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What shall we do with the drunken Sailor

Segeltrip in Bocas del Toro

Wenn man unterwegs ist lernt man allerlei Leute kennen nur selten sind sie unsympathisch, meistens sehr nett, offen und hilfsbereit. Ab und zu lernt man allerdings außergewöhnlich, ja fast übertrieben nette Menschen kennen – so geschehen mit Ian. Wir treffen Ian in Panama City, man kommt so ins Gespräch wo man schon war, wo man noch hin will, all das was man in Hostels eben so bespricht. Ian kommt aus Kanada, er ist schon immer viel rum gekommen war sogar schonmal in Bielefeld (ihr solltet wissen, dass die meisten Menschen nichtmal Hannover kennen und wir also ab und an gezwungen sind zu sagen wir leben in der Nähe von Hamburg). Seit 2 Jahren ist er unterwegs, hat oben in Bocas ein Segelboot gekauft und bietet jetzt Touren durch San Blas an. Da wird man natürlich hellhörig stand doch ein Segeltrip für uns auch noch auf dem Programm. Wir überlegen hin und her kommen allerdings zu dem Entschluss, dass ein Segeltrip durch San Blas unverhältnismäßig teuer ist und eigentlich auch nur Sinn machen würde wenn man ihn als Überfahrt nach Kolumbien nutzen wollen würde. Auch wenn das für Nina und mich kein Problem darstellen sollte sah unser Plan doch vor vorher mit den Gästen hoch nach Bocas zu fahren und die nächsten Wochen in Panama zu bleiben.

Wir erzählen Ian von unserem Plan in Bocas oder sogar von Bocas nach San Blas zu segeln. Er schätzt den Segeltrip nach San Blas als relativ unwahrscheinlich ein, ist doch gerade Ende der Hauptreisesaison und die meisten Boote kommen in genau die entgegengesetzte Richtung. Er verspricht allerdings einen Bekannten zu kontaktieren der mit seinem Boot vor Bocas liegt und eventuell einen „Budget-Trip“ mit uns machen würde.

Segeln im Allgemeinen ist relativ teuer, da zahlt man gut und gerne mal 50 $ für einen 6 Stunden dauernden Tages-Trip bzw ab 140 $ für einen vollen Tagestrip inklusive Übernachtung.  Als wir Panama City verlassen ist noch nichts in trockenen Tüchern es klärt sich aber während unseres Aufenthalts im Lost and Found: wir machen einen Segeltrip inklusive 2 Übernachtungen zu einem Super-Spezialpreis. Zu Verdanken haben wir das ganz allein Ian. ¡Gracias!

Auf nach Bocas del Toro

Aus dem Lost and Found geht es mit dem Bus weiter nach Almirante und von dort mit dem Taxi zum „Hafen“. Nach weiteren etwa 30 Minuten mit einem Wassertaxi sind wir auf der Isla Colon, der Hauptinsel Bocas und dem Startpunkt für unseren Segeltrip. Bevor es losgeht haben wir jedoch noch 2 Nächte zu überbrücken. Wir kommen abends an und temperaturtechnisch ist es sehr angenehm, geradezu wie man sich die Karibik vorstellt: warm dabei allerdings nicht schwül. Wir beziehen nach einigem hin und und her unser Hostel, das Hostel Hansi. Ganz ehrlich es ist eher ein Hotel als ein Hostel mit seinen großen sehr schicken Zimmern. Dieses Empfinden kann natürlich auch daran liegen, dass wir die letzten Nächte in einem 24-Personen-Dorm verbracht haben:-)

Auf der Isla Colon zieht es uns an den Strand. Auch wenn uns der Strand für’s erste nicht so recht überzeugen konnte, sind wir nach 10 Minuten doch wieder wohlgestimmt, kehren wir doch gerade in Panamas erste Privatbrauerei ein. Naja nicht wirklich in die Brauerei vielmehr in ein Lokal welche das einzige gezapfte Bier in Bocas verkauft. Gezapftes Bier – man denkt selten darüber nach allerdings bin ich mir ziemlich sicher hier das erste gezapfte Bier auf der ganzen Reise getrunken zu haben.

Ahoi, Brava!

Abends treffen wir ein erstes mal unseren Capitano – Manuel. Manuel kommt eigentlich aus Brasilien, hat dort 14 Jahre als Surflehrer gearbeitet, reiste durch Europa, arbeitet kurzzeitig auf kleineren Yachten und ist seit nunmehr 4 Jahren auf seinem eigenem Boot, der Brava, einem 44 FT Segelboot, zuhause. Sein Geld verdient er mit Segeltouren rund um Bocas also auch mit uns. Auf seinem Boot gibt es nur 3 Regeln: 1. Wenn der Captain was sagt wird es gemacht. 2. Macht nichts kaputt – fragt lieber x-mal. und 3. Er ist der Capitano. Super, ich dachte schon hier wird es jetzt kompliziert.

Wir vereinbaren morgen gegen Mittag los zu segeln und dass er uns am Ende des Trips auf einer anderen Insel absetzt. Da wir für die kommenden 3 Tage für die Verpflegung zuständig sind gilt es noch einzukaufen und dann wären wir auch schon bereit zum Ablegen.

