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Von frischem Kaffee und riesigen Palmen

Der Nase nach ins Kaffee-Dreieck

Salento liegt im Herzen von Kolumbiens Kaffee-Dreieck, also der Region Kolumbiens die ihr Geld maßgeblich mit dem Anbau von Kaffee verdient. In Salento setzt man allerdings neben Kaffee auch auf Fischzucht und vermehrt den Tourismus. Das angenehme Klima, die grünen Berge, nette Menschen und nicht zuletzt die Nähe zum Valle de Cocora haben sich als beste Voraussetzungen für ein gutes Geschäft herausgestellt.

Nach bloß einer Nacht in Armenia (auch das war zu lang, die Stadt ist wirklich nichts besonderes) ging es für uns mit dem Linienbus nach Salento. Auf den 24 km wird aus der versmogten Großstadt ein kleines Dorf umgeben von grünen Bergen und mit jeder Menge frischer Luft und dem ständigen Duft von frisch geröstetem Kaffee. Und aus dreckigen und vollen Straßen werden kleine Gassen mit einigen der buntesten Häusern der Reise.

In Salento haben wir seit längerem mal wieder das Gefühl in einem richtigem Urlaubsort angekommen zu sein – ab und an braucht man ja auch Urlaub – da macht es nichts, dass wir für den inzwischen alltäglichen Obstsalat vom Straßenstand auf einmal 2000 CO$ und damit das doppelte wie bisher bezahlen – 1$ für einen Frischen Obstsalat ist aber auch noch ok.

Für unsere 3 Nächte haben wir uns in eins der ersten Hostels Salentos eingemietet. Das Plantation Hosue ist, wie der Name vermuten lässt tatsächlich eine Unterkunft auf einer ehemalige Kaffee-Plantage. Tim, der englische Besitzer hat sich hier ein kleines Paradies geschaffen, inklusive der eigenen Kaffeeplantage und einem wunderbarem Ausblick, bis nach Armenia.

Zu Besuch bei den Riesenpalmen

Wenn man Salento besucht, wird man sich auch das Valle de Cocora anschauen wollen. Das Valle de Cocora bietet eine der interessantesten Landschaften in Kolumbien. Auf grünen Wiesen wachsen hier die bis zu 60m hohen und somit größten Palmen der Welt, bei klarer Sicht kann man die schneebedeckten Gipfel einiger Vulkane sehen. Das Valle de Cocora erreicht man am besten mit einem Linien-Jeep für 3,400 CO$, diese fahren um 7:30 Uhr und um 9:30 Uhr ab dem Marktplatz Salentos. Wenn ihr keine Lust habt euch zu sechst einen Jeep zu teilen, oder einfach später fahren wollt kann man wohl auch eine Privatfahrt für 30.000 CO$ engagieren. Aus irgendwelchen Gründen ist unser Jeep etwas überbucht,  da es das Wort überbucht im kolumbischen Wortschatz allerdings nicht gibt, machen wir es uns zu viert auf der Stoßstange bequem. Auch so kommen wir nach etwa 25 Minuten am „Eingang“ des Valle de Cocora an.

Neben ein paar wenigen Shops und etlichen Pferdevermietern sieht man hier noch nicht so wirklich was die eigentliche Attraktion sein soll. Zusammen mit Gabe und Lea, einem Neuseeländisch-Deutschem Paar auf dem Weg zurück nach Neuseeland (jeder weiss, das Südamerika auf dem direktem Weg liegt wenn man aus Deutschland nach Neuseeland möchte), machten wir uns auf den Weg. Der gut ausgebaute Wanderweg führt uns etwa eine halbe Stunde durch Bergpanoramen, wie man sie auch in den Alpen sehen könnte – wahrscheinlich wäre in den Alpen die Palmendichte nicht so hoch aber sonst …

Mit jedem Meter den es weiter nach oben geht verwandelt sich die Umgebung immer mehr in einen dicht bewachsene Dschungel mit großen Bäumen, allerlei Schmetterlingen und Vögeln. Über insgesamt 5 wackelige Hängebrücken, die ihre besten Zeiten, längst hinter sich haben kreuzten wir mehrmalss einen kleinen Fluss. Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir Acaime, eine kleine Farm mitten im Nirgendwo, für umgerechnet 2,5o $ pro Person gibt es hier eine heiße Schokolade bzw. einen Kaffee mit einem Stück Käse. Käse und Trinkschokolade, welch eine Mischung! Der Käse ist für deutsche Verhältnisse natürlich kein richtiger Käse, er erinnert eher an bröseliges Kaugummi aber hey, die Kolibris und die grandiose Aussicht in das zuvor durchwanderte Tal lassen einen darüber hinweg schauen.

