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Von eisigen Nächten und kuscheligen Bäumen

Sequoia – Im Reich der Riesen

Der Sequoia Nationalpark zählt zusammen mit dem Yosemite Nationalpark zu den bekanntesten und beliebtesten Nationalparks der USA, die hier wachsenden Mammutbäume gehören mit ihrer Höhe von bis zu 80 Meter und mit einem Durchmesser von bis zu 11 Metern zu den größten Bäumen der Erde. Treue Leser wissen natürlich, dass der dickste Baum der Welt noch immer 3 m Durchmesser mehr vorweisen kann und, dass die höchsten Bäume der Welt in den Red Woods stehen weiss man ja eh. Die Sequoias werden allerdings dennoch als größte Bäume der Welt inszeniert, schaut man genau hin sieht man allerdings, dass immer dabei steht: „volumentechnisch“.

Nach unser Zeit in Las Vegas und am Grand Canyon war uns nach Wald, nach Grün und ganz im allgemeinen nach Natur, ein Ausflug in den Sequoia Nationalpark war genau das richtige Ziel als vierter Stopp auf unser Tour entlang der Westküste.

Camping-Saison eröffnet!

Wir wollen nach Möglichkeit so viel Zeit wie möglich im Sequoia Nationalpark verbringen, da die angebotenen Hütten mit 170 $ pro Nacht zumindest Ninas und mein Budget sprengen entscheiden wir uns dazu „einfach“ zu campen. Auf dem Weg hielten wir also in einem Outdoorgeschäft. Outdoor ist in Amerika gleichzusetzen mit Jagen und Militär und vor besagtem Geschäft stehen einige ausrangierte Panzer, Militärtrucks und ein U-Boot – Ein U-Boot!

Immerhin waren sie gut sortiert, neben Campingequipment aller Art, gab es historische Uniformen und allerlei Waffen. Wir tobten uns lediglich in der Campingecke aus. Neu im Gepäck sind ein 35$-Zelt ohne wirklichen Regenschutz, eine Abdeckplane um eben dieses Problem zu lösen, eine Luftmatratze, ein Koch-Set bestehend aus Topf und Pfanne, ein 4-Personen Emaille-Geschirr und zu guter Letzt ein Grillrost. Im Mietwagen alles kein Problem, ich freue mich allerdings jetzt schon auf die Zeit wenn wir das ganze Zeug auf dem Rücken mit uns herumschleppen.

Top ausgerüstet sollte es eigentlich direkt bis in den Sequoia gehen, weil der ganze Einkaufsbummel (für 3 Tage Camping kommt schon ganz schön was zusammen) allerdings etwas länger gedauert hat entschließen wir uns relativ spontan eine Nacht in der Horse Creek Recreation Area etwa 20 km vor dem eigentlichen Nationalpark zu campen.

Horse Creek liegt auf direktem Wege in den Sequoia, umgeben von Bergen in einem Tal direkt an einem See – idyllisch und schön.

Die erste Nacht campen nach, ach ich weiss gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal Campen war, machte richtig Spass, nicht zuletzt weil unser Feuerholzproblem von freundlichen Nachbarn behoben wurde. Es gab Bratwurst vom Lagerfeuer, Bier und alles was dazu gehört. Abends als der Platz bloß noch von vereinzelten Lagerfeuern und dem Mond beleuchtet wurde, man am Himmel 1000de Sterne sehen konnte und die einzigen Geräusche die man ab und an noch hörte von heulenden Kojoten kamen wussten wir, dass es die richtige Entscheidung war campen zu gehen.

