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Von Peru nach Kolumbien in einer Woche

Ecuador im Schnelldurchlauf

Ecuador … Denkt man an Ecuador kommen einem doch direkt die Galapagos Inseln in den Sinn, ein Besuch am Äquator und wilde Natur. Von all‘ dem sehen wir leider nichts. Für uns stellt der Besuch in Ecuador leider nur den günstigsten Weg nach Kolumbien dar. Von zu vielen Reisenden wurde uns ans Herz gelegt möglichst viel Zeit in Kolumbien zu verbringen und so heben wir uns einen wirklichen Besuch von Ecuador und den Galapagos Inseln für eine andere Reise auf. Dennoch wollen wir Euch unseren kurzen Besuch in Ecuador nicht vorenthalten auch wenn er an vielen Stellen wohl eher einem Krankenbericht gleicht …

18 Stunden Fahrt nach Guayaquill …

Von Trujillo in Peru wollen wir direkt nach Guayaquill in Ecuador durchfahren. Wir werden also 18 Stunden im Bus verbringen und damit ist auch unsere Schmerzgrenze bei Busfahrten erreicht.

Die Zeit im Bus vergeht schleppend, wir sitzen viel zu nah an den Toiletten und die liebevolle Filmauswahl im Bus erledigt wie immer alles Weitere. Die Klimaanlage läuft mal wieder auf Hochtouren und gemischt mit dem Geruch der Toilette und dem ständigen Sprühen von Lufterfrischern ist es ein wirklich schwer zu ertragender Mix …

Wir erreichen Guayaquill ziemlich gerädert am späten Nachmittag und nehmen ein Taxi ins Hostel Nucapacha. Das Hostel erweist sich mit seinem Pool, schönem Innenhof und gutem Frühstück als wahrer Glücksgriff.

skurille Apothekenbesuche in Ecuador

Leider zeigte mir dann auch der erste Blick in den Spiegel, dass meine Vermutungen während der Busfahrt (ohne Spiegel) richtig waren und die starke Klimaanlage sowie ganz sicher auch die Toilettendämpfe ihren Teil dazu beitrugen, dass mich nun eine ordentliche Bindehautentzündung plagt. Unser erster Weg in Guayaquill führt uns heute also in die Apotheke.

Mit meinem Auge ist es glücklicher Weise nicht schwer zu veranschaulichen was ich gern hätte und so halte ich recht schnell ein kleines Fläschchen mit Augentropfen in den Händen.

Am nächsten Morgen sieht mein Auge noch viel schlimmer aus und außerdem haben sich leichte Halsschmerzen von Gestern noch verschlimmert. Natürlich haben wir in unserer Reiseapotheke nichts gegen Halsschmerzen und so geht es direkt nochmals zur Apotheke.

„¡Quiero algo para dolor de garganta, por favor!“ (Ich hätte gerne etwas gegen Halsschmerzen!)

„¿Si, cuanto?“ (Ja, wieviele)

„Äääm … ¿Cuatro?“ (Äääm … vier?)

Ich gehe mal davon aus das es sich um Tabletten handelt, also sollten 4 Stück erstmal eine gute Menge sein. Der Apotheker öffnet ein Päckchen und schneidet mir 4 Tabletten aus. Ich habe keine Ahnung von dem Wirkstoff und werfe mir vorsichtshalber nicht direkt eine ein. Zurück im Hostel recherchiere ich im Internet und stelle fest, dass es sich um ein Mittel gegen Arthrose und Gicht handelt, zur Behandlung von Halsschmerzen kann ich beim besten Willen nichts finden. Da ich einfach mal hoffe, dass wir weder Arthrose noch Gicht auf der Reise bekommen wandern die 4 Tabletten in den Müll und nicht in die Reiseapotheke. Für heute gibt es einfach erstmal eine Menge Tee mit Honig.

Ein Tag in Guayaquill

Am dritten Tag in kann ich mich mit dem Auge auch wieder an die Öffentlichkeit trauen und wir machen uns auf den Weg zur Promenade von Guayaquill. Das Wetter ist angenehm, es ist nicht zu heiß und die Gegend macht zunächst auch noch einen netten Eindruck. Nach gut einer halben Stunde sind wir uns aber doch nicht mehr so sicher, ob wir hier zu Fuß unterwegs sein sollten und schnappen uns eins der registrierten Taxis (zu erkennen an den Nummernschildern und einem „Panikknopf“ im Wagen), das uns in nichtmal 10 Minuten zu unserem Ziel bringt.

Die Promenade ist nett, aber wir können ihr leider nicht wirklich etwas abgewinnen. Vielleicht sind wir einfach schon zu verwöhnt … Für Kinder gibt es einen schönen Piraten-Park in dem die diversen Angriff im 17. und 18. Jahrhundert anschaulich erzählt wird. Wir sehen nur einige der Piraten und hören das Kanonenfeuer von außen. Für uns geht der Weg weiter an einigen Verkaufsständen vorbei zu einer kleinen Shopping Mall am Wasser. Die Geschäfte sind nicht wirklich interessant für uns, aber ein lustiges Highlight stellt die Festname eines Taschendiebs dar. Nicht etwa mit einem üblichen Sicherheitsgriff wird dieser dingfest gemacht sondern mit einer sehr gekonnten Umarm-Technik. Lustig anzuschauen!

