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Zu Besuch bei den Uros auf dem Titicacasee

Perus schwimmende Inseln

Die schwimmenden Inseln der Uros sind neben Machu Picchu und den Nazca Linien wohl eine der peruanischen Sehenswürdigkeiten die es ab und an auch mal in europäische Medien schaffen. Wir machen uns mit dem Bus aus Copacabana auf den Weg nach Peru – genauer gesagt nach Puno. Puno liegt etwa 3 Stunden entfernt von Copacabana und wenn man die Einreise nach Peru erstmal geschafft hat geht es immer am Ufer des Titicacasees entlang. Bei der Einreise hatten wir (besser gesagt ich) kleine Differenzen mit dem Grenzbeamten. In Peru wird wie in vielen anderen südamerikanischen Ländern neben der digitalen Einreise auch eine analoge Version (mit Stift und Papier) durchgeführt. Meine Handschrift war dem Herrn an der Grenze leider zu undeutlich und so wurde mir kurzerhand ein neuer Zettel ausgehändigt – nach dem 2ten Mal lies ich diesen dann von Nina ausfüllen und ging sicherheitshalber zu einem anderen Beamten. Stempel hier, Stempel da – Willkommen in Peru.

Im Alleingang zu den Uros?

Puno liegt, wie gesagt, direkt am Titicacasee und ist Ausgangsort für Ausflüge zu den Inseln der Uros und Taquile – letztere soll der Isla del Sol sehr ähnlich sein, weswegen wir auf den Besuch verzichteten und bloß die Uros besuchen wollten. In Puno selbst gibt es einige Agenturen mit Ausflügen zu den schwimmenden Inseln im Programm. Da wir allerdings keine wirkliche Lust hatten in einer Touristengruppe auf den Inseln herumgeführt zu werden und weil wir gelesen hatten, dass man diesen Ausflug auch ohne Guide sehr gut bewerkstelligen könnte machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Die „Promenade“ zu den Anlegestellen hat sich sehr gut auf den Tourismus eingestellt und so gibt es hier neben Klamottengeschäften, reichlich Restaurants, ein privates Museum zur Geschichte des Titicacasees und Musiker, die tatsächlich den ganzen Tag bloß ein Lied spielen (immer dann wenn Touris im Anmarsch sind). Der Hafen selbst ist nicht viel mehr als ein riesiger Anleger an dem sich gefühlt 200 Boote tummeln, alle mit einem Ziel: Die schwimmenden Inseln der Uros. An einem Ticketschalter machen wir uns schlau, was für Optionen angeboten werden und entscheiden uns schließlich für das mit 10 Sol / p.P (~3 €) günstigste Ticket für Hin- und Rückfahrt. Zu diesem Fahrtpreis kommen noch 5 Sol „Eintritt“ auf die Inseln.

Die schwimmenden Inseln wurden ursprünglich zum Schutz vor Angreifern errichtet und sind nahezu 100 %ig aus Totora-Schilf. Heute leben von den 2000 Uros wohl nur noch sehr wenige wirklich „Vollzeit“ auf den Inseln, die meisten haben kleine Häuser in Puno und sind nur noch tagsüber für die Touristen auf den Inseln. Mit einem kleinem Boot machen wir uns zusammen mit etwa 20 anderen Besuchern auf den etwa 5 km langen Weg zu den Uros. Der Titicacasee ist hier keinen Meter tief und das Boot fährt, wie alle anderen auch durch eine schmale schilffreie Schneise – außer Vögeln und jeder Menge anderer Boote sieht man weit und breit nichts außer Schilf.

Nach ca einer Stunde sehen wir einen ersten „Wachturm“ aus Schilf, zu ihm gesellen sich im Minutentakt weitere und wir denken, dass diese Insel offensichtlich wirklich groß sein muss, ein Ende können wir nämlich zu diesem Zeitpunk noch nicht ausmachen. Als wir jedoch näher kommen fällt auf, dass es sich nicht wie vermutet um eine große sondern um viele kleine Inseln handelt, diese sind bloß so nahe beisammen, dass man mit Anlauf wohl von einer zur anderen springen könnte ohne nasse Füße zu bekommen.