Auf in den Sequoia Nationalpark …

Der nächste Tag begann etwas später als gedacht, dafür mit Frühstück vom Grill inklusive Rührei. Als wir die „Tore“ des Sequoia durchfuhren dürfte es schon gegen Mittag gewesen sein. Langsam geht es durch gefühlt 100 Serpentinen nach oben, hier und da machen wir einen Stopp, um die Aussicht zu genießen. Nationalparks mit Aussichten, das werden wir auf dieser Fahrt noch häufiger merken, können die Amerikaner. Als wir unser Camp endlich erreichen beginnt es zu regnen – der angeblich erste Regen seit knapp 2 Jahren. Die Ranger freuen sich darüber wahrscheinlich viel mehr als wir. Wir sichern das Zelt, suchen Feuerholz und hatten im Hinterkopf noch eine kurze Wanderung geplant. Weil der Regen nie so wirklich nachließ entschieden wir uns gegen die Wanderung und für ein frühes Abendessen. Es gab, ganz in alter Klassenfahrt Manier: Stockbrot.

Winter-Camping?! So war das nicht geplant …

Das anhaltende Nieselwetter und die Tatsache, dass auch das Feuer nach Sonnenuntergang nicht genug Wärme verbreitet lässt uns früh im Zelt bzw. im Auto verschwinden. Mit langer Hose, Pullover, Mütze und Schal, den Schlafsack zugezogen, so dass nur noch die Nase zu sehen ist wache ich von durch ein konstantes Zittern ausgelöste Wadenkrämpfe gefühlt alle 30 Minuten auf. Der Schlafsack bzw das dünne Deckchen mit dem Hinweisschild: Komfortbereich: 13 C; Limit: 5 C versagt auf ganzer Linie. Ich bin mir schon während der Nacht sicher, dass wir hier zumindest die gefühlt kälteste Nacht der bisherigen Reise erleben und glücklicherweise auch überleben. Als ich morgens noch immer halb eingefroren aus dem Zelt kletter und auf den umliegenden Fahrzeugen eine dicke Eisschicht entdecke zittere ich noch immer am ganzen Körper.

-4 C, so die Bilanz der letzten Nacht, es hat nicht bloß das erste Mal seit 2 Jahren geregnet, später am Abend kamen wohl sogar einige Schneeflocken vom Himmel – herzlichen Glückwunsch. Mit einigen winzigen trockenen Ästen machen wir ein Feuer und während die Zehen sich ganz langsam wieder bewegen lassen und auch der Rest des Körpers immer mehr und mehr auftaut, kann ich immer besser nachvollziehen weshalb die Inka das Feuer so sehr verehrten. Irgendwann später, gegen halb 8 tauchen langsam erste Sonnenstrahlen auf und auf den umliegenden Gipfeln erblicken wir tatsächlich noch Schnee aus der letzten Nacht. Als die Sonne sich endlich bis zu unserem Platz durchgekämpft hat empfinde ich für sie eine ähnliche Verehrung wie 2 Stunden zuvor für das Feuer. Der Körper scheint noch zu funktionieren, die warme Dusche am Besuchercenter (macht schlauer Weise erst um halb 10 auf) ist uns dennoch jeden Cent wert.

Zurück zum Anfang

Wir entscheiden uns dazu die kommende Nacht weiter unten im Tal und damit hoffentlich auch wieder in wärmeren Gefilden zu verbringen. Platz hätten sie, man dürfe aufgrund der akuten Waldbrandgefahr – schließlich hätte es seit 2 Jahren nicht geregnet – allerdings kein Feuer machen. Kein Feuer heißt kein Essen, nach einiger Überlegung fahren wir schlussendlich zurück zum Horse Creek Campingplatz, da weiss man was man hat und warmes Essen gibt es auch.

Erster Stopp: Moro Rock

Unseren eigentlich bereits für den vorherigen Tag geplanten Tag im Sequoia beginnen wir mit ein bisschen Frühsport, wir besteigen den Moro Rock. Der Moro Rock ist mit seinem 2050 m hohen Granitgipfel schon von Weitem zu sehen. Bereits 1931 wurden durch Ranger eine 400 Stufige Treppe bis zum Gipfel errichtet. Der Aufstieg ist kein wirklicher Aufstieg, vielmehr ein Treppensteigen mit grandioser Aussicht und der Möglichkeit 200 m in die Tiefe zu rutschen – allerdings nur wenn man es wirklich darauf anlegt, ein Geländer übersteigt und ein wenig Anlauf nimmt.

