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Ein freundlicher Empfang in Kolumbien

Popayan – Kolumbiens weiße Stadt

Willkommen in Kolumbien, dem Land von dem wir auf dieser Reise schon so viel (ausnahmslos gutes!) gehört haben und trotzdem noch immer so wenig wissen. Wilkommen in einem Land, dass bis heute für die meisten Europäer oder wahrscheinlich für alle noch nie hier gewesenen sind mit den immer selben Klischees zu kämpfen hat. Kolumbien hat bis heute vor allem mit Drogen, Korruption, Guerillas, Prostitution und Bandenkriegen zu kämpfen – jedenfalls wenn man einen Blick in die Internationale Presse wirft. Wenn man diese Berichte allerdings auch nur einen kurzen Moment ignoriert und sich mit Jemandem unterhält, der tatsächlich schon einmal in Kolumbien war hört man fast ausschließlich Dinge wie: „Kolumbien ist wunderschön, die Menschen sind unglaublich nett und das Land ist so vielseitig. Ich hatte es nicht geplant, war am Ende aber 7 Wochen in Kolumbien“ oder „Kolumbien, das schönste und vielseitigste Land Südamerikas. Nehmt euch dafür unbedingt Zeit“ Wir haben während der letzten 8 Monate gefühlt von jedem Langzeitreisendem gehört, dass man für Kolumbien definitiv länger einplanen sollte und dass es eines der wenigen noch nicht überlaufenden „Backpacker-Ländern“ ist. Bei so viel Geschwärme und so vielen lobenden Worten haben wir uns schon relativ früh entschieden, dass wir uns Kolumbien auf jeden Fall anschauen wollen, auch wenn das einige Daheimgebliebene nicht unbedingt toll finden.

Freundliches Willkommen in Kolumbien

Nach bloß einer Woche in Ecuador saßen wir im Bus zur kolumbianischen Grenze. Natürlich haben wir uns den Grenzübergang ausgesucht, der bis heute das europäische Kolumbien-Klischee erfüllt. Der Grenzübergang zwischen Tulcan (Ecuador) und Ipiales (Kolumbien) hat auch heute noch mit zahlreichen Schmugglerbanden etc zu kämpfen und so kommt es hier immer wieder zu gewaltsamen Überfällen. Die ersten 200 km hinter der Grenze sollen deshalb unbedingt bloß tagsüber befahren werden. Die Einreise nach Kolumbien war eine der bisher schnellsten und freundlichsten der kompletten Reise, wir brauchen keine 10 Minuten. Der Grenzbeamte erkundigt sich neugierig was wir uns in Kolumbien denn vorgenommen haben, freut sich dass wir eine Rundreise machen und heißt uns herzlich Willkommen in seinem Kolumbien. Das war einfach.

Ursprünglich hatten wir geplant auf kolumbianischer Seite direkt bis Popayan zu fahren, da für diese Strecke ab der Grenze allerdings auch gut und gerne mal 9 Stunden gebraucht werden entschieden wir uns mehr oder weniger spontan eine Nacht in Pasto zu verbringen ehe es morgens mit dem Bus weitergeht bis nach Popayan. Von Pasto selbst sahen wir nicht viel, lediglich den Busbahnhof und ein kleines aber relativ schickes Zimmer keine 300 Meter entfernt von Busbahnhof. Morgens um 8, wir haben den Busbahnhof noch nicht recht betreten, als wir auch schon von einer Traube junger Männer „belagert“ werden. Sie alle wollen bloß eins, nämlich das wir doch bitte mit Ihrer Buslinie fahren, selbst wenn diese Linie Popayan und damit unser heutiges Ziel gar nicht ansteuert. Wir suchen uns allerdings erstmal etwas zu essen und erst im Anschluss einen Bus.

Die schlaue Wahl des richtigen Verkehrsmittels

Neben den Bussen fahren in Kolumbien auf fast allen Strecken auch Colectivos (Transportner mit 6-15 Sitzen) auch wenn sie etwas teurer sind lohnt sich ein Colectivo in den meisten Fällen – sie können die Reisezeit um bis zu 50% verkürzen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir das allerdings noch nicht. Und steigen somit zufrieden in unseren Bus nach Popayan.

