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allgegenwärtige Kunst und lebendige Musikszene

Bogota, die Street Art Metropole

Noch bis in die späten 90er war Bogota wie eigentlich alle kolumbianischen Städte berühmt-berüchtigt für den hier herrschenden Drogenkrieg. Auch wir haben auf unserem Weg durch Kolumbien nicht bloß gutes über die Landeshauptstadt gehört, denn noch immer soll es hier Ecken geben in denen man sich nachts lieber nicht blicken lässt. „Entführungen und Raubüberfälle sind dort an der Tagesordnung, passt bloß auf euch auf!“ hören wir immer wieder, erstaunlicherweise ausschließlich von Kolumbianern. Die Reisenden, mit denen wir sprechen berichten hingegen von einer ganz wunderbaren Stadt mit einer spannenden, lebendigen Kunst und Musikszene.

Bogota, letzter Stop in Südamerika

Nach über 8 Monaten im Zentral- und Südamerika endet der spanischsprachige Teil dieser Reise mit einem 3-tägigem Aufenthalt in Kolumbiens Hauptstadt Bogota, von hier aus geht es weiter nach Nordamerika. Die letzten 8 Monate waren für uns der absolute Wahnsinn, wir haben unzählig schöne Orte entdecken dürfen, zahllose nette Menschen kennengelernt, unglaublich viel gelernt und staunten immer wieder über die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit die wir hier an jeder Ecke antrafen. Kurzum wir hatten eine fantastische Zeit und ich bin ein wenig traurig Südamerika „schon“ verlassen zu müssen.

Um Bogota zu erreichen kommen wir ein weiteres Mal in den Genuss Kolumbiens unglaublich günstiger Inlandsflüge, für knapp 70$ und damit lediglich 5$ teurer als die Alternativroute via 12 Stunden Busfahrt ging es in 1,5 Stunden von der Küste bis ins Zentrum Kolumbiens. Die erste Nacht verbrachten wir in einem Hostel ohne fließendes Wasser (Bauarbeiten oder was auch immer, so wirklich konnte oder wollte man es uns nicht erklären) und entschieden uns am nächsten Morgen spontan innerhalb Bogotas umzuziehen. Glücklicherweise hat sich Bogotas Stadtteil La Candelaria sehr gut auf die immer wachsende Zahl Reisender eingestellt und so fanden wir innerhalb von 10 Minuten eine neue Bleibe (mit fließendem heißem Wasser – nach einer Woche lediglich kaltem Duschen freut man sich richtig darüber).

Museo del oro.

Den angebrochenen Tag nutzten wir um uns das größte Goldmuseum der Welt näher anzusehen. Im Museo del Oro im Herzen Bogotas wird über 3 Etagen zumeist präkolumbianische Handwerkskunst ausgestellt. Die Ausstellung an sich ist gigantisch und verdeutlicht wirklich anschaulich, wie sich die Goldgewinnung und -bearbeitung im Laufe der Zeit entwickelt hat. Ich weiss nicht ob ich an dem Tag einfach schlechte Laune hatte oder ob mein Gehirn bereits nach der ersten Etage mit Reizüberflutung zu kämpfen hatte jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass sich wirklich viel wiederholte. Es reiht sich Kopfschmuck an Kopfschmuck und Kette an Kette. Das Museo del Oro ist zwar beeindruckend und wenn man sich für die Entwicklung und Goldbearbeitung interessiert ist es mit Sicherheit auch interessant, wenn ihr mich fragt lohnt sich das ebenfalls in Bogota ansässige Botero Museum allerdings mindestens gleichermaßen. Vielleicht nicht zum Thema Gold, aber so generell ;-)

Museo Botero

Botero der wohl bekannteste Künstler Kolumbiens und ehemalige Wahl-Bürger Bogotas – den wir schon aus Medellin kennen – ist mit seinen Bronzefiguren nicht bloß in Bogotas Innenstadt vertreten, in einem nach ihm benannten Museum stellt er neben seinen eigenen Werken auch einige Stücke seiner beeindruckenden Kunstsammlung aus. Neben einem Picasso hängen hier auch Werke Miros und Monets. Für Botero ist Kunst Teil einer gesunden Gesellschaft weshalb er sich dazu entschied keinen Eintritt zu verlangen. Direkt neben dem Museum befinden sich 2 ebenfalls kostenlose Kunstmuseen. Für regnerische Tage durchaus zu empfehlen.

