titel_bo_copa
Ein Ausflug auf die Isla del Sol

Boliviens Seite vom Titicacasee

Die Isla del Sol (die Sonneninsel) liegt zusammen mit der Isla de la Luna (der Insel des Mondes) in der bolivianischen Seite des Titicacasees. Am besten zu erreichen sind beide Inseln aus dem kleinem Küstenort Copacabana. Copacabana? Da war doch was, die hatten wir doch schonmal irgendwo … Für einen kurzen Moment freuen wir uns auf Sonne, Strand und vor allem Wärme, wurden dann aber doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieses Copacabana liegt auf 3800 m Höhe und kann temperaturtechnisch leider nicht so wirklich mit seinem brasilianischen Namensvetter mithalten.

Die bolivianische Copacabana

Wir machten hier einen 2-tägigen Zwischenstopp ehe es auf dem Landweg Richtung Peru weitergehen sollte. Copacabana begrüßt uns tatsächlich mit reichlich Sonne und zusätzlich mit ganz angenehmen Temperaturen – jedenfalls so lange wir uns irgendwo in einer windstillen Ecke aufhalten. Der kleine „Küstenort“ liegt zwischen zwei Bergen und hat neben einem wirklich schönem Ausblick von eben jenen Bergen nicht wirklich viel zu bieten. Für den besagten Ausblick vom „Niño Calvario“ machen wir uns auch direkt abends noch auf den Weg. Die 200 Höhenmeter um mal eben auf einem 4000er zu stehen schaffen wir dank recht gut ausgebauten Stufen und einigen kleinen Pausen pünktlich vor Sonnenuntergang. Von hier oben sieht Copacabana aus wie ein typischer ttalienisch-französischer Küstenort … jedenfalls so wie man sich diese Orte immer vorstellt. Neben uns sind auch allerlei Einheimische und einige Peruaner hier auf dem „Niño Calvario“. Neben einigen kleinen Altären stehen hier oben etliche Verkaufstände. Sie verkaufen in alter Alasitas-Manir kleine Plastikhäser, Villen, Reisepässe, Autos und natürlich jede Menge Geld. Hier werden diese erstandenen Wünsche allerdings direkt wieder verbrannt, um sie Realität werden zu lassen. Leider sorgt diese Art des Wünschens dazu, dass sich überall kleine, in eine dicke Schicht aus Ruß gehüllte, Opferschreine finden. Zudem beobachten wir einige besonders engagierte Wünscher, wie sie zusammen mit dem Berg ein Bier o.ä. zu sich nehmen. Im Klartext heißt das, sie trinken ein bisschen, verschütten ein bisschen und werfen anschließend die Flaschen soweit es irgendwie geht in die Botanik. Ach Bolivien …

Wir schauen der Sonne zu wie sie langsam im schier unendlichen Titicacasee verschwindet, wie sie Copacabana in ein schön warmes Licht schließt und stellen fest, dass dieses warme Licht ziemlich schnell durch eisige Kälte ersetzt wird. Beim Abstieg sind wir froh unsere Jacken und die dicken Wintermützen dabei zu haben.

Ein Tagesausflug auf die Isla del Sol

Nach dem Abstieg und einem mittelmäßig gutem Abendessen schlendern wir noch einmal an der „Promenade“ entlang und überlegen ob nicht ein Tagesausflug auf die Isla del Sol reichen würde. Es gibt zwar einige Hostels und auch ein paar Hotels auf der Insel, eigentlich wollen wir aber doch relativ schnell weiter nach Peru und soviel gibt es auf der Isla del Sol ja auch nicht zu sehen. Irgendwie kommt es jedenfalls dass wir in einer der zahlreichen „Travel Agencys“ für den nächsten Morgen eine Hin- und Rückfahrt buchen.

Pünktlich um 8:30 Uhr soll sich unser Boot auf den Weg machen. Das knapp 13 km entfernte Nordufer sollen wir innerhalb von 2 Stunden erreichen und gegen 15:30 Uhr würde man uns am südlichen Anleger wieder einsammeln. Dieser präzise Zeitplan gerät schon ins Wanken als wir gegen 8:45 Uhr noch im Hafen von Copacabana liegen. Irgendwann geht es dann aber doch los, wir sitzen über Deck und freuen uns, trotz kaltem Gegengenwind und kräftig stinkenden Motoren die Isla del Sol einigermaßen pünktlich zu erreichen.

Zu uns gesellen sich Elmar und Leonhard – Papa und Sohn auf großer Bolivien-Tour. Aus dem nördlichen Hafen mache wir uns relativ schnell auf den Weg Richtung einiger Inka Ruinen. Glücklicherweise hat Elmar mehrere Reiseführer dabei und so wissen wir jetzt auch, dass sich auf der Isla del Sol Fußspuren der Sonne finden lassen. Laut Inkamythologie versteckte sich hier die Sonne vor der großen Flut und noch heute kann man ihre Fußspuren vom wiederaufstieg sehen.

Vor uns liegt auch ein Aufstieg, der alte Inka-Trail führt nämlich einmal über die komplette Insel und somit auch auf den „Cerro Chequesan“, auch wenn dieser „Berg“ bloß 265 m über dem Level des Titicacasees liegt sind wir gezwungen immer mal wieder Pausen einzulegen, zu dünn ist die Luft und zu schön ist die Aussicht auf das nicht-endene Blau.

Neben viel Natur und jeder Menge nichts „Gegend“ wie unsere Mitwanderer zu sagen pflegen gibt es hier nicht viel. Keine Autos, keine Wanderguppen, keinen Krach. Nur ganz selten kommen uns vereinzelt einige Wanderer entgegen, man grüßt sich schweigt aber meistens. Neben den Inka Ruinen und erwähnter Gegend gefällt mir besonders eine kleine, etwas vorgelagerte Insel. Diese schroffe Felsformation sieht aus als hätte man sie in einem präzisem 30 Grad Winkel aus dem Titicacasee wachsen lassen. Nach einer ca 2,5-stündigen Wanderung durch die pralle Sonne erreichen wir das Südufer und den kleinen Ort Yumani. Die 265 Höhenmeter bis zum Ufer meistern wir hier mithilfe von mittelgroßen bis großen Stufen innerhalb von 20 Minuten. Ich denke daran wie erschöpft die uns entgegenkommenden Wanderer aussahen und bin froh, dass wir aus Norden nach Süden gelaufen sind :) In Yumani besichtigen wir die Inkatreppe und den so genannten Inkabrunnen, ehe es mit dem Boot zurück nach Copacabana geht.

Ein Tagesausflug auf die Isla del Sol reicht unser Meinung nach aus um alles touristische zu sehen, wer jedoch auf der Suche nach Ruhe und Entspannung ist, der wird hier auch 2 oder 3 Tage sehr gut aushalten.

 

kommentieren

Jetzt mitreisen!schliessen
oeffnen