Wie in den meisten südamerikanischen Bussen werden Reisende auch hier mit den neusten und zugleich schlechtesten spanisch-sprachigen Filmen berieselt. Wir haben während der Gesamten Zeit in Südamerika 2 gute Filme im Bus gesehen, sonst lief ausschließlich Action-Trash mit guter Aussicht auf mindestens eine goldene Himbeere. In diesem Bus läuft schon bevor die eigentliche Fahrt los geht der Anfang von Sanky-Panky – eine spanische VAryante von Ballermann 6, die wir während der 3 Wochen in Kolumbien 3 mal sehen werden (Und Ihr könnt ihn komplett auf YouTube schauen. Viel Spaß!!). Weshalb der Film schon läuft wird uns allerdings erst bewusst als wir auch nach einer halben Stunde nach der eigentlichen Abfahrtszeit noch im Busbahnhof stehen – weil der Bus noch nicht voll besetzt ist. Die Nächsten 7,5 Stunden steigen ca alle 30 Minuten Menschen aus, die freigewordenen Plätze werden durch Kurzstrecken-Mitfahrer belegt, so halten wir gefühlt in jeder der kleinen Ortschaften zwischen Pasto und Popayan. Das 4 $ teurere Colectivo hätte diese Strecke ohne Pause und in unter 5 Stunden zurückgelegt. Nächstes Mal.

Erster Stopp: Popayan

Popayan, unser erster richtiger Halt in Kolumbien begrüßt uns mit einer offenen und neugierigen Freundlichkeit, wie wir sie seit Argentinien so nicht mehr erlebt hatten (was nicht bedeutet, dass alle Länder zwischendurch auch nur ansatzweise unfreundlich gewesen wären). Egal ob auf der Straße, im Café oder im Museum, die Menschen sind super hilfsbereit, freundlich und nehmen sich Zeit für uns.

Die kleine koloniale Stadt mit ihren imposanten Gebäuden, die im Zentrum allesamt weiß gestrichen sind und ihr daher auch den Beinamen „weiße Stadt“ verschafft haben, war früher einmal Hauptstadt Südkolumbiens (heute ist es Cali), für eine Hauptstadt ist Popayan allerdings schön klein und friedlich, lediglich der große Marktplatz und die vielen Verwaltungsgebäude lassen heute noch darauf schließen.

Nachhilfe in kolumbianischer Naturkunde

Wir beginnen unseren Stadtrundgang mit einem Besuch im Museum. Das Museo de Historia Natural wurde uns im Hostel wärmstens empfohlen und da es auf unmittelbaren Weg zum „El Morro de Tulcán“, einem Aussichtspunkt liegt legen wir diesen Zwischenstopp gerne ein. Wir bezahlen 1,5 $ Eintritt und machen uns mit Danilo einem 13-jährigem Schüler, auf dem Weg die insgesamt 3 Etagen des Museums zu erkunden.

Danilo freut sich über unseren Besuch, wir seien schließlich die ersten Deutschen im Museum und so richtig viel weiss er auch nicht über Deutschland. Wir werden also wissbegierig ausgefragt was Land, Leute und vor allem die heimische Tierwelt angeht. Danilo hat schon vor 3 Jahren angefangen im Museum zu „arbeiten“ weil er sich so für Tiere und Mineralien interessiert. Auf Nachfrage erzählt er, dass er natürlich nicht wirklich hier arbeitet, er müsse ja schließlich noch zur Schule gehen (verrückte Deutsche, was ihr auch immer denkt). Nur am Wochenende und in den Schulferien sei er hier um noch mehr zu Lernen und um Touristen herumzuführen. Wir sind beeindruckt, weiß er doch zu fast jedem der Mineralien im Untergeschoss etwas zu berichten, manchmal bloß den Namen und den Fundort, häufig aber auch etwas zur Entstehung und zum Alter (unser Spanisch stößt oft an seine Grenzen, wir gehen aber davon aus, dass er wirklich extrem viel weiß).

In den oberen Etagen stehen über 1400 verschiedene Tiere und auch hier weiß Danilo, welches Tier in Kolumbien vorkommt und wo, welches inzwischen ausgerottet wurde und welches nur in anderen Teilen der Erde zu finden sei. 2 mal flunkert er uns allerdings an, zum einen behauptet er Eulen könnten ihren Kopf um 360 Grad drehen – natürlich sind es „bloß“ 270 Grad, was allerdings in Verbindung mit den Blickwinkel der Augen zu einem Sichtfeld von 360 Grad führt. Desweiteren wollte er uns erklären, dass Elche bloß männliche Hirsche sind. Wir hätten ihm wirklich gerne erklärt das es anders ist, aber versuch mal einem 13-jährigem plausibel zu erklären, dass er im Unrecht ist, wenn er bloß Spanisch spricht und dein Spanisch grade so reicht um zu reisen. Nein im Ernst, Danilo war super, seine Erklärungen waren meistens so gut, dass selbst wir sie verstehen konnten, außerdem war er super nett und hat sich somit jeden Dollar Trinkgeld verdient. Sowohl er als auch wir verlassen zufrieden und mit einem breiten Grinsen das Museum. Für Danilo ging es nach Hause und für uns auf den El Morro de Tulcán.

Mirador „El Morro de Tulcán“

Am Fuße der angeblichen Pre-Kolumbianischen Pyramide kaufen wir uns noch schnell ein Wasser, immerhin tragen wir in Kolumbien endlich mal wieder Flip-Flops und kurze Hose. Auf dem Hügel steht eine Statue und neben uns verbringen hier noch einige Einheimische ihre Mittagspause. Außerdem einem schönen Panoramablick über Popayan gibt es allerdings nicht viel zu sehen.

Der freundliche Massenmörder … oder auch nicht

Den heißen Nachmittag verbringen wir größtenteils im Hotel, erst Abends machen wir uns vom Hunger getrieben wieder auf den Weg durch das nächtliche Popayan. Es ist inzwischen Dunkel als wir über den zentralen Platz spazieren, hier ein paar Skateboarder, dort verkauft jemand Essen, in einer Ecke stehen einige Menschen und unterhalten sich, alles ist friedlich. Erst hinter uns und wenig später neben uns läuft ein mittelgroßer gepflegt wirkender Mann, er schaut immer wieder zu uns. Von all‘ den europäischen Kolumbien-Klischees getrieben ist man natürlich grade Abends vorsichtig und beobachtet alles rundum geschehende doppelt kritisch. Ich wollte tatsächlich schon anfangen das Tempo ein wenig zu erhöhen, um zu sehen was geschieht als der bis vor einer Sekunde noch potentieller Massenmörder entschließt seinen Mut zusammenzunehmen und uns mit einem seiner 3 gebrochenen Sätze Englisch anspricht.

Sein Name sei Ary, woher wir seien und ob wir spanisch sprechen? Wir dachten jetzt kommt wieder eine herzzerreißende Geschichte á la „Ich wurde ausgeraubt“, „ich bin schwer krank“ etc. pp. am Ende wollen alle nur eins, nämlich Geld. Ary allerdings interessiert sich aus nur einem einzigen Grund für unsere Reise. Geld. Er erklärt uns, dass sein 8-jähriger Sohn und er eine über 8000 Münzen umfassende Münzsammlung haben und sie immer auf der Suche nach Reisenden sind um diese Sammlung auszubauen. Wir unterhalten uns etwa eine viertelstunde über unsere Reise, den Euro und Geld im Allgemeinen, da er noch einen wichtigen Termin hat und wir noch etwas essen wollten verabredeten wir uns für den nächsten Morgen in seinem Büro.

Ary arbeitet als Polizist und so machen wir uns am nächsten Morgen vollgepackt mit unseren Rucksäcken (es ist Zeit weiterzureisen) auf den Weg zur Polizeiwache von Popayan. Schon der Wachmann am Tor wusste wo wir hin wollen und weshalb wir hier sind. Ary hatte aufgeregt wie er war alle eingeweiht, dass 2 Deutsche kommen und ihm Geld bringen wollen – so oder so ähnlich. In unser während der Reise gewachsenen Münzsammlung fand sich tatsächlich noch die eine oder andere doppelte Münze, für uns nicht von wirklich viel Bedeutung (ein Satz aus jedem Land reicht schließlich) für Ary allerdings wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag. Er freut sich über die zusammengerechnet nicht mal 5 € und darüber, dass wir wirklich gekommen sind wie ein kleines Kind. Größter Schatz für ihn ist ein 2 € Stück aus Estland (hatten wir vorher auch noch nicht wissentlich gesehen), er will uns noch zum Frühstück einladen, wir allerdings wollen weiter zum Busbahnhof und so lässt er es sich nehmen uns dort persönlich hinzubringen, auf dem ca 10-minütigen Weg erzählt er uns ungefähr 5 mal wie fröhlich er ist und wie glücklich wir ihn gemacht haben. Zu guter letzt gibt er uns seine Telefonnummer und seine Adresse, falls unterwegs irgendetwas sei sollen wir ihn doch einfach anrufen. Er bedankt sich noch weitere 3 mal ehe wir uns von ihm und Popayan verabschieden. Willkommen in Kolumbien!

Solltet Ihr Fragen zu diesem Bericht oder zu unserer Reise im Allgemeinen haben freuen wir uns über eure Fragen und Kommentare!

Kommentare
2 kommentare zu “Popayan – Kolumbiens weiße Stadt”
  1. Hartmut sagt:

    Wie sehr ich mich auf jeden neuen Bericht und jede Nachricht von euch freue, muss ich hier wohl nicht extra betonen. Jetzt freue ich mich aber besonders über euer Treffen mit Kimmi und Niclas in L.A. In Gedanken bin ich bei euch VIER. Viel viel Spass und bleibt Gesund fühlt euch gedrückt

  2. Nadine sagt:

    Was für ein netter Zufall, dass der potentielle Massenmörder sich ausgerechnet als Münzen sammelnder Polizist entpuppt! :D

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