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Zelten im Regen macht selbst auf Hawaii keinen Spaß

Hawaii und seine zwei Gesichter

Hochverehrte Leserschaft, bitte entschuldigt die lange Stille hier! Nun sind wir wieder da und präsentieren euch sämtliche Berichte aus den USA im absoluten Durcheinander. Ihr könnt Euch auf eine Berichte-Flut zu Los Angeles, Las Vegas, dem Grand Canyon, dem Sequoia und Yosemite Nationalpark sowie San Francisco und Chicago einstellen – nur eben nicht in dieser Reihenfolge. Wir räumen das Feld heute erstmal von hinten auf: Aloha from Hawaii!

Hawaii … Das sind diese 6 zu Amerika gehörenden polynesischen Inseln mitten im pazifischen Ozean, 3682 Kilometer von der nächstgelegenen Küste entfernt. Kein Ort auf der Welt verkörpert Urlaub, gutes Wetter und Sorgenfreiheit so sehr wie Hawaii, dazu junge Hawaiianerinnen die einen mit Blumenketten und einem Lächeln im Gesicht am Flughafen begrüßen und makellos weiße Strände …

Wie passt Hawaii zu einer Backpacker-Weltreise?

Nun ja um ehrlich zu sein: auf den ersten Blick nicht wirklich! Hawaii ist alles andere als günstig und Zimmerpreise jenseits der 60$ sind hier genauso normal, wie 30% teurere Lebensmittel als zuletzt im auch schon teuren Nordamerika. 5 Bagel für 7$ oder eine Flasche Bier für 6$? Ich bitte euch.

Um es kurz zu machen ist Hawaii eine schöne und vor allem günstige Möglichkeit aus Amerika nach Australien zu gelangen. Die Tatsache, dass Hawaii auch für den relativ nahegelegenen asiatischen Markt ein Top-Reiseziel ist, sorgt dafür dass man in Verbindung mit den günstigen „amerikanischen Inlandsflügen“ für knapp 450$ p.P. nach Sydney fliegen kann. Würde man direkt aus Los Angeles o.ä. fliegen würde die gleiche Strecke mit knapp 700$ zu Buche schlagen. Da nehmen wir einen Zwischenstopp auf Hawaii doch gerne in Kauf.

Budget-Reisen auf Hawaii, geht das überhaupt?

„Günstig reisen“ und „Hawaii“ sind zwei Dinge die wohl eher selten zusammen in einem Satz fallen. Hawaii hat sich nicht ohne Grund den Ruf als Traumziel erarbeitet. Für die meisten Touristen bedeutet dieser Traum allerdings 10 Tage All-Inclusive Hotel mit Pool und kostet irgendwas ab 1200$ pro Woche und Person – nicht wirklich unser Budget. Für unsere 10 Tage auf Hawaii haben wir inklusive Mietwagen, Übernachtung auf Campingplätzen und allen anderen Kosten zusammen 850$ ausgegeben. Hawaii und Budget geht also zumindest ein bisschen.

Hawaii – das zweite Gesicht des grünen Paradies

Wir verabschieden uns von Chicago, Familie und dem Herbst, nächster Stop Hawaii. Die Zeit in Chicago war nicht nur wunderschön sondern leider auch zu kurz (fast wie ein richtiger Urlaub also). So sehr wir den Herbst, die bunten Blätter und ja sogar das zum Teil etwas kalte Chicago genossen haben, so sehr freuen wir uns auch auf Hawaii, unsere Erwartungen an Hawaii oder besser die Insel O´ahu sind relativ hoch gesteckt.
Den ersten Dämpfer gibt es für uns direkt am Flughafen, es fehlen nicht nur die jungen Hawaiianerinnen mit Blumenketten auch fehlt etwas Geld auf meiner Kreditkarte. Irgendjemand hat schlicht und einfach vergessen sie aufzuladen, es ist Samstag 18 Uhr und der Mietwagen lässt sich nicht bar bezahlen. Die ersten 2 Tage müssen wir irgendwie ohne Mietwagen überstehen. „Macht ja nichts!“, könnte man denken. Leider dürfen wir um unseren gebuchten Campingplatz zu erreichen mit den inzwischen knapp 22 kg schweren Rucksäcken (Zelt, Luftmatratze und Co.) eine Runde wandern. Eine Runde sind in diesem Fall knapp 5 km und glaubt mir, 5 km mit 22 kg Gepäck macht auch auf Hawaii keinen Spaß. Immerhin wird es langsam dunkel und die 81% Luftfeuchtigkeit fühlen sich nur noch an wie 81% Luftfeuchtigkeit bei 25 Grad… Du lieber Herr, gut dass es Duschen gibt.

