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Zwischen strahlender Gegenwart und verstrahlter Vergangenheit

Eine Nacht in Las Vegas

Hochverehrte Leserschaft, bitte entschuldigt die lange Stille hier! Nun sind wir wieder da und präsentieren euch sämtliche Berichte aus den USA im absoluten Durcheinander. Ihr könnt Euch auf eine Berichte-Flut zu Los Angeles, dem Grand Canyon, dem Sequoia und Yosemite Nationalpark sowie San Francisco und Chicago einstellen – nur eben nicht in dieser Reihenfolge. Heute sind wir beim zweiten Stopp der Reise: Viva Las Vegas!

Mitten in der Wüste Nevadas wurde Las Vegas 1905 als Eisenbahnerstadt gegründet. Seit 1931 das Glücksspiel in Nevada legalisiert wurde wuchs Las Vegas schneller als jede andere Stadt in Nevada. Auch heute noch gilt: „Niemand fährt durch Nevada ohne in Las Vegas anzuhalten“  Nicht erst seit Kinoerfolgen wie Hangover gilt Las Vegas als eine der Top-Sehenswürdigkeiten Amerikas über 40 Millionen Touristen besuchen die Stadt jedes Jahr und wenn es nur für eine Nacht ist – wie bei uns.

Highway 15 Richtung Las Vegas

Das Amerika groß ist weiss man natürlich, wie groß allerdings wird einem wohl erst bewusst wenn man es mit dem eigenen Auto befährt. Wir verlassen Los Angeles über zum Teil 8-spurige Highways, mit Spitzengeschwindigkeiten von 75 MPH (120 km/h) geht es größtenteils geradeaus Richtung Las Vegas. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat maximal 120 km/h fahren zu dürfen, sowohl links und rechts überholt zu werden und daran, dass Amerikaner auch gerne mal ohne zu Blinken 3 Spuren in 3 Sekunden wechseln ist das Fahren in Amerika (jenseits der Innenstädte) wirklich ruhig und entspannt. Fast so entspannt wie das besungene Leben in den sich immer wiederholenden Country-Songs im Radio.

Das man auf dem richtigen Weg nach Las Vegas ist merkt man, wenn nicht an den zahlreichen Schildern, dann daran, dass neben der Straße immer weniger Bäume stehen, irgendwann sind sie ganz verschwunden und irgendwann auch das Gras. Es bleiben Steine und Sand – jede Menge trockene Wüste. Am Straßenrand stehen immer mal wieder Schilder mit in etwa diesem Hinweis: „Turn A/C off, to avoid overheating. Next 12 Miles“ Sonst gibt es nicht wirklich viel zu sehen. Zu Spitzenzeiten zeigt das Thermometer 105 F also ~40 C und im Auto dürften wir ca die selbe Temperatur gehabt haben, immerhin hatten wir die Klimaanlage meistens aus, kostet ja auch Sprit … außerdem lief Country-Musik, irgendwas mit Hot Summer…

Nach 8 Monaten in Bussen durch Südamerika vergisst man die Funktion so einer Klimaanlage ja auch gerne mal. Ganz allgemein ist so ein eigenes Auto mit dem man fahren kann wohin man will, wann man will und die Tatsache, dass zur Abwechslung mal wieder englisch-sprachige Musik spielt etwas ganz Wunderbares. Selbst wenn man mit einem mittelgroßem SUV, in unserem Fall einem Hyundai SantaFe, fast ausschließlich von noch größeren Autos überholt wird. Verrückte Welt.

Wo schläft man in Las Vegas? Natürlich am Strip! Natürlich nicht wenn man keine 100$ + für eine Nacht ausgeben möchte. Unser Motel für die eine Nacht heißt Wild Wild West Days Inn und liegt 2 Straßen hinter dem berühmt-berüchtigtem Las Vegas Strip. Für ein 4-Bettzimmer zahlen wir knapp 60$. Wir sparen 20$ weil wir 3 Minuten vorher eine Online-Reservierung aufgegeben haben. Wer in Las Vegas auf Schnäppchen am Schalter hofft bekommt bloß gesagt, dass es Online günstiger sei als direkt am Schalter zu buchen. Ach ja Amerika … Das Zimmer ist nichts besonderes, reicht aber. Direkt gegenüber steht ein IN’N’OUT Burger und die sind was besonderes :)

Alles auf Rot – oder eben nicht.

Las Vegas am Tag mag ja ganz schön sein, das eigentliche Las Vegas, das weswegen alle hier her kommen sieht man allerdings erst wenn es dunkel wird. Las Vegas bei Nacht ist ein ganz verrückter, faszinierender und magischer Ort. Ich weiss gar nicht genau was, aber irgendetwas hat mir ein breites Lächeln über das Gesicht gezaubert noch bevor wir das erste Casino betreten hatten. Ob es die bunten Lichter, das laute Casinoleben, die imposanten Hotelbauten oder eine Mischung aus all dem waren, man weiss es nicht.

Wenn man den Strip betritt ist es ein bisschen wie in einer kleinen Märchenwelt, es ist laut, voll und bunt. An jeder Ecke stehen Casinos bzw. Hotels mit Casino von denen man mindestens den Namen kennt. Spielen, spielen, wir müssen spielen. Natürlich wollen wir nicht all‘ unser Geld verzocken, lediglich ein bisschen … 20$ p.P. hatten wir uns als Limit gesetzt – nichts zum reich werden aber auch nichts um arm zu werden. Gerade genug um sagen zu können: „Joa, Las Vegas? Da habe ich auch schon gespielt!“ Nach gefühlten Ewigkeiten auf dem Strip ohne auch nur ein Casino betreten zu haben – die berühmten Springbrunnen des Ceasar-Palace, der nach gebaute Eiffelturm und die gesamte Szenerie haben uns auch ohne zu Spielen ganz gut unterhalten – versuchen wir unser Glück im Flamingo. Die riesigen rosa Flamingos aus Neonröhren und 1000ten Glühbirnen haben mich überzeugt. Vielleicht waren es auch eher die halbnackten Mädels im Flamingokostüm, man weiss es nicht. Auch wenn das Innere nicht wirklich wie ein Casino aussieht sondern vielmehr wie eine Halle mit hunderten Spielautomaten spielen wir hier unseren ersten Dollar. Gut, Nina spielt den ersten Dollar des Abends an einem der wohl größten Automaten im Casino. Eine gigantische Version des allseits-bekannten 7-7-7 Automaten. Auch wenn der „Arm“ heute bloß noch als Deko angebracht ist und keine Funktion mehr erfüllt (das Spiel wird mittlerweile ganz unspannend mit einem Knopfdruck gestartet) macht der Automat mit eben jener Armbewegung doppelt Spass. Dollar rein, alles blinkt, leuchtet und dreht sich, zack „7-7-7“ schon sind 20$ auf der Uhr. Tadaaaaa gewonnen!! Las Vegas wir machen dich arm! Welch ein Start.

Auf diesen grandiosen Gewinn folgen leider ausschließlich Nullrunden, das wissen wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht und so spielen wir im Flamingo fast alle wenigstens einen Dollar an einem Automaten der uns irgendwie besonders erscheint. Weil wir nichts gewinnen und weil Casinos ohne zu gewinnen keinen Spass machen schubsen wir uns durch den zu später Stunde immer voller werdenden Strip bis in das Caesars Palace, einem Prunkbau den wir wohl nie betreten hätten, wenn wir nicht in Las Vegas gewesen wären. Hier ist es glücklicherweise total egal, dass ich lediglich Flipflops und ein fludderiges Shirt trage. Wenigstens die Eingangshalle des Caesars Palace kennt man, hier wurde mit Hangover immerhin einer der erfolgreichsten Kinofilme des Kinojahrs 2009 gedreht. Generell geht es mir in Las Vegas aber an jeder zweiten Ecke so, dass man irgendwas irgendwie kennt die ganze Stadt kommt einem vertraut vor, wenigstens ein bisschen. Da soll nochmal jemand sagen Fernsehen bildet nicht, es sorgt sogar für Orientierungssinn am anderen Ende der Welt.

Auch im Caesars Palace stehen, wie ich finde enttäuschender Weise, extrem viele Spielautomaten. Ich hätte ja gedacht, dass in Las Vegas eher an Tischen gespielt wird, wahrscheinlich gibt es aber eine „Pöbelabteilung“ und einen Bereich in dem richtig gespielt wird. Wir versuche mit dem Aufzug in eine höher gelegene Etage zu gelangen um einen schönen Blick auf den Strip werfen zu können, scheitern allerdings schon im Aufzug …

Auf unserem Weg zurück verlaufen wir uns im Caesars Palace und stehen plötzlich in einer taghell beleuchteten Einkaufsstraße mit Kopfsteinpflaster und künstlichem Himmel. Sowas haben wir vorher auch noch nicht gesehen – Unglaublich und irgendwie auch unwirklich, befinden wir uns doch eigentlich nur in einem normalem Hotel. „Normal“, das müssen wir lernen gibt es in Las Vegas nicht. Auf dem Strip versammeln sich immer mehr Performance-Künstler und solche die es werden wollten, auf unserem Weg zurück halten wir immer mal wieder an, um die spektakulären Hotels, die riesigen Reklametafeln oder die gesamte Szenerie zu beobachten. Die letzten Dollar der Nacht verspielen wir im New York – New York Hotel & Casino, einem Vier-Sterne Hotel, welches um Aufmerksamkeit zu erregen (nur darum geht es in Las Vegas) Großteile der New Yorker Skyline nachgebaut hat. Es gibt eine Freiheitsstatue, das Empire State Buildung und das Chrysler Building, zu allem Überfluss fährt um den gesamten Komplex eine Achterbahn, inklusive 2 Loopings. Las Vegas, du verrückter Hund, irgendwie mag ich dich. Sehr.

Nach einigen Schwierigkeiten zurück in unsere Unterkunft zu gelangen (der Cityhighway von Las Vegas ist zu Fuß und im Dunkeln nicht unbedingt einfach zu überqueren, weshalb wir letztendlich ein Taxi nehmen) fallen wir um halb 3 in die Federn.

Friedhof der Reklametafeln – das Neon Museum

Las Vegas ist nicht bloß die Stadt der Sünde, sondern auch die hellste Stadt der Welt, jedenfalls bei Nacht. So hell, dass man sie ohne Probleme aus dem Weltall sehen kann. Damit das so bleibt rüsten die Hotels und Casinos fleißig Werbetafeln und Neonschilder nach. Für die schönsten der ausrangierten Riesen wird das Neon Museum ein neues Zuhause. Der Verein hinter dem Museum hat in den Vergangenen Jahren einige historische Werbetafeln renoviert und weit über 150 gesammelt. Auf einer knapp einstündigen geführten Tour erhalten wir einen Einblick wie sich die Schilder seit den 50er Jahren entwickelt haben, weshalb sie immer größer wurden und wie die LED Technik dafür gesorgt hat, dass heute nur noch selten so beeindruckende Schilder gebaut werden.

Las Vegas strahlende Vergangenheit – Atomic Testing Museum

In den 1950er Jahren, als das Leben in Las Vegas noch viel wilder und aufregender war, als man sich das heute wahrscheinlich vorstellen mag, konnte man sich hier sogar Atombombentests ansehen. Die nahegelegene Nevada Test Site veranstaltete zwischen 1951 und 1958 insgesamt 119 oberirdische Atombombentest. Interessierte konnten sich das Spektakel damals aus „sicherer Entfernung“ ansehen – damals dachte man allerdings 10 km seien eine „sicherer Entfernung“. Den Zuschauern wurden Zertifikate ausgestellt die belegten, dass sie tatsächlich einen Atombombentest live gesehen haben. Heute ist das Gebiet militärisches Sperrgebiet, im National Atomic Testing Museum bekommen wir dennoch einen sehr guten Eindruck wie es wohl damals gewesen ist. Das National Atomic Testing Museum verschafft einem in recht kurzer Zeit einen sehr guten Überblick über die damaligen Atomprogramme, wie sich die Atomwaffen über die Jahre entwickelt haben und natürlich auch wie man als Zuschauer damals einen Bombentest erlebte. In einem bunkerartig eingerichtetem Kino wird mit Hilfe von Druckluft sogar eine Druckwelle simuliert. Schaurig interessant …

Nach diesem Einblick in das strahlende Nachtleben und die verstrahlte Vergangenheit Las Vegas‘ heißt es für uns: „Auf zum Grand Canyon!“

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