Von hier geht es noch eine gute Stunde über Wiesen und durch Nadelwälder bergauf, der letzte Teil auf dem Weg zur Finca la Montana ist nochmals ein wenig anstrengender belohnt allerdings mit super Ausblick über das Tal. Da die Finca la Montana auf 2800 m Höhe den höchsten Punkt der Tour ausmacht befinden wir uns theoretisch ab jetzt auf dem Rückweg, bloß theoretisch, da wir die „typischen“ Waxpalmen bisher noch gar nicht in ihrer vollen Pracht bestaunen konnten. Was bis vorhin noch ein matschiger und zum Teil recht enger Weg war wird jetzt zu einer für Jeeps zugänglichen Schotterpiste ohne wirkliche Herausforderung. Als wir uns schon fast sicher waren, dass all die „typischen Valle de Cocora-Bilder“ irgendwo anders, ganz sicher jedoch nicht hier aufgenommen wurden (wir waren immerhin schon fast wieder im Tal), konnten wir einige der bis zu 60 m hohen Palmen am Horizont entdecken, erst nur die Krone (heisst das bei Palmen überhaupt so?) später jedoch auch die nie enden wollenden Stämme. Aus einer Palme wurden fünf und aus diesen fünf wurden ganz schnell hunderte. Wir haben ja nichts gesagt, die Fotos kommen anscheinend doch von hier. Auf saftig grünen Wiesen stehen soweit das Auge reicht riesige Palmen, so hoch, dass man beim Betrachten Nackenschmerzen bekommt. Die makellosen grünen Wiesen werden nur unterbrochen durch vereinzelt freilaufenden Kühen und ein paar wenigen Steinen. Wunderschön und komplett unnatürlich!

Tejo – explosiver Nationalsport!!

Leute es tut uns leid aber ihr müsst jetzt stark sein: Kolumbien ist wunderschön, die Bewohner Kolumbiens sind supernett, in Kolumbien gibt es guten Kaffee UND in Kolumbien darf man auch mit Schwarzpulver spielen! Ja wirklich, so richtig mit Explosionen. Das ganze nennt sich dann Tejo und ist so beliebt, dass es als offizieller Nationalsport Kolumbiens gilt. Diesen Spass konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so ging es mit unser Wanderbekanntschaft nach einem Besuch auf dem wöchentlich auf dem Marktplatz Salentos stattfinden Fress-Markts mit viel zu vollem Magen (ohne Witz, die Portionen kann man sich zu dritt teilen) und einigen Bieren intus zum Tejo spielen. Ich bitte euch, wir sind in Kolumbien, da kann man auch betrunken Sachen zum Explodieren bringen. Ein gegnerisches Team, bestehend aus einer Deutsch-Englischen Gruppe, war schnell gefunden und so ging es nach einer kurzen Einweisung auch schon los.

Was ist Tejo? Ganz kurz und unvollständig. Beim Tejo geht es darum mit einem Gewicht von 200-800 g (dem sog. Tejo) kleine mit Schwarzpulver gefüllte Papierdreiecke zum Explodieren zu bringen. Diese Dreiecke liegen 10-25 m entfernt auf einem in Knetmasse eingelassenem Metallring. Explodiert ein oder mehrere dieser Dreiecke gibt es 3 Punkte, falls in einer Runde nichts explodiert, bekommt die Mannschaft einen Punkt, deren Tejo am nähesten an den Dreiecken liegt. Geworfen wird abwechselnd, auf einen Spieler der Gruppe A folgt ein Spieler der Gruppe B, sind alle Teammitglieder durch ist die Runde beendet und die Punkte werden vergeben. Ein Spiel geht bis zu einem vorher ausgemachtem Punktestand – bei uns 27.

Für fast alle war dieses Tejo-Spiel die erste Begegnung mit diesem Spiel, beste Vorraussetzungen also. Nach ein paar Runden „Warmspielen“ landeten die Gewichte sogar fast immer, ca dort wo sie hin sollten (man wird recht schnell besser – wirklich gut wurden wir allerdings nie). Für die zuvor verabredeten 27 Punkte brauchten wir gute anderthalb Stunden, wobei der buchstäblich letzte Wurf dazu führte dass unsere Mannschaft gewann. Ich kann gar nicht sagen wie gut mir dieses Spiel gefallen hat … Wer mich (und meine Affinität zu Explosivem) kennt kann sich ggf vorstellen wie ich mich darüber gefreut habe, dass etwas explodieren zu lassen hier als Sport gewertet wird. Wenn ich an den geruch der frisch explodierten Dreiecke, die Explosionen und überhaupt an Tejo denke zaubert dieses Spiel noch heute ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Tejo, du verrücktes Spiel, ich hab dich lieb.