Den ersten Tag verbringen wir ohne Auto in und um Honolulu. Anstelle von Strand und schönen Wellen gibt es hier jede Menge hohe Häuser und teure Restaurants. Schön, allerdings nicht so schön, dass man länger als einen Tag mit Sightseeing verbringen wollen würde.

Am Montag oder wie wir ihn auch gerne nannten „Mietwagen-Tag“ ging es an O´ahus Nordküste – 4 Tage campen. An der Nordküste gibt es neben einigen der besten Surfspots der Insel auch einige superschöne Hawaii-typische Sandstrände inklusive gut gebräunter Surfer und allem was dazugehört. Bilderbuch-Hawaii sozusagen.

Was allerdings nicht dazu gehört, wir allerdings trotzdem reichlich hatten: Mücken und Regen – gerne auch in Kombination. Erkenntnis der dritten Nacht: „Im Regen Campen ist sogar auf Hawaii eher so mittelmäßig…“ Glücklicherweise hatten wir noch eine mit 20$ überteuerte Abdeckplane für unser Zelt gekauft – die, wie sich herausstellen sollte, mit Abstand beste Investition unseres Hawaiiaufenthalts. Wir wechseln die Campingplätze, arbeiten uns die Küste runter, zwischenzeitlich ist es schon soweit, dass wir uns einen regenfreien Tag auf Hawaii nicht mehr vorstellen können. Der Himmel öffnet seine Schleusen, wir sind innerhalb von 5 Minuten komplett durchnässt, die Flip-Flops rutschen auf dem mittlerweile schlammigen Boden hin und her. Die bis an die Knöchel reichende Schlammschicht sorgt allerdings dafür, dass wenigstens die Füße nicht noch weiter von Mücken zerstochen werden. Trotz Anti-Mücken-Dings-Bums-Spray haben wir nämlich schon eine ganz ansehnliche 3-stellige Mückenstichsammlung an unseren Körpern – glücklicherweise verteilen die sich immer ganz gut in 1/3 zu 2/3 auf Jan und Nina. Da kommt der Tipp, es doch einfach mal mit Vitamin B1 Tabletten zu versuchen grade richtig.

Der Schlamm lässt uns unser Zelt auf dem vermeintlich einzig „sauberen“ Platz aufbauen: eine kleine Baumansammlung, schön sauber mit Rindenmulch umgeben. Trocken ja, wie sich später allerdings herausstellte machten wir uns damit zum Deppen des ganzen Platzes. Weiss doch jeder, dass an diesen Plätzen Feuerameisen und bisswütige Tausendfüßler hause. Naja jeder außer die dummen Deutschen.

„Ach, ihr habt Sorgen“, hören wir euch immer sagen, an dieser Stelle aber hoffen wir auf euer vollstes Verständnis. Regen auf Hawaii? Wer macht denn so was? Daran haben wir nicht mal im Traum gedacht. Im Traum (welch eine Überleitung), Regen und Zelten ist doch auch gar keine sooo schlechte Kombination! Natürlich nicht. -4 Grad und Zelten ist Schlimmer! Bei 81% Luftfeuchtigkeit macht das im Zelt liegen allerdings auch irgendwann keinen Spass mehr ganz zu schweigen von den dauernassen Klamotten, die sich inzwischen alle so anfühlen als hätte man versucht in der Wäscherei am Trockner zu sparen… Ach ja! Wir haben Sorgen!