Nicht an Regentagen, dafür aber an jedem anderem Tag zu empfehlen ist eine Tour durch Bogotas wachsende Graffiti- und Street Art-Szene.

Bogotas Graffiti & Street Art Tour

Bogotas Graffiti & Street Art Tour wurde uns ebenfalls von Lea und Gabe empfohlen und nachdem das in Medellin mit der Tourempfehlung so wunderbar geklappt hat stand für uns fest, dass wir auch diese Tour nicht verpassen wollen. Graffiti und Street Art sind außerdem Dinge die wir prinzipiell begrüßen, bunt ist immerhin schöner als grau und überhaupt. Wie auch in Medellin ist auch diese Tour auf Spendenbasis ausgelegt und somit für jedes Budget das Richtige. Natürlich sind Spenden am Ende der Tour gern gesehen werden allerdings nicht erwartet, wie auch immer nach 2-3 Stunden müsst ihr euch entscheiden ob bzw. was die Tour euch wert war.

Wenn man durch das Viertel La Candelaria läuft bemerkt man auch ohne Guide ziemlich schnell unglaublich viele Graffitis, Sticker und sonstige „Kunstwerke“. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die gesellschaftliche Akzeptanz in Bogota. Während in Deutschland Graffiti noch immer größtenteils als Sachbeschädigung verstanden wird hat sich Bogota in den letzten Jahren zu einer Art Graffiti-Hauptstadt entwickelt. Es gibt neben frei zugänglichen, video-überwachten und beleuchteten „Versuchswänden“ für junge Künstler auch immer mehr Graffitis die im Auftrag der Regierung entstehen, in der Regel stellt die Stadt bei solchen Aktionen die Farbe und die Wände gibt allerdings keine weiteren Vorgaben. In einer der ältesten Gassen La Candelarias der Calle del Enbudo finden sich an fast jeder Hauswand flächendeckend Graffitis. Ein Grund dafür sei der gegenseitige Respekt der Graffitikünstler, eine schöne Wand wird nicht verunstaltet. Wohingegen eine einfarbig gestrichene Wand dazu einlädt sich zu verewigen und in der Regel alle 3 Monate neu überstrichen werden müsse.

Neben großflächigen Graffitis gibt es natürlich auch jede Menge kleine und zum teil gut versteckte Kunstwerke, ob Sticker, Kachel oder Fresko jedes dieser Kunstwerke hat seine eigene Geschichte und Bedeutung. Während einige Kolumbiens Vergangenheit aufgreifen beschäftigen sich andere mit Missständen der heutigen Gesellschaft, wieder andere zeigen lediglich den Namen des Künstlers.

Jedes dieser Bilder, jede dieser Skulpturen trägt auf seine ganz eigene Art und Weise dazu bei Bogota zu dem zu machen was es heute ist, eine bunte, aufgeschlossene und fröhliche Stadt. Natürlich gibt es hier und da Ecken in denen man aufpassen muss, aber solche Ecken gibt es doch überall, ob in Berlin, New York oder eben in Bogota. Wir für unseren Teil haben uns in den letzten 8 Monaten nicht einmal unwohl bedroht gefühlt, haben jeden Tag genossen und freuen uns auf alles was noch kommt – irgendwann ganz sicher auch nochmals Kolumbien. Jetzt heisst es aber erstmal 3 Wochen Road Trip durch Kalifornien …

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