In unserem Fall heißt das zu allererst wird ausgelost, wer in welcher Kajüte übernachtet wobei die Freunde den Hauptgewinn ziehen und wir in einer kleineren Kajüte unterkommen. Alles reinstopfen und los gehts, der Anker wird gelichtet, das Segel wird gesetzt und schon sind wir auf Kurs Richtung Gallego Cays einer Ansammlung kleiner Mangroveninseln, hier ankern wir auch für die erste Nacht. Wir verbringen einige Zeit im Wasser, schnorcheln durch artenreiche intakte Korallenriffe, suchen ein paar Muscheln fürs Abendbrot, entscheiden uns dann aber doch dazu sie wieder ins Meer zu werfen weil sich unser Kontaktmann am Ufer nicht wirklich sicher ist ob man sie überhaupt essen kann. Es gibt also Spaghetti mit Sauce zum Abendbrot. 

Was macht man sonst so auf einem Segelboot? Tja während es für die meisten Menschen wahrscheinlich schon traumhaft klingt und es ihnen auch vollkommen reicht einfach an Deck zu liegen, die Sonne zu genießen und ab und an ins Meer zu springen fragte ich mich tatsächlich relativ häufig: „Und jetzt?“ Ich kann nicht einfach so rumliegen, für mich bedeutet das immer, dass ich irgendwo irgendwas verpassen könnte. Und so lasse ich mich während wir Segeln im Wasser hinter dem Boot herziehen, selbst wenn gerade gar keine Riffe unter uns sind. Glücklicherweise könnte man 10 Stunden am Stück im Wasser bleiben – bei nahezu 30 Grad Wassertemperatur ist das nun wirklich kein Problem. Auf einem Segeltrip gibt es tatsächlich nicht wirklich viel zu tun man hat also viel Zeit sich mit allem möglichen zu beschäftigen im schlimmsten Fall sogar mit sich selbst :-) Mit Rum und Cola klappt das aber super.

Abends sitzen wir mit dem Captain über Deck, sprechen über alles mögliche, darüber wie er zu seinem Boot kam, weshalb er seine Frau gegen ein Boot tauschte und was er unter Arbeit versteht. Seine einfach Antwort: „Ich habe noch nie gearbeitet, nur gelebt und gemacht was Spass macht.“

Zwischenzeitig fantasiert man auch über ein eigenes Boot auch wenn man eigentlich weiss, dass so viel Ruhe gar nichts für einen ist. Wie gesagt man denkt viel nach. Nach einer stickigen Nacht unter Deck (es regnete und so werden alle Schotten dicht gemacht) geht es morgens nach dem Frühstück in Richtung Bastimentos, einer weiteren relativ großen Insel mit riesigem Nationalpark. Wir legen an der Red Frog Marina an und wandern von dort zum Red Frog Beach, einem Surferhotspot mit wirklich guten Wellen, selbst ohne Board haben wir hier spass. Wir verbringen einen Tag am Strand mit super Wellen und Slack-Lining – verrückt dabei wird man schon nach ein paar Anläufen besser.

Zurück an Board der Brava gehe ich nochmals auf Hummerjagt – erfolglos. Simone hat auch keinen wirklichen Erfolg beim Angeln und so gibt es zum Abendessen Bratkartoffeln mit Spiegelei und Bacon. Kleiner Tip: falls ihr mal Segeln geht nehmt nichts zu essen mit was auf irgendeine Art frittiert wird. Immerhin können wir uns mit Unwissenheit rausreden und Manuel beteuert, dass es gar nicht soo schlimm ist. Wir aber werden jetzt wohl jedes mal wenn wir irgendwo Frühstücks-Bacon bzw Bratkartoffeln mit Speck sehen zurückdenken daran wie wir einmal ein komplettes Boot frittiert haben. Nach ca einer Stunde Putzen gibt es abends noch ein bisschen Rum ehe die zweite Nacht unter Deck ansteht.

Für mich steht nach dieser Nacht fest, dass Segeln zwar wirklich spannend ist und ich hätte auch noch immer Lust einmal eine weite Segelreise (so 3-4 Wochen würden reichen) zu machen, allerdings nach Möglichkeit nicht in so warmen und schwülen Gefilden.

Unser letzter Morgen startet verregnet und ohne Wind, wir sind also gezwungen unter Hilfe des Motors bis in unseren Ausgangshafen zurückzukehren, von dort verlassen wir das Boot, bleiben eine letzte Nacht auf Isla Carenero und nehmen anschließend den Nachtbus Richtung Panama City. Isla Carenero ist leider gar nicht so paradiesisch, wie man sich die Karibik immer vorstellt. Sie ist einer der am meisten mit Müll verschmutzten Plätze der ganzen Reise. Leider scheint sich hier niemand außer Hotelbesitzer (und die auch nur für ihren Vorgarten) wirklich für Müll zu interessieren und so sehen wir wie sich unter eigentlich allen Pfahlbauten der Müll stapelt, das geht von Flaschen, Verpackungsmaterial bis hin zu verrottenden Booten. Wobei „stapeln“ ein falsches Bild vermitteln würde, hat stapeln ja auch eine gewisse Ordnung. Hier liegt einfach überall kreuz und quer jegliche Art von Müll. Wir sind froh als wir Carenero morgens verlassen.

Im allgemeinen hätten wir uns abschließend unter Bocas ein paar schönere Strände vorgestellt, findet man doch wenn man nach Bocas googelt