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Wandern am und im größten Canyon der Welt

Groß, Größer, Grand Canyon

450 km lang, 30 bis 2000 m breit und bis zu 1600m tief – der Grand Canyon ist wahrhaftig riesig. Wie riesig schauen wir uns vor Ort an, denn wie immer bei solchen Ausmaßen gilt: auf Fotos und Videos kann man nicht festhalten wie groß „groß“, geschweige denn wie weit „weit“ ist. Klappt einfach nicht. Wir haben es natürlich dennoch versucht.

Geradeaus zum Grand Canyon

Auch wenn uns in Las Vegas an jeder Ecke Heli-Flüge zu garantierten Spitzenpreisen bis direkt an den Grand Canyon angeboten werden fahren wir die knapp 400 km lange Strecke lieber selbst. Wie bereits erwähnt macht das Autofahren „noch“ einen gewissen Spass und 400 km ist auch nicht die Welt. Wir verlassen Las Vegas am frühen Nachmittag, unser Ziel für heute heißt Flagstaff. Flagstaff liegt zwar noch immer etwa 100 km vor dem Grand Canyon, ist allerdings die nächstgelegene Stadt, wenn es darum geht eine bezahlbare Unterkunft für einen Ausflug zum Grand Canyon zu finden.

Wir überqueren den Hooverdamm, fahren von der 95 auf die 93 und anschließend auf die 40. Viel mehr passiert leider nicht. Landschaftlich gibt es bis etwa 60 km vor Flagstaff keine Abwechslung – Steine und Sand, ab und an mal ein Berg, es ist aber viel zu heiß um einen Berg richtig schätzen zu können. Vor Flagstaff wird es dann überraschend grün, es folgt Nadelwald auf grüne Wiesen. Nach über 300 km freuen wir uns darüber fast wie Menschen auf einem Boot über eine Taube mit Mistelzweig.

Die Unterkunft in Flagstaff erinnert von außen an ein typisch amerikanisches 2-stöckiges Motel, genauso wie man es aus dem Fernsehen kennt, inklusive der alten zu verkaufenden Autos im „Innenhof“. Innen überzeugt es allerdings mit eigenem Kühlschrank und eigener Mikrowelle – verhungern muss hier keiner.

Der Grand Canyon Nationalpark ist ebenfalls überraschend grün. Ich hätte ja gedacht, dass auch das Umland die fototypische rote Sandsteinfärbung und sonst nichts aufweisen würde. Der Eintritt in den Park kostet pro Auto 20$ und ist für 3 Tage gültig, in dieser Zeit kann man theoretisch so oft rein und raus fahren wie man möchte. Für alle mit größerem Budget gibt es direkt am Parkeingang ein kleines Hotel-Dorf, von hier bis zum Eingang sind es mit dem Auto ungefähr 10 Minuten – wir haben erst gar nicht gefragt was die Nacht kosten würde.

Im Park bewegt man sich wenn nicht zu Fuß, mit dem Bus. Es gibt zu allen touristisch interessanten Punkten eine im Viertelstundentakt fahrende Buslinie. Alternativ kann man natürlich auch wandern und hat dabei die Chance Hirsche und andere „wilde“ Tiere zu entdecken. Ich für meinen Teil wäre ja liebend gerne bis zum Colorado River hinabgestiegen, die überall groß angeschlagenen Warnungen über eine anstrengende 8-10 Stunden Tour und die Tatsache, dass es schon gegen Mittag ist lassen mich aber recht schnell davon absehen. Ein Ranger empfiehlt uns stattdessen bis zum so genannten „OOH AAH POINT“ den South Kaibab Trail zu bewandern, dort umzukehren.

Wanderung zum OOH AAH POINT

Ok, so ein Ranger sollte sich ja auskennen und so finden wir uns keine 20 Minuten später am Einstieg zum South Kaibab Trail wieder. Hier werden nochmals die Wasserflaschen (insgesamt haben wir knapp 6 Liter dabei) aufgefüllt ehe es über den staubigen und zu Beginn noch schattigen Weg in den Grand Canyon geht. Recht schnell sind wir an einem Punkt, an dem man um sich herum bloß noch Canyon sieht – links eine Wand, rechts eine Wand und geradeaus die in 2 km Entfernung liegende Nordwand des Canyons, zwischen uns die über Jahrmillionen entstandene Schlucht des Colorado Rivers, den wir aus unser Position heute gar nicht mehr sehen können. Wir erreichen den OOH AAH POINT und sind erst einmal baff, von hier sieht man wirklich gut wie groß der Canyon eigentlich ist und weshalb die 8-10 Stunden eventuell doch nicht gelogen sind. Links, rechts, geradeaus Canyon soweit man sehen kann. Einige Fotos später machen wir uns auf den Rückweg und schon nach den ersten schleppenden Metern durch die inzwischen 35 Grad begrüße ich die Entscheidung heute nicht bis zum Fluss gewandert zu sein. 1400 Höhenmeter runter ist wahrscheinlich gar nicht das Problem, die eine Stunde die wir hochwandern reicht allerdings schon um den Wasservorrat ordentlich zu minimieren.

Am Rande des Grand Canyons

Die verbliebene Zeit bis zum Sonnenuntergang wandern wir den „Trail of Time“ entlang. Der Trail of Time ist ein preisgekrönter Wanderweg entlang am Rand des Grand Canyons. Über insgesamt 4,5 km wandert man zurück bis zur Entstehungszeit einiger der ältesten im Grand Canyon gefunden Steine. Immerhin knapp 1,8 Milliarden Jahre. Es gibt Tafeln die erklären wie einzelne Gesteinsschichten entstanden und Aussichtspunkte um die ehemaligen Lehmhütten der Anasazi, die hier vor über 2000 Jahren ansässig waren, ausfindig zu machen. Außerdem sehen wir von hier auch das erste Mal den zu dieser Jahreszeit sehr schmalen Colorado River. Auch wenn ich wahrscheinlich nicht ganz zur Zielgruppe des Trails gehöre muss ich sagen, dass ich ihn nicht nur wegen der spektakulären Aussichten sehr sehenswert fand.

Der Sonnenuntergang am Grand Canyon hat mich ein bisschen enttäuscht, hatte ich doch erwartet, dass zu späterer Stunde wenigstens einmal die typisch rote Färbung sichtbar würde. Hätten wir vorher mal anständig recherchiert hätten wir aber auch herausfinden könne, dass die schönsten Fotos am Grand Canyon immer ganz früh zu Sonnenaufgang entstehen. Ein anderes mal! Wir müssen ja eh nochmals zurückkommen, irgendwann – so richtig abgeschlossen mit der Idee bis zum Fluss zu wandern habe ich nämlich noch nicht. Jetzt geht’s aber erstmal wieder Richtung Küste, nächster Stopp: Sequoia National Park.

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