Der zwischendurch etwas ermüdende Aufstieg wird auf dem Gipfel mit einem, bei klarem Wetter bis zu 90 km reichenden 360 Grad Panoramablick belohnt.

Zu Besuch beim General im Giant Forest

Nach dem Abstieg machten wir uns über einem kleinen „Umweg“ durch den Tunnel Log auf den Weg in den sogenannten Giant Forrest. Giant Forrest klingt ein bisschen als würde es nur hier die berühmten Riesenmammutbäume geben. In Wahrheit sind wir die letzten 15 Minuten allerdings an kaum etwas anderem vorbeigefahren. Im Giant Forrest steht aber wohl der größte Baum der Welt „General Sherman“, benannt nach dem befehlshabenden General während seiner Entdeckung.

„Größter Baum der Welt“ ist in diesem Fall tatsächlich auf die Größe (Volumen) des Baums, nicht etwa die Höhe oder die Breite bezogen. Liest sich aber erstmal gut. General Sherman steht auf einer kleinen Lichtung sicher hinter einem Zaun, in einer kleinen Ausbuchtung kann man sich zusammen mit ihm Fotografieren lassen, vorausgesetzt man kriegt ihn ganz ins Bild. Tatsächlich, der ist groß! 1900-2500 Jahre jung, knapp 84 m Höhe und etwas über 11 m im Durchmesser lassen ihn mit 1486 Kubikmetern zum größten Baum der Welt werden.

Im Giant Forrest gibt es einige gut ausgebaute Wanderwege und wenn man schon mal die Möglichkeit hat, zwischen riesigen Bäumen spazieren zu gehen, dann macht man das natürlich auch. Auf unser knapp 1,5-stündigen Wanderung sehen wir hunderte Riesensequoias. Im Gegensatz zum General stehen die aber nicht eingezäunt und umringt von Touristen auf einer Lichtung. Hier kann man wirklich hingehen und anfassen, ich muss sagen, dass sich das wahrscheinlich komisch liest aber ja, so einen Baum anfassen ist nochmal was anderes als ihn einfach „nur“ anzusehen. Wer hätte gedacht, dass diese Riesen eine weiche Rinde haben? Richtig weich, fast schon kuschelig – wie Moosgummi. Außerdem speichert sie ganz hervorragend die Wärme der Sonne, kuschelig trifft’s also.

Sequoia – Phönix der Bäume

Wenn man durch den Giant Forrest läuft und immer mal wieder mit Bäumen kuschelt fällt auf, dass fast alle Bäume hier schonmal gebrannt haben. Die einen mehr, die anderen wenige, Rußspuren findet man aber fast an jedem und das ist auch gut so. Die Sequoias gehören nämlich zu den ganz wenigen Bäumen, die Feuer zum Leben brauchen. Die Rinde eines ausgewachsenen Sequoias kann schon mal 75 cm dick werden, so übersteht das Kernholz sogar lang anhaltende Waldbrände. Und warum brauchen sie das Feuer? Die überall herumliegenden riesigen „Tannenzapfen“ müssen wenigstens einmal gebrannt haben ehe neue Sequoias sprießen. Durch das Feuer ist außerdem sichergestellt, dass die jungen Sequoias genügend Nährstoffe (Asche) und genügend Licht (das Unterholz ist weggebrannt) für ihre ersten Lebensjahre bekommen. Da soll noch jemand sagen Waldbrände seien etwas schlechtes. Wir verabschieden uns ohne Feuer zu legen von diesen kuscheligen Riesen und machen uns auf den mal wieder mit traumhaften Aussichten gespickten Weg in den Yosemite Nationalpark.

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