnet die überhaupt mit Übelkeit oder Ähnlichem zu kämpfen hatten. Wenn es einen erwischt ist es aber wohl ein Leichtes mit ein paar Handzeichen zu verständigen, die Einheimischen kennen das Problem ja zu gut und wissen was zu tun ist. Mach dir in dem Punkt keine allzu großen Sorgen!
      Einen schönen Blog hast du! Da bin ich ja gespannt, ob bald auch Bolivien auftaucht ;-)
      Liebe Grüße, Nina

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