Das „Besondere“ am kolumbianischen Kaffee

Nach ein bisschen zu viel Bier und ein bisschen zu wenigen Explosionen (jeder weiss, dass es nie genug Explosionen geben kann), hieß es an unserem vorletztem Tag in Salento noch einmal „früh aufstehen“. Zusammen mit Tim, dem Eigentümer des Plantation House wollten wir uns den Ort anschauen, der damals zum Namen des Hostel geführt hat – die Kaffee-Plantage. Auch wenn wir in Panama schon eine Kaffee-Tour hatten, bestand Nina darauf hier doch auch noch eine zu machen, immerhin ist der kolumbianische Kaffee etwas ganz Besonderes. Tja, Pech gehabt denn das einzig besondere an industriell hergestelltem kolumbianischem Kaffee ist die Tatsache, dass er gar nicht besonders ist. Tim erklärt schon zum Beginn der Tour, dass in Kolumbien zwar einige der besten Kaffee-Pflanzen der Welt wachsen würden und das hier sowohl High-Mountain-Kaffee wie auch „Flachland-Kaffee“ produziert würde. Das Problem seien die zumeist kleinen Fincas, die keine andere Möglichkeit haben, als ihren z.B. traditionell angebauten High-Mountain-Kaffee nach der Ernte an eine der gemeinschaftlich agierenden Röstereien zu liefern. Da man von Außen allerdings nicht sagen kann ob es sich um High-Mountain oder sonst einen besonderen Kaffee handelt und aufgrund der Tatsache, dass wirklich jeder seinen Kaffee hier abgeben kann, kommt alles in einen Sack mit der Aufschrift „Kolumbianischer Kaffee“. Tadaa – der Industrielle Kaffee aus Kolumbien ist also immer ein Mixprodukt aus gutem und nicht so gutem Kaffee. Wer wirklich guten kolumbianischen Kaffee trinken will ist heute ganz gut beraten, sich ein überteuertes Produkt mit Herkommensnachweis zu kaufen – die sind dann 4-x mal so teuer wie normalerweise eh schon. Toll die kolumbianische Kaffee-Tradition :). Das eigentliche bzw. heutige Plantation House inklusive Kaffee-Küche und reichlich Platz zum Kaffee trocknen steht etwa 15 min Berg abwärts vom Hostel, mitten in der dazugehörigen Plantage, neben Kaffee wachsen hier Ananas, Bananen, Lulus und eine Hand voll weiterer Früchte.

Der Ablauf der eigentlichen Kaffeeproduktion unterscheidet sich dann schlussendlich wirklich nicht von der in Panama und so ersparen wir euch die Zeilen und verweisen auf diesen alten Bericht  – Schön war es dennoch!

 

Kommentare
2 kommentare zu “Der Nase nach ins Kaffee-Dreieck”
  1. Heike sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    wie rücksichtsvoll von euch mit euren Berichten während meines Urlaubs zu pausieren :-) ,umso mehr hab ich mich gerade gefreut etwas „ganz frisches“ zu lesen zu bekommen.
    Nina ,wie hast du es geschafft Jan vom Tejo zu lösen ? Jan,wie komisch,dass du von diesem Spiel nicht schon vorher wusstest.Du könntest mit deinem Forschergeist und deinem Ideenreichtum in Verbindung mit allem was zischt und knallt,glatt der Urheber von Trejo sein.Wie „sinnvoll“ hätte doch dein Depot eingesetzt werden können.
    Alles in allem freue ich mich euch froh und munter zu wissen und bin gespannt auf eure nächsten Berichte.
    Eine dicke Umarmung und ganz liebe Grüße
    Heike

    • nina sagt:

      Hallo liebe Heike,
      so einfach war das tatsächlich nicht, aber irgendwann ist ja leider auch der größte Vorrat aufgebraucht …
      Ich bin mir aber auch ganz sicher, dass dieses Spiel mit unserer Rückkehr auch Einzug nach Deutschland erhält, irgendwo dürften da auch noch so eine explosive Kiste eingelagert sein … ;-)
      Ganz liebe Grüße aus San Francisco!

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