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Zu Besuch am trockensten Ort der Welt

San Pedro de Atacama

Nach 4 Tagen Road Trip durch den Norden Argentiniens und nachdem feststand, dass die deutsche Elf im Finale des Fußball WM auf Argentinien treffen würde geht es für uns aus Purmamarca nach Chile, genauer gesagt nach San Pedro de Atacama. Natürlich hatte unsere Abreise nichts mit der WM zu tun, das Ticket für den Bus hatten wir schon gelöst noch bevor feststand wer im Finale gegen Deutschland verlieren würde.

Es ist 9 Uhr morgens, wir stehen vor einem Luxushotel und warten auf unseren Bus. Wir stehen im Schatten, es ist kalt, so kalt, dass ich nach 10 Minuten meine Zehen nicht mehr spüre und anfange von einem Fuß auf den anderen zu hüpfen. Aus 10 Minuten werden 20 und aus 20 schlussendlich über 90! Glücklicherweise warten wir nicht allein, zu unser Deutsch-Französischen Gruppe gesellen sich Corinne und Yvonne, die beiden Freundinnen aus der Schweiz haben grob den selben Reiseplan und so werden wir sie in Zukunft noch häufiger treffen.

Auf nach San Pedro, unserem Zwischenstopp in Chile

Der Bus braucht aus Purmamarca ca 4 Stunden bis zur chilenischen Grenze, wie lange es von dort aus dauert hängt davon ab wie viel los ist und wie genau es die Grenzbeamten nehmen. Wer glaubt das Deutschland mit seiner Bürokratie allein dasteht kann an dieser Stelle beruhigt werden. Der Grenzübergang von Argentinien nach Chile wird der bisher langwierigste dieser Reise. Natürlich haben wir Glück und vor uns ist ein anderer Reisebus. Es heisst also erstmal Schlangestehen an „Schalter eins“. „Schalter eins“ kümmert sich um die Ausreise aus Argentinien und darum, dass wir uns an „Schalter 2“ anstellen dürfen. Nach weiteren 30 Minuten erhalten wir unseren Einreisestempel nach Chile. Juhu, weiter geht’s. Ähhm nein! Erstmal zum Bus, Rucksäcke raus und jetzt beginnt der Spaß. Nach Chile darf nichts eingeführt werden, was die Vegetation, Tierarten oder gar Menschen in Chile gefährden könnte. Also keine Nahrungsmittel, keine Blumen, keine Kunst aus Holz etc.pp. – eigentlich nichts außer Kleidung. Um direkt alles so kompliziert wie möglich zu machen gibt es erst einen Fragebogen, was man denn alles im Gepäck hat und später wird das Gepäck noch durchleuchtet. Im Zweifelsfall (eigentlich so gut wie jeder Koffer) heisst es auspacken und vorführen. Vor dem Röntgenapparat standen wir nochmals ca eine Stunde und schafften ca. 5 Meter. Bis auf einmal alles ganz schnell ging, zwar wurde noch durchleuchtet, auspacken musste aber plötzlich niemand mehr. Ich weiss nicht ob der Busfahrer die Grenzbeamten in irgendeiner Art und Weise bestochen hat (Anfragen dazu beantwortete er nur mit einem Lächeln) oder was sonst passiert ist. Jedenfalls ging es nach fast 3 Stunden an der Grenze weiter, mehr muss man ja auch gar nicht wissen.

¡Hola, San Pedro!

Wir erreichen San Perdro de Atacama gegen 18 Uhr. Manuel (ein irgendwie hängengebliebener Tausendsasser und nicht gerade ein Verkaufstalent) bringt uns zum verhältnismäßig günstigen „Hostel del Sol Naciente“.

Weil Emilie irgendwo gelesen hat, dass San Pedro der weltweit beste Ort zum Sternegucken sein soll und weil Monty uns quasi befohlen hatte eine Sterngucker-Tour zu machen hielten wir bei unserem ersten Erkundungsmarsch die Augen nach Angeboten auf. Zugegeben, schwer ist es nicht in San Pedro de Atacama Touranbieter zu finden, die Stadt besteht zu 80% aus Hostels, Hotels, Restaurants, Souveniershops und Touranbietern. Die restlichen 20% belegen öffentliche Plätze und Wohnhäuser. Zwischenzeitig fällt uns auf, dass Vollmond ist und somit ist die Tour schon fast fest gebucht. Als wir aber in den Agenturen nachfragen stellt sich herbe Enttäuschung ein. Den Vollmond, den wir bis vorhin noch als Highlight der Tour feierten, verhinderst diese erfolgreich. Bei Vollmond Sternegucken ist wie sich rausstellt keine gute Idee. Der olle Riesentrabant überstrahlt einfach all die kleinen Sterne und genau aus diesem Grund wird die Tour auch zur Zeit nicht angeboten. Wir buchen aus Trotz eine „Valle de la Luna“-Tour (ja haben sie hier auch) für den nächsten Nachmittag.

Valle de la Luna (die zweite)

Pünktlich um 15 Uhr geht es los, zwar nicht wie erhofft und eigentlich zugesichert in einem kleinem Bus aber dennoch pünktlich. Das „Valle de la Luna“ liegt etwa 10 Minuten Autofahrt außerhalb San Pedros und wird deshalb auch sehr häufig mit geliehenen Fahrrädern erkundet (wir sind heute aber faul). Dieses Valle de la Luna unterscheidet sich nicht nur optisch von dem aus Argentinien. Den ersten Stopp machen wir an gigantischen Felsen komplett aus Salz (Leckprobe positiv). Auch darf man sich hier frei durch die Salzfelsen bewegen. Die Felsen wirken surreal und sind irgendwie faszinierend, nicht nur weil wir durch Höhlen und Canyons geführt werden. Leider ist unsere Gruppe so groß, dass wir kaum etwas von dem was uns erzählt wird verstehen – macht aber nichts gucken reicht. Weiter geht‘s zu den 4 betenden Marien, einer durch die extremen Witterungen und den zum Teil starken Wind entstandene Felsformation mitten in der Wüste. Verrückte Welt.

