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Wie wir vom Lake Tekapo nicht zum Mount Cook fuhren ...

Gletschersee und Blumenmeer

Von Akaroa machen wir uns auf den Weg ins Landesinnere, hier soll es einen der schönsten Gletscherseen der Erde geben. Der Lake Tekapo liegt auf knapp 700m Höhe und ist mit 83 km² nicht gerade klein. Neben der Tatsache, dass man hier in einem spektakulärem Bergpanorama verschiedene Wanderwege erkunden kann ist er vor allem für eins bekannt: Lupinen. Die im Frühling in allen erdenklichen Farben blühenden Pflanzen locken Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an.

Der Lake Tekapo

Jetzt ist es wohl an der Zeit zuzugeben, dass auch ich einer dieser Besucher war. Bunte Blumen, türkisblaues Wasser und die aufgehende Sonne im Hintergrund. Jawoll, mit so einem typisch kitschigem Bild hatten sie mich. Ich könnte jetzt ja behaupten, dass Lake Tekapo nur auf dem Weg lag und ich mal gucken wollte, in Wirklichkeit wollte ich die Szenerie aber wirklich sehen. Dementsprechend enttäuscht war ich auch als wir nachmittags auf einem viel zu vollen und mit 36$ nicht gerade günstigem Campingplatz eincheckten und ich feststellen musste, dass das in meiner Vorstellung einem guten alten Rapsfeld größentechnisch nicht unterlegene Lupinenfeld nicht einmal 100 m Breit und wenn überhaupt 20 m lang war. Ich hätte es besser wissen müssen. Dieses Internet verschönert doch alles…

So schlimm war es dann aber auch nicht, wir hatten einen schönen „Parkplatz“ am Hang mit guter Sicht auf den See, es war stürmisch aber irgendwie schön mit so einem festen Dach über dem Kopf. Es gab Tütensuppe und irgendwie war es genau so wie man sich Campingurlaub vorstellt. Am Lake Tekapo hatte ich zum ersten Mal das Gefühl in Neuseeland angekommen zu sein, es war friedlich und schön. So schön und friedlich, dass ich mich spontan dazu entschloss meinen Wecker auf 5:20 Uhr zu stellen um im Sonnenaufgang die selben kitschigen Fotos bunter Lupinen vor einem türkisblauen See zu machen, die mich und die ganzen anderen hierher gelockt haben. Wenn ihr wüsstet wann ich das letzte Mal einen Wecker gestellt hatte, wüsstet ihr auch wir revolutionär ich meine eigene Idee fand :)

Eingepackt in 2 Pullis, einer Jacke und mit dicker Mütze stehe ich also morgens um halb 6 am Lake Tekapo und warte darauf die Sonne zu sehen. Mit mir warten einige Enten und ein paar Gestalten, die den Eindruck machten noch gar nicht im Bett gewesen zu sein (man ich werde alt). Als sich die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel arbeiten und die Lupinen in ein warmes helles Licht weiss ich, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat und beschließe ab sofort häufiger früh aufzustehen …

Auf dem Weg (nicht) zum Mount Cook …

Wir verlassen Tekapo mit vollem Tank, guter Laune und bei Sonnenschein, es soll zum Mt Cook, dem mit 3754m höchsten Berg Neuseelands gehen. Endlich sollen die neuen Wanderschuhe einmal richtig beansprucht werden, außerdem freute ich mich auf eine (wieder im Internet gesehen) Hängebrücke, Schnee und Eis. Richtiges Wandern eben. Die bunten Lupinen begleiten uns noch ein gutes Stück ehe es für sie offensichtlich zu windig wird. Zwischenzeitig hatte ich das Gefühl konstant in einem 5-Grad-Winkel gegenlenken zu müssen um den Bulli auf der Straße zu halten (besonders witzig, wenn einem LKWs entgegen kommen). Die zum Teil viel höheren Camper haben hier richtig Spass… Immerhin ist uns die Sonne noch treu und so erreichen wir den türkisblau leuchtenden Lake Pukaki. Kein Witz, der sieht wirklich so aus, das glaubt man ja immer nicht wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wenn man in Neuseeland unterwegs ist bekommt man aber immer wieder das Gefühl es gäbe blau, BLAU und NEUSEELAND-BLAU. Als wir mit Staunen und Bewundern fertig sind machen wir uns auf den Weg zur Mount Cook Road. Die einzige Verbindungsstraße führt über knapp 60 km stets entlang des Lake Pukaki ins Landesinnere bis zum Mt Cook Nationalpark. Die extrem vielen zurück kommenden Camper und die Tatsache, dass wir den Berg noch immer nicht gesehen haben ließ uns erneut die Wettervorhersage prüfen. Sie sah nicht wirklich rosig aus, nach Rücksprache mit einigen umkehrenden Campern stand fest: das wird heute nichts. Für die kommenden 4 Tage sah die Wettervorhersage in etwa so aus: Nieselregen, 4 Grad, eine aufziehende Gewitterfront mit Hagel und Starkregen… Nicht wirklich das Wetter um den höchsten Berg des Landes oder wie hier auch gerne gesagt wird „ganz Australasiens“ zu besuchen. Auch wenn es uns nicht leicht fällt und obwohl es landschaftlich wahrscheinlich wirklich schlimmer geht als neben einem der blausten Seen Neuseelands entlang zu fahren entscheiden wir uns gegen die 100 km extra und fahren lieber direkt ans Meer, da ist das Wetter auch freundlicher.