Hawaii – traumhaft und sonnig

Glücklicherweise hatten wir nicht nur schlechtes Wetter auf Hawaii. Hawaii bei Sonne ist so ziemlich das, was man sich unter Hawaii vorstellt. Die Strände sind weiß, das Wasser warm und die Wellen traumhaft, nebenbei gibt es rund um die Inseln eine wunderschöne Unterwasserwelt. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass es auf O´ahu nicht so schrecklich viel zu entdecken gibt und sich einmal mit Hawaiis ganz eigenem tiefenentspannten Rhythmus angefreundet hat genügt selbst ein Zelt um auf Hawaii einen Traumurlaub zu verbringen. Ich brauchte ca 4 Tage bis ich nicht mehr das Gefühl hatte Irgendwas zu verpassen, das liegt aber eher an mir und daran, dass ich sehr häufig das Gefühl habe etwas zu verpassen … ich weiss auch nicht.

Neben dem offensichtlichen, den traumhaften Stränden und dem türkisblauen Wasser hat uns auf Hawaii vor allem eins beeindruckt, die unglaublich grünen Berge und Täler. Wenn sie am Nordpol über 200 Wörter für Schnee haben, dann müsste es auf Hawaii mindestens genauso viele Wörter für Grün geben. Egal wohin wir fahren, der vulkanische Ursprung Hawaiis sorgt für Grün soweit das Auge reicht (außer man schaut aufs Meer…). Wir wandern wetterbedingt leider nur an 2 Tagen, sind allerdings an beiden Tagen von soviel unterschiedlichen Grüntönen hin und weg. Von kilometerlangen fast schon giftgrünen Wiesen bis hin zu tiefgrünen Dschungelpfaden findet auf Hawaii jeder das wonach er sucht.

Schnorcheln auf Hawaii.

Schnorcheln kann man so gut wie überall auf Hawaii, es gibt allerdings eine Bucht die ganz besonders häufig als bester Platz zum Schnorcheln auf Hawaii Erwähnung findet. Die Hanauma Bucht liegt etwa eine Stunde außerhalb von Honolulu und ist durch ihre kelchähnliche Form und die dadurch fast immer ruhigen Gewässer nicht bloß bei Einheimischen und Touristen sondern auch bei einer Vielzahl von Fischen sehr beliebt. Hanauma Bay ist so beliebt dass hier ein Eintritt von 7,5$ p.P. verlangt wird. Alle anderen Strände Hawaiis sind kostenlos, selbst wenn sie an einem Privatgrundstrück liegen muss der Strand kostenlos zugänglich sein. Die Hanauma Bucht öffnet für Besucher morgens um 6 und damit pünktlich zum Sonnenaufgang, auch wenn dieser von hier nicht so wirklich spektakulär ist lohnt sich das frühe aufstehen. Die erste Halbe- bis Dreiviertelstunde muss kein Eintritt gezahlt werden und der Strand ist so früh morgens schön leer. An sonnigen Tagen kann es hier auch mal passieren, dass wegen Überfüllung niemand mehr hereingelassen wird. Wir hatten nicht so wirklich Glück mit dem Wetter, recht starker Wind und dichte graue Wolken sorgten dafür, dass wir lediglich einige kleine Fische sahen. Der einsetzende Regen und die Tatsache, dass wir keine 7,5 $ Eintritt gezahlt hatten ließ uns nach 2 Stunden unsere Sachen zusammenpacken.

Pear Harbor

Glaubt man den am Flughafen verteilten Gratis-Infomagazinen so ist das Pearl Harbor Memorial das beliebteste Touristenziel auf Hawaii, zumindest wenn es nach Besucherzahlen geht. Auch wenn ich von der amerikanischen Haltung zu Krieg und Militär nicht wirklich viel nachvollziehen kann, können wir dieses Denkmal welches zu Ehren der gefallenen Soldaten des 7. Dezembers 1941 errichtet wurde nicht einfach ignorieren. Etwa eine halbe Stunde dauert es aus Honolulu bis zum Pearl Harbor wo die Amerikaner noch heute eine ihrer schlimmsten „Kriegsniederlagen“ verarbeiten.