Die Einfamilien-Uro-Insel

Der Anblick ist schon interessant, auf jeder Insel findet sich in etwa die selbe Ausstattung, eine paar im Kreis aufgestellte Schilf-Hütten, eine Art schilferner Torbogen und auf jeder 2ten Insel ein Wachturm. Als unser Boot anlegt und wir zum ersten Mal einen Fuß auf die Insel der Uros setzen, wissen wir auch was gemeint war mit: „Man läuft wie auf einem Wasserbett“, der weiche getrocknet Schilfuntergrund gibt ganz ordentlich nach. Nach einigen Schritten hat man sich allerdings daran gewöhnt und kommt ganz gut damit zurecht. Unsere Touristengruppe, die wir ja eigentlich vermeiden wollten versammelt sich in einem Sitzkreis und bekommt von einem Einheimischen eine kleine Einführung in den Uro-Alltag. Uns wird erklärt, dass sie ursprünglich mal vom Fischfang gelebt haben, heute aber froh über den Tourismus und die damit steigenden Einnahmen sind. Heute fertigen sie bunte Decken, kleine Mobilees und einige andere Verkaufsartikel speziell für die Touristen. Die Inseln so wird uns erklärt werden auch heute noch genau wie in den Anfängen zusammengehalten. Es gibt 4 mit dem Boden verbundene Anker um welche jede Woche mehrere Schichten Schilf gelegt werden. Dabei wird darauf geachtet, dass durch eine abwechselnde Ausrichtung (jeweils um 90 Grad gedreht) eine Art Gewebe entsteht. Löst man die Anker kann die Insel bewegt werden und an beliebiger Stelle wieder verankert werden. Heute werden die schwimmenden Inseln allerdings kaum noch bewegt.

Anschließend haben wir 20 Minuten Zeit uns auf der Insel umzusehen, um ehrlich zu sein hätten hier 5 Minuten vollkommen ausgereicht. Auf einer knapp 20 x 30 m großen Insel gibt es jetzt nicht soo viel zu entdecken. Natürlich wird in dieser Zeit versucht möglichst viel Kunsthandwerk an den Mann zu bringen, ehe wir mit dem „Mercedes-Benz“ der Uros zur Hauptinsel gefahren werden.

Die „Hauptstadt“ der Uros

Der Mercedes-Benz der Uros ist ein komplett aus Schilf gebautes Boot, zumindest war es das wohl früher mal, heute ist bloß noch die Außenhülle aus Schilf, im inneren finden sich Auftriebskörper aus Plastik auch wird inzwischen ein Boot herbeigerufen um dieses Boot anzutreiben. Jaja, de industrielle Revolution schlägt auch hier kräftig zu. Wie das nunmal so ist mit einem Mercedes kostet dieser ca 5-minütige Trip nochmals 10 Sol p.P und so verdienen die Uros selbst wenn man wie wir nichts kauft recht gutes Geld an den Touris. Auf der so genannten Hauptinsel „Capital de Uros“ gibt es neben dem obligatorischem Aussichtsturm, eine Post, feste Toiletten (mit direktem Zulauf in den Titicacasee) und ein Restaurant. Wir bleiben etwa eine Stunde, bekommen in dieser Zeit mit wie 2 recht große Touristengruppen lautstark nahezu genötigt werden doch bitte ins Restaurant zu gehen und etwas zu essen, genießen die Sonne und freuen uns irgendwie auf den Rückweg. Irgendwo zwischen Verkaufsstand und Mercedes-Tour ist die Laune ein wenig gekippt als uns auffiel, wie sehr hier alles auf Tourismus getrimmt ist.

Alles in allem war dieser Ausflug eine sehr interessante Erfahrung und die Vorstellung mit einer schwimmenden Insel zu ankern wo es einem gefällt finden wir noch immer höchst interessant – wäre ja auch eine Idee für unserer Reise. Leider sind auch die Uros für unseren Geschmack etwas zu sehr vom Tourismus beeinflusst worden, so dass man sich das eigentliche ursprüngliche Leben dort heute auch nach einer Tour nur schwer vorstellen kann. Aber wer will es ihnen verdenken …

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