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raue Küste und wilde Tiere

The Catlins – der Süden der Südinsel

Rund um den südöstlichsten Teil der Südinsel Neuseeland findet man wilde Natur, raue Küstenlandschaft, dichten Regenwald – The Catlins ist ein wahres Paradies. Hier leben Seelöwen, Delfine und die seltenen Gelbaugenpinguine, hier braucht es auch keine überteuerte organisierte Tour um sie zu besuchen.

Entlang der insgesamt 610 km langen Southern Senic Route erreichen wir unser Ziel für die nächsten zwei Tage. Die Hillview Campsite scheint uns wie ein Mix aus Campinglpatz und „Ferien auf dem Bauernhof“. Wir stehen in mitten von Schafen, Kühen, einem Schwein und einem Pony. Das kleine familiengeführte Restaurant ist auch gleichzeitig das Wohnzimmer der Eigentümer die uns bei einer Tasse Tee das Abendbrot zubereiten – wir fühlen uns wohl. Die abgelegene Lage ist perfekt um die Tierwelt und das Umland zu erkunden.

Die Gelbaugenpinguine am Nugget Point

„Wart ihr schon am Nugget Point? Da müsst ihr unbedingt hin, die Pinguine sieht man am besten in den Abendstunden wenn sie von der Jagd zurück kommen“, Kevin der Besitzer unseres Campingplatzes scheint auch nach 8 Jahren noch aufgeregter zu sein als wir es bis vorhin waren. Der Nugget Point liegt nur wenige Minuten von unserem Campingplatz entfernt und ist Brutplatz einer Gelbaugenpinguin Kolonie. Diese Pinguine wählen ihre Partner für ein Leben lang und kehren jedes Jahr zu ihrem auserwählten Brutplatz zurück – perfekt um sie zu beobachten.

Am Nugget Point gibt es einen kleinen Unterstand in den Dünen von dem aus wir am Abend die Rückkehr der Pinguine nach der täglichen Jagd beobachten können, ohne dass diese sich gestört fühlen. Etwa 30 Minuten müssen wir warten bis sich der erste Pinguin aus dem Wasser schiebt. Der tapsige Freund ist niedlich zu beobachten, auch weil es ein wenig so aussieht als würde er versehentlich angespült werden und nicht wie ein gezieltes an Land gehen. Kaum aus dem Wasser beginnt er sich zu trocknen, bei dem Wind (es ist eisig und trotz überdachtem Unterstand super windig) sollte das doch nicht so lange dauern, dennoch vergehen knapp 10 Minuten in denen er mit ausgebreiteten Armen auf den Steinen steht ehe er von Stein zu Stein hüpfend hinter einem Busch verschwindet. Uhhh sind die niedlich, selbst wenn sie so weit weg sind. Der eisige Wind und die Tatsache, dass wir nach knapp einer Stunde „nur“ 2 Pinguine beobachten konnten ließen uns den Rückweg antreten. Eine Stunde kalter Wind vs. 2 winzige Pinguine? Die Stunde hat sich mehr als gelohnt.

Surat Bay

Für den nächsten Morgen hatten wir einen Ausflug zur Surat Bay geplant. Benannt wurde die Bucht nach einem gestrandetem Schiff und die Kombination aus einer Seelöwen-Kolonie und einem Wrack an einem rauhen Strand klang verheißungsvoll …