Am 7.12.1941 haben die Japaner in einem Überraschungsangriff nahezu die gesamte Marineflotte der US-Amerikaner zerstört, bei dem Angriff verloren 2043 Amerikanische Soldaten ihr Leben. Heute ist aus dem Hafen ein Museum und eine Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten geworden. Der Eintritt ist kostenlos, neben dem Museum und einem Memorial-Walk gibt es die Möglichkeit sich einen Film über den 7.12 anzusehen und mit einer Fähre das USS Arizona Memorial zu besichtigen. Das 1969 errichtete Mahnmal überspannt die damals zuerst gesunkene USS Arizona, in Ihrem Rumpf fanden 1102 Soldaten ihre letzte Ruhestätte. Wenn man durch das in schweigen gehüllte Mahnmal läuft (reden ist unangebracht und sehr unerwünscht), hinunterschaut und sieht wie aus dem keine 3 Meter tiefer liegendem Kriegsschiff noch heute Öl in das Meer austritt und einen Schimmernden Film an der Wasseroberfläche hinterlässt, sorgt das schon für ein nur schwer zu beschreibendes Gefühl. Pearl Harbor ist als nicht amerikanischer Tourist wahrscheinlich nicht die Sehenswürdigkeit an die man denkt, wenn man an Urlaub auf Hawaii denkt, der Besuch lohnt sich aber dennoch.

Mit Delphinen Schwimmen auf Hawaii

Wie kitschig klingt das denn bitte? Man kann auf Hawaii aber wohl tatsächlich ganz hervorragend mit Delphinen schwimmen, auch wenn wir diesmal leider kein Glück hatten. Den Tipp bekommen wir erst an unserem vorletzten Tag. In der Waianae Bucht, auf der Westseite O´ahus kann man morgens mit etwas Glück mit Delphinen schwimmen. Relativ regelmäßig kommen sie auf der Suche nach Futter wohl in die ruhigste Bucht O´ahus. Für uns beginnt der Tag nach einer schwülen und gefühlt viel zu kurzen Nacht um 6 Uhr morgens, ca 20 Minuten später sind wir auch schon im Wasser. Die Sonne beginnt erst aufzugehen und hüllt die grünbewachsenen dunkelbraunen Vulkangebirge in ein wunderschön rotes Licht. Am Strand von Waianae sind neben uns zu dieser Zeit bloß ca 10 Einheimische, einige schwimmen, andere genießen das ruhige Wasser um vor der Arbeit bei einer Runde Stand Up Paddling (der angesagteste Trendsport dieser Saison) und wieder andere suchen eine Alge aus dem Wasser, die seit dem Tsunami in Japan die Gewässer rund um Hawaii belastet (angeblich getrocknet ein prima Düngemittel…). Auch wenn wir noch ein wenig Zeit haben, Delphinzeit so wurde uns gesagt sei immer gegen halb 8, starten wir den Tag mit einer Runde Schnorcheln im auch ohne Sonne noch gut 24 Grad warmen Wasser. Wir beobachten einige kleine Fische, suche Golfbälle vom Meeresboden und Fragen die Vorbeikommenden nach den Delphinen. Alle bestätigen, dass sie wohl sehr häufig in dieser Bucht seien, wir müssten uns wohl einfach noch ein wenig gedulden. Als uns nach 1,5 Stunden allerdings kalt wird brechen wir unseren Versuch mit Delphinen zu schwimmen ab. Man kann ja auch nicht immer Glück haben. Falls ihr unbedingt mit Delphinen schwimmen wollt, gibt es die Möglichkeit im Waianae Harbour Delphintouren zu Buchen. Für 219$ p.P. habt ihr hier eine „Delphingarantie“. Für uns war dieser Morgen selbst ohne Delphine, bloß umgeben von Einheimischen und der aufgehenden Sonne ein perfekter Start in den Tag, den wir jedem Hawaiireisendem ans Herz legen können.

Trotz des zu Beginn bescheidenem Wetters können wir Hawaii bedenkenlos weiterempfehlen, sicher gibt es unzählige genauso schöne Inseln die mit Sicherheit in den Meisten Fällen sogar günstiger sind als Hawaii. Allerdings kann man selbst auf Hawaii mit einem kleinem Budget einiges erleben. Wie uns eine Hawaiianerin sagte: „Wenn ich am Strand spazieren gehe, vergesse ich nicht meine Sorgen, ich vergesse bloß weshalb sie überhaupt wichtig sind.“

Kommentare
ein kommentar zu “Hawaii und seine zwei Gesichter”
  1. sbo sagt:

    schöner schluss…. kann ich nur bestätigen und geht auch an anderen stränden ;-)
    das foto „hawaii_camping_03“ hab ihr doch nur reingestellt um mich zu ärgern oder?

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