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Wer hat die Kokosnuss geknackt?

San Blas Inseln – Panamas Karibik

Die San Blas Inseln erstrecken sich von El Porvenir bis zur Grenze von Kolumbien und bieten jede Menge Platz für Robinson Crusoe Feeling. Wenn man wollen würde könnte man sich für jeden Tag im Jahr eine Insel raussuchen und hätte nach einem Jahr Insel-Hopping keine doppelt bewohnt. Es gibt genau 365 Stück – also für jeden Tag im Jahr eine. Das Gebiet San Blas (oder heute auch Kuna Yala) ist inzwischen von der Regierung anerkanntes Territorium des indigenen Volks der Kuna. Jede Insel gehört zu einer Kuna-Familie und diese vermarktet sie entweder touristisch oder bleibt für sich. Sie arbeiten allerdings eng zusammen und organisieren Ausflüge und Transporte zu anderen Inseln.

Wie kommt man aus Panama City auf die San Blas Inseln?

In Panama City ist es eigentlich so gut wie in jedem Hostel, bzw Budget-Hotel möglich seinen Trip nach San Blas zu buchen. Preislich kommt es immer darauf an wo man bucht und was man machen möchte. Die klassische „von-Panama-nach-Kolumbien-Tour“ über die San Blas Inseln gibt es ab 370 $ p.P. inklusive Übernachtung und Verpflegung für 4 Nächte. Da wir allerdings nur einen Kurztrip machen kommt diese Option für uns diesmal nicht in Frage. Wir buchen in unserem Hostel, dem Panamericana also einen Jeep (die Anfahrt bis El Porvenir ist nur mit Allradantrieb machbar), diese Jeeps transportieren jeweils 7 Personen, der Roundtrip kostet dabei 60 $. Durchgeführt werden diese Shuttles z.B. von Lam Tours wobei ich nicht weiss ob es günstiger wird, wenn man direkt dort bucht.

Morgens gegen 5:30 Uhr werden wir  von unserem Jeep abgeholt, in das Lam Tours Büro (es liegt ganz im 30er-jahre Gangsterstil in einer Tiefgarage) gefahren, dort bekommen wir unsere Rückfahrscheine, bezahlen die Überfahrt, geben an auf welche Insel es für uns geht etc. pp. Danach hatten wir nochmals Zeit Lebensmittel, Wasser und sonstiges zu kaufen. Vollgepackt mit kleinem Gepäck, Frischwasser, Bier, Snacks, Obst und was nicht alles machen wir uns dann gegen 8:30 Uhr auf den eigentlichen Weg. (Weshalb wir so früh aufstehen mussten bleibt mir ein Rätsel)

Wir erreichen den Anleger (es ist vielmehr ein Flusseinstieg) in El Porvenir gegen 11 Uhr, verladen unser ganzes Gepäck in der Front des Bootes „unserer“ Kuna-Familie um anschließend alle über genau dieses Gepäck stiefeln zu können und einen Sitzplatz im hinteren Teil des Bootes einzunehmen. Es folgt eine kurze Ansprache, dass wir alles fotografieren dürfen außer die Inselbewohner. Schade aber ok, wahrscheinlich hätte ich auch keine Lust für die ganzen Touris Model zu spielen. Mit dem Boot geht es für ca 20 Minuten an einigen kleinen dicht besiedelten Inseln vorbei ehe wir nach weiteren 25 Minuten Überfahrt an einem weißen traumhaften Strand anlegen. Zu sehen ist nichts außer Strand, Palmen, Holzhütten und eine weitere Insel nach genau dem selben Schema.