Der Himmel ließ schon nichts Gutes ahnen und so kamen auch die Regenjacken endlich mal wieder ans Tageslicht – wenn das nichts ist worüber man sich freut. Moment, die Regenjacken kamen ans Tageslicht? Ninas Regenjacke, Jan hält es ja noch immer nicht für nötig eine Regenjacke zu besitzen. Der Weg an den Strand führte uns vom Parkplatz über eine kleine Hängebrücke und durch die Dünen. Außer uns war niemand zu sehen, ein Schild mit Empfehlungen wie man sich gegenüber Seelöwen verhalten sollte machte uns dennoch Hoffnung. Das Wetter schwankte im 5 Minutentakt von sonnig zu nieselig, nur der extreme Wind, der immer wieder der Meinung war unsere Gesichter mit etwas Sand peelen zu müssen wollte nicht weniger werden. Wir liefen etwa 20 Minuten ehe wir den Punkt erreichten, an dem ein Holzschild auf die 1874 gesunkene Surat hinwies. Das Wrack an sich versteckte sich irgendwo in der rauen See und war leider nicht zu sehen. Eigentlich hätten hier auch irgendwo Seelöwen sein sollen, außer einigen Baumstämmen, die aus der Ferne natürlich täuschend echt nach Seelöwen aussahen und uns so immer weiter den Strand hinunter lockten gab es aber nicht wirklich viel zu sehen. Wir hatten uns schon damit abgefunden heute keine Seelöwen zu sehen als der Wind und plötzlich einsetzender Regen – richtiger Regen – uns zum umdrehen zwangen. Ordentlich kalt und nass bis auf die Haut kämpfen wir uns durch den Wind zurück zum Auto.  Ach, so eine Regenjacke braucht doch kein Mensch…

Jacks Blowhole

Mit vom Wind mehr oder weniger getrockneter Kleidung und der Hoffnung, dass die Sonne „gleich wieder“ zur Stelle ist machten wir uns auf den Weg zu Jacks Blowhole. Pünktlich zu Beginn unserer etwa einstündigen Wanderung zeigte sich tatsächlich die Sonne und so liefen wir bei strahlenden Sonnenschein viel zu dick angezogen über Schafsweiden, vorbei an knapp 60 m hohen Steilküsten immer entlang am Meer bis zu unserem ersten Blowhole.

Jacks Blowhole ist grob erklärt eine 55 m tiefe Felsspalte 200 m im Landesinneren. Durch unterirdische Tunnel wird mit jeder auf die vorgelagerte Steilküste treffenden Welle Wasser in diese Spalte gedrückt. Die verdrängte Luft und die aufeinander treffenden Wellen erzeugen die Blowhole typischen Geräusche und lassen einen erahnen mit welcher Wucht die Wellen gegen die Klippen schlagen. Interessant aber dennoch nichts um sich ewig hier aufzuhalten. Zurück auf unserem Ferienbauernhof-Campingplatz wärmen wir uns mit heißem Tee und einer hausgemachten Pizza ehe es uns am kommenden Morgen weiter in den Süden zieht, unser nächstes Ziel heißt Curio Bay.

Purakaunui Falls

Weil sie gerade auf dem Weg lagen und weil sie die meist fotografierten Wasserfälle Neuseelands seien sollen machten wir auf unserem Weg Richtung Süden einen kurzen Zwischenstopp an den Purakaunui Falls. Die Purakaunui Falls liegen etwa 5 km im Landesinneren und sind umgeben von dichtem mit Moos und Farnen überwuchertem „Urwald“. Auch wenn sie mit gerade einmal 20 Metern Höhe nicht wirklich groß sind hat sich der Abstecher gelohnt. Die 3 nahezu identisch hohen Stufen und die dicht mit Moos behangenen Bäume und Steine sind auf ihre Weise faszinierend und lassen uns zum ersten mal dieses „Herr der Ringe Feeling“ spüren. Märchenhaft oder so ähnlich, schön allemal.