Recht schnell beschließen wir uns auf den Rückweg zu machen und den Nachmittag lieber noch am Pool unseres Hostels ausklingen zu lassen.

Zwischenstopp in Quito

Wir kommen Nachmittags in der Altstadt von Quito an und machen uns als erste Tat direkt daran mal wieder eine Apotheke zu finden. Dieses Mal haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und wissen, dass wir den Wirkstoff Benzocain haben wollen. Um 18 Uhr ist in der Altstadt leider schon so gut wie jeder Laden dicht, doch glücklicherweise verkauft uns eine nette Apothekerin noch eine Packung Tabletten durch eine kleine Luke im Tor. Das Mittel betäubt meinen Hals und ich spüre direkt die Besserung. Nun können wir uns auch endlich etwas zu essen suchen. Doch wie schon erwähnt hat ab 18 Uhr fast alles zu und das einzige Restaurant, das wir finden können ist eine Hähnchen-Fastfood-Kette. Nein, dann geht es halt in einen kleinen Supermarkt. Unser festliches Abendessen besteht aus Tütensuppe und einem Kilo Schokoladeneis. Mein Hals dankt!

Wir verbringen leider nur einen halben Tag in Quito, denn am Samstag ist großer Markttag in Otavalo und den wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Der Arzt mit Wohnzimmerlampe

Wir kommen in Otavalo an und so langsam bekomme ich das Gefühl, dass ein Arztbesuch unumgänglich wird. Glücklicherweise ist der Bruder des Hotelbesitzers Arzt und hat eine Praxis direkt um die Ecke. Die nette Frau vom Empfang bringt uns dort hin und organisiert einen Termin für mich. Ich muss nur 5 Minuten warten, dann bin ich auch schon an der Reihe. Der Behandlungsraum schaut aus wie aus einem schlechten Film doch der Arzt ist unglaublich freundlich. Er leuchtet meinen Hals mit einer Art Wohnzimmer-Stehlampe in gemütlich, warm-gelbem Licht aus und diagnostizirt mir eine Mandelentzündung. Für die nächsten 5 Tage verschreibt er mir Antibiotika und Schmerztabletten und damit sollte es dann nun hoffentlich endlich gut sein.

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Markttag in Otavalo

Am nächsten Tag ist Samstag und damit der berühmte Markttag von Otavalo. Der bunte Markt ist vor allem für seine farbenfrohen Textilien und die filigranen Stickereien weit über die Landesgrenze von Ecuador bekannt. Wir sind zunächst noch skeptisch, ob all diese Masse an Blusen die hier angeboten werden tatsächlich handbestickt sein können, doch wir sehen einige Verkäuferinnen eifrig sticken und auch der genaue Blick auf die Waren bestätigt es. An vielen Stickereien sind noch Bleistiftspuren vom Vorzeichnen der Muster vorhanden. Die Arbeit und der Aufwand pro Kleidungsstück sind kaum vorstellbar. Auch wenn Jan nur meint: „Die müssen doch zu viel Zeit haben!“, haben die Frauen hier meinen größten Respekt und ich finde es toll das dieses Handwerk noch nicht von Maschinen verdrängt wurde.

Gegen Mittag werden wir von einer Gruppe Schüler aus dem Nachbarort „interviewet“. Jeden Samstag geht es für sie in gemischten Gruppen (sie sind zwischen 8 und 17 Jahren alt) nach Otavalo um ihr Englisch mit Touristen zu üben. Das Gespräch ist wirklich interessant und wir erfahren zum Beispiel das es in ihren Familien absolut unüblich ist zuhause zu kochen, das Essen an den vielen Straßenständen ist einfach günstiger. Wir verabschieden uns nach etwa einer halben Stunde wieder und ziehen weiter über den Markt.

Auch wenn wir an diesem Tag nichts kaufen war es eine spannende Erfahrung diesen traditionellen Markt einmal mitzuerleben. Meine Halsschmerzen sind an diesem Tag übrigens schon nicht mehr zu spüren und wir sind bereit für Kolumbien, denn dort soll es morgen früh hingehen!

Solltet Ihr Fragen zu diesem Bericht oder zu unserer Reise im Allgemeinen haben freuen wir uns über eure Fragen und Kommentare!

Kommentare
ein kommentar zu “Ecuador im Schnelldurchlauf”
  1. Nadine sagt:

    Athrose und Gicht? Wir haben herzlich gelacht! Wie könnte das denn passieren?!? :D Entweder ist es euer deutscher Dialekt, dein durch das viele Reisen gealtertes äußeres Erscheinungsbild (ist ja kein Urlaub, den ihr da macht! ;-) oder der Praktikant hat einfach mal wahllos ins Regal gegriffen… Wie dem auch sei: wir sind froh zu hören, dass es dir wieder besser geht!

    Bis ganz bald! =)

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