Wir spazieren noch ein wenig durch die beeindruckende Natur und machen unzählige Fotos ehe es weiter geht zum Death Valley.

Das Death Valley von San Pedro de Atacama liegt auch nicht viel weiter außerhalb der Stadt. Es erinnert an einen großen Canyon in dessen Inneren sich wiederum 100te kleine Canyons tummeln. Wir bleiben leider nur kurz, schließlich geht es noch weiter um einen (trotz oder gerade wegen einer dicken Wolkendecke) der schönsten Sonnenuntergänge der Reise zu bestaunen. Mit Blick über das ganze „Valle de la Luna“ und San Pedro.

El Tatio – Die höchsten Geysire der Welt.

Früh morgens um 4:30 Uhr geht es los. Obwohl es mal wieder bitterkalt ist freue ich mich darüber endlich mal wieder früh aufgestanden zu sein. Die Freude hält bis wir im Bus sitzen und ich nach 10 Minuten wieder eingeschlafen bin. Innerhalb von anderthalb Stunden bringt uns Christian von 2500 auf über 4200 Meter Höhe. Schon von Weitem kann man die hoch in den Himmel steigenden Dampfsäulen sehen. Was man leider auch sieht und was mich anfangs ärgert, sich aber nicht vermeiden lässt und auch tatsächlich gar nicht so schlimm war, waren die schier unendlichen Busse voll mit Menschen.

Pünktlich, die Sonne blinzelt gerade über die Bergkette, erreichen wir unseren Parkplatz. Christian weisst noch kurz darauf hin, dass wir doch bitte nach Möglichkeit nicht in die 90 Grad heißen Geysire fallen sollten und gibt uns dann 40 Minuten zum Fotografieren und Rumlaufen. In dieser Zeit wolle er das Frühstück zubereiten. 40 Minuten… Das hier sind unsere ersten Geysire und dazu noch die höchstgelegensten der Welt… Wir wissen vor lauter Eindrücken nicht was wir zuerst fotografieren sollen, entdecken im Sekundentakt Neues und so sehen wir Christian erst eine Stunde später wieder. Glücklicherweise kennt er dieses Problem schon und so bekommen wir trotz Verspätung noch etwas zu essen und einen im Geysir aufgewärmten Kakao. Toll so einen Geysir – will ich jetzt auch für zu Hause.

Die „El Tatio“ Geysiere bzw das El Tatio Geysierfeld gilt als das drittgrößte der Welt und besteht aus über 100 einzelnen Geysieren, von winzig-klein bis laut und groß ist hier für jeden etwas dabei.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zum höchstgelegenem Pool der Welt und auch wenn die Temperaturen hier oben -5 Grad betragen hat das Wasser angenehme 30-40 Grad je nachdem wo man gerade planscht. Selbstverständlich kann ich mir solch eine Gelegenheit nicht entgehen lassen und so heißt es raus aus den Klamotten, rein ins Vergnügen. Das Wasser ist tatsächlich warm, der Grund sogar an einigen Stellen so heiß, dass man nicht wirklich lange sitzen bleiben kann / will. Rein ist das eine, raus das andere, auf über 4000 m Höhe und mit einem Temperaturunterschied von über 40 Grad brauche ich ca 2 Minuten um wieder ruhig und kontrolliert zu atmen. Einen komischen Körper habe ich da erwischt.

Unseren Geysir-Ausflug schließt mit einem Besuch im kleinen Bergdorf Machuca ab. Angeblich wohnen hier nur 10 Familien. Wenn sie früher von Ackerbau und Lamazucht gelebt haben, wird einem heute sehr schnell deutlich, dass sich alles um die Touristen dreht. Gefühlt jeder Bus, der vorher die Geysire besuchte hält auf seinem Rückweg hier. Es gibt Lamafleisch vom Grill, überteuerte Empanadas und musizierende Dorfbewohner. Alles ganz nett aber irgendwie eben auch wieder nicht und so bin ich froh als es zurück nach San Pedro de Atacama geht.

Abends bestreitet Deutschland ein unbedeutendes Fußballspiel. Die Chilenen freuen sich, dass Schürle – wenn der Name von einem Spanier ausgesprochen wird – sich anhört wie Chile und sie dann irgendwie doch beim Endspiel dabei sind. Am nächsten Morgen begleiten Emilie leichte Kopfschmerzen, es muss also auch aus französischer Sicht gut gewesen sein.

Jetzt geht’s nach Bolivien, 3 Tage Offroad-Spaß warten auf uns.

Kommentare
ein kommentar zu “San Pedro de Atacama”
  1. Heike sagt:

    So viele Berichte auf einmal ( na, wir hatten ja auch ne lange Durststrecke ) ,wecken das Fernweh.So nen Geysir hätt ich gern als Mitbringsel :-) .
    Atemberaubende Landschaften , ja ,ihr habt alles richtig gemacht….. ,genießt die Zeit.

    Ob ich wohl meinen Urlaub noch mal umbuche …….?,bräuchte mir so ja für viele Länder keinen Reiseführer kaufen…….

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