Lost Gypsy Gallery

Keine Stunde weiter legen wir einen weiteren Zwischenstopp ein und besuchen die Lost Gypsy Gallery. Was 1999 in einem ausrangierten Bus anfing ist inzwischen fester Bestandteil einiger Tagestouren. Blair Somerville verwandelt nahezu alles in Kunst zum Anfassen. Als wir den Bus betreten und die ersten 3 Minuten mit großen Kinderaugen herumlaufen bittet er uns die Hände aus den Taschen zu nehmen und alles anzufassen und auszuprobieren. Um uns fährt eine Spielzeugeisenbahn, der ganze Bus scheint miteinander verkabelt zu sein. Wir drücken Knöpfe, drehen Zahnräder und sind immer wieder erstaunt wie großartig Blair Alltagsgegenstände in Kunst verwandelt.  Für 5$ dürfen interessierte Besucher auch seinen Garten und damit den Großteil der Ausstellung besuchen. Natürlich haben wir uns das nicht entgehen lassen. Es ist schwer sich auf Highlights zu einigen wenn der ganze Garten bis in die kleinsten Ecken voll steht mit Highlights. Für einen Eindruck was Blair so macht, schaut ihr euch am besten dieses Video an.

Lieblingsstücke?
– Das „Soundtrack of your Life Theater“ in dem man auf einem Klavier mit jeder Taste einen im Raum stehenden Gegenstand dazu bringen konnte ein Geräusch zu machen. Vom klappernden Gebiss bis zur Trompete war wirklich alles dabei.
„A Bush in a box in a Bush“ George W. Bush steht in einem Kasten in einem Busch und gibt auf Knopfdruck schlaue Worte von sich.

Falls ihr mal in der Gegend seit haltet hier auf jeden Fall. Es lohnt sich!

Curio Bay

Curiobay, eine knapp 2 km lange Landzunge auf derer einen Seite Delfine und Pinguine leben während sich auf der anderen Robben die Sonne auf den Pelz scheinen lassen.  Fast zu schön um wahr zu sein, das müssen wir uns ansehen. Im Internet lesen wir „Erfahrungsberichte“ von Personen die in der Curio Bay zusammen mit Delfinen schwimmen waren und von anderen die Pinguinen auswichen mussten weil sie den empfohlenen Mindestabstand  von 10m einhalten wollten.

Als wir hier ankommen ist es allerdings so windig, dass wir zeitweise Probleme haben uns auf den Beinen zu halten. Daran ins Wasser zu gehen ist gar nicht zu denken. Bei dem Wetter seien keine Delfine in der Bucht und auch mit den restlichen Tieren müsse man Glück haben ließ uns die Frau in der örtlichen Touristeninformation wissen. Ich weiss nicht ob es Glück ist wenn man anstelle ganzer Kolonien von jeder Spezies nur einen Vertreter antrifft, schätze aber schon. Es hätte ja auch niemand da sein können:) Die einzige faule Robbe lag ganz unkitischig direkt neben der Straße, geruchs- und bewegungstechnisch hätte sie auch tot sein können, die riechen aber wohl immer so und geatmet hat sie auch.

Mit den angeblich bis zu 20 Pinguinen hatten wir auch keinen wirklichen Erfolg, zwar wurden wir von einer aufgeregten Touristengruppe (alle so Anfang Rente) auf einen kleinen Pinguin hingewiesen, ohne Fernglas war er allerdings kaum zu sehen.

Etwas deprimiert und mal wieder ordentlich durchgefroren verziehen wir uns kurz bevor es anfängt zu regnen in unseren Van. Empfehlen würden wir Curio Bay trotzdem jedem, denn wer weiss vielleicht hüpfen die Pinguine beim nächsten mal direkt vor unsere Füße während im Hintergrund Delfine in den Sonnenuntergang springen. Vielleicht.

Kommentare
3 kommentare zu “The Catlins – der Süden der Südinsel”
  1. Heike sagt:

    Genial die Natur !!!!!!!

  2. Uek sagt:

    Seit langem habe auch ich mal wieder bei „euch“ vorbei geschaut. Immer wieder absolut beneidenswert. Ihr seid zu beglückwünschen. Euch weiterhin alles erdenklich Gute. Euer uek

    • nina sagt:

      Wie schön, dass du hier vorbeischaust und uns auch noch eine Nachricht dalässt! Danke für deine lieben Worte, da hast du uns grad wirklich eine Freude bereitet :)

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