Willkommen im Paradis der Isla Diablo

Wir sind angekommen auf der Isla Diablo, einer Insel etwa so groß wie 2 Fußballfelder und dennoch aufgrund von Strömungen nicht zu umschwimmen. Palmen, weißer Sand, ein Volleyballnetz und ein paar Holzhütten, dazwischen einige Zelte – das ist unsere Isla Diablo, der Inbegriff einer Südsee-Trauminsel. Wir beziehen für die erste Nacht ein offenes Mehrbettzimmer mit Sandboden und einem Mix aus selbstgebauten Betten und Luftmatratzen. Da wir hier nur auf einer Luftmatratze nächtigen, ziehen wir am nächsten Tag in ein Zelt und sparen 20 $ pro Nacht. Neben der Mehrbett-Schlafhütte gibt es noch mehrere private Hüttchen für 2er bis 4er Belegung, eine Hütte die als Küche dient und die Privatunterkünfte der Kuna-Familie. Im Zentrum steht ein langer Tisch an dem wir 3 Mahlzeiten am Tag serviert bekommen, sowie mehrere kleine überdachte Tische mit Bar. An der Rückseite der Bar werden Molas verkauft, schön bestickte Stofftücher. Molas sind, neben bunten Perlenarmbändern, das „Markenzeichen“ der Kuna und ein tolles Souvenier.

Das Essen auf der Insel war sehr vielseitig. Hatten wir vorher noch gelesen, dass es eigentlich morgens, mittags und abends Fisch mit Reis geben sollte, wurden wir hier positiv überrascht. Pancakes, Eier, Würstchen, Hühnchen, Fisch, Gemüse, Reis, Kartoffel und nach jedem Essen eine Menge Wassermelone … Das Essen war abwechslungsreich und es gab immer eine vegetarische Option. Dies ist allerdings auf jeder Insel anders.

Unser typischer Abend auf der Insel bestand aus sternklarer Nacht, einem Feuer am Strand und Bier, wahlweise auch Rum oder Wein. Es könnte schlimmer sein.

Was macht man denn sonst noch auf San Blas?

(Kokos-)Nussknacker spielen
Für die meisten ist es gar keine Frage was man auf San Blas macht: man erholt sich, sonst nichts. Für mich und glücklicherweise auch für Basti ist diese Stille und dieses Nichtstun nach 10 Minuten nicht mehr auszuhalten, man muss sich also was einfallen lassen. Einsame Insel, Palmen, Strand, Wasser, nichts sonst! Palmen, da war doch was: Kokosnüsse, viele Kokosnüsse. Natürlich kann man von den Kuna Kokosnüsse kaufen und 1 $ pro Stück sind ein fairer Preis. Es macht aber viel mehr Spaß sie selbst zu knacken bzw. vorher erstmal zu schälen. Was viele ja gar nicht wissen ist, dass Kokosnüsse super für ihren Fall vom Baum präpariert sind. Um die eigentliche Nuss ist eine weitere Schale, ca 5 cm dick, faserig und extrem stabil. Bewaffnet mit einem Obi-Multitool, Korallen und einem großem Stein fühlen wir uns beim Kokosnussknacken wie Robin Crusoe – schaffen wir es doch nach 6 Anläufen bereits nach 20 Minuten. 20 Minuten Knochenarbeit bei 30 Grad im Schatten und dann will niemand das Hart erkämpfte Kokosfleisch. Jetzt wissen wir allerdings weshalb hier auf der Kirmes immer nur ein kleines Stück Kokosnuss verkauft wird – mehr kann man davon einfach nicht essen. Was wir auch wissen: wir können auf einer einsamen Insel überleben, jedenfalls wenn wir ein Multitoll dabei heben.

schwimmen, tauchen und verbrennen
Ich war selten so viel im Wasser wie hier, musste ich mich doch mit Schnorcheln vom Nichtstun ablenken. Erkenntnis der Woche: Beim Schnorcheln kann man sich ganz wunderbar einen Sonnenbrand holen, selbst wenn man schon 3 Monate unterwegs ist. Natürlich musste ich das auf die harte Tour lernen und so hatte ich am dritten Tag hunderte kleine mit Wasser gefüllte Blasen auf dem Rücken. Glücklicherweise taten sie nicht weh – sah allerdings total blöd aus.

Wie bereits erwähnt war es mir aufgrund von Strömungen nicht möglich die Isla Diablo zu umschwimmen, dafür konnte man quasi schwimmend Land erobern. Die Isla Perro liegt nur ca 100 m entfernt, ist also in schwimmbarer Entfernung. Etwa 20 m vor Isla Perro liegt ein irgendwann in den 20 er Jahren versunkenes Schiff, auf welchem sich inzwischen allerlei Korallen abgesetzt haben. Von der Isla Perro ist es allerdings auch möglich eine andere ca 300 m entfernte Insel zu erschwimmen, leider ist es uns nicht erlaubt, sie zu betreten und so schwimmen wir ohne auch nur einen Fuß in den Sand gesetzt haben wieder zurück :(

Ausflüge und noch mehr schwimmen
Weil einem aber auch als Nussknacker irgendwann langweilig wird sind wir ganz froh, dass von der Isla Diablo jeden Tag Ausflüge angeboten werden. Der erste bringt uns zu Chicheme, einer weiteren San Blas Insel nach ähnlichem Muster: Strand und Palmen, dazu türkises Wasser. (Oh man, wenn ich das so schreibe denkt man, dass ich es überhaupt nicht schätze … schlimm) Leider bleiben wir hier nur recht kurz und machen weiter mit unserem Insel-Hopping, es geht vorbei an Isla Viagra (eine Insel mit nichts außer einer Palme, ich weiss nicht wie man auf diesen Namen gekommen ist), zu einer „Restaurant-Insel“, naja jedenfalls gab es hier keine Hütten für Touristen lediglich ein Restaurant mit einem Gericht und kaltem Bier, immerhin das gibt es überall im Paradies :).

Holandes Cays ohne Holländer und Turtle Island ohne Turtles

Wieder daheim auf der Isla Diablo beschließen wir mit einigen anderen Reisenden für den nächsten Tag ein Boot zu chartern und einen Tagesausflug zu den Holandes Cays zu unternehmen. Die Holandes Cays sind die östlichsten und somit am weitesten vom Festland entfernten San Blas Inseln. Wir fahren ca eine Stunde mit Vollgas, tanken einmal auf und fahren weitere 20 Minuten, dann erreichen wir Turtle Island, allein der Name lässt Nina diese Insel lieben. Wir schnorcheln und schnorcheln, können allerdings keine einzige Schildkröte erblicken. Was wir allerdings finden sind zahlreiche riesige Muscheln, einen ganz schön großen Octupus in seiner Höhle und eine Seeschlange, deren Namen ich leider nicht weiss. Sie war Braun und hatte helle Flecken mit grüner Umrandung, kurzum ich gehe davon aus dass sie hochgiftig war – ich jedenfalls hatte Schiss.

Nach dem Mittagessen (es gibt Hähnchen mit Reis) fahren wir ein Stückchen zurück. Wir halten an einem außergewöhnlich türkisen Fleck (ca 50 m Durchmesser) springen ins Wasser und haben riesige Seesterene vor uns, so groß wie meine Füße (also gigantisch) das Wasser ist an dieser Stelle nur ca 1,5 m tief, fällt jedoch an den Seiten sehr steil ab. Außer Seesternen gibt es hier nichts, dafür sehen wir sie in jeder möglichen Große und Färbung, ich schließe daraus, dass man sie wohl nicht essen kann …

Weiter geht’s. Ehe es zurück geht halten wir an einem weiteren Riff, auch hier gibt es unzählige bunte kleine Fische, mein Highlight bleibt ein recht großer Kofferfisch, für den Rest der Gruppe war es wohl ein riesiger Rochen (ich mag nicht im Wasser sein, wenn da noch 20 andere sind). Nach ca 30 Minuten machen wir uns endgültig auf den Rückweg.

Wie viel Zeit plant man für San Blas ein?

Wir sind letztendlich 4 Nächte auf der Insel geblieben. Uns wurde vorher schon gesagt, dass 2 Tage vollkommen ausreichen würden da es ja nun wirklich nichts zu tun gäbe. Gut, hätten es wohl auch. Für uns wäre die Alternative allerdings nur ein noch längerer Aufenthalt in Panama City gewesen und da fiel die Entscheidung leicht ;) Was man allerdings vorher gut bedenken sollte ist die Menge an Bargeld, die man dabei hat, auf den Inseln gibt es natürlich keine Geldautomaten. Wir sind mit grad mal 20 $ in der Tasche zurückgekommen ;-)

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