Fee Camping Deluxe

Gut, dass Neuseeland so klein ist, vom Lake Pukaki, am Fuße des höchsten Berges bis ans Meer brauchen wir gerade einmal zweieinhalb stunden. Knapp 20 Minuten außerhalb Omarus liegt mit dem Campbells Bay Camprground einer der schönsten Free-Campingplätze Neuseelands (was wir bisher gesehen haben). Keine 50 Meter entfernt vom Meer, oberhalb einer etwa 20 m hohen Klippe bietet Campbells Bay Platz für etwa 15 Fahrzeuge. Dadurch, dass wir hier so unerwartet früh aufschlugen, konnten wir einen der besten Plätze ergattern, für den Sonnenaufgang musste ich nichtmal den Van verlassen. Es geht schlimmer.

einmal schnell durch Dunedin

Dunedin, wieder einmal eine dieser Städte bei denen ich nicht wirklich wusste wie ich sie aussprechen sollte und jedesmal das Gefühl hatte mich bei anderen Reisenden oder schlimmer noch Neuseelädern als uninformierter Depp zu outen, wenn ich erklären sollte wohin es als nächstes gehen würde. Inzwischen weiss ich aber, dass es mindestens 2 verschiedene Aussprachen gibt und es offensichtlich keinen 100%igen Weg gibt Da-ni-den oder dune-din richtig auszusprechen. Trotzdem weiss jeder was gemeint ist, immerhin ist Dunedin die zweitgrößte Stadt der Südinsel und irgendwann kommt hier jeder vorbei. Das wir nicht in Dunedin übernachten wollten stand fest bevor wir die Stadt erreichten, die nicht weit außerhalb Dunedins lebende Pinguinkolonie wollten wir trotzdem besuchen. In der zentral gelegenen Touristeninformation wurde uns dann allerdings mehr oder weniger freundlich erklärt, dass es selbstverständlich keine Möglichkeit gäbe die Pinguine zu sehen, wenn man nicht eine 70$ teure einstündige Tour buchen würde. Immerhin seien ihnen die Pinguine wichtig und man würde natürlich nicht jeden in ihre Nähe lassen. Gut, dann eben nicht. Pinguine sehen wir auch noch weiter unten und die 70$ sparen wir uns. Nach einem kurzen Spaziergang durch das historische Zentrum Dunedins, bei dem mir das erste Mal bewusst der englische Einfluss auffiel waren wir auch schon fertig mit der zweitgrößten Stadt der Südinsel. Warum sollten wir auch in einer Stadt bleiben, wenn vor der Haustür die schönste Natur wartet?

Auf geht’s in Richtung Süden …

Kommentare
4 kommentare zu “Gletschersee und Blumenmeer”
  1. Elisa sagt:

    Die Bilder sind so toll, so irreal und doch ist es wahr, es gibt diesen Ort und würde mich so gerne dahin begeben. Bisher war ich mit dem Urlaub in Schenna zufrieden, aber wenn ich diese Bilder sehe, empfinde ich das ganz anders. Danke und liebsten Gruß

  2. Linda sagt:

    Hallo.
    Muss echt atemberaubend sein das Blumenmeer mit dem Gletschersee. Weiss du von wann bis wann die Blumen blühen?

    Grüsse Linda

    • jan sagt:

      Hallo Linda,
      die Lupinen blühen von mitte November bis anfang Januar. Man findet auf der gesamten Südinsel immer mal wieder regelrechte Lupinenfelder. Je nach Ort und Wetterlage sind einige früher dran als andere, rund um die Weihnachtszeit stehen die Chancen aber allgemein aber ganz gut. Viele Grüße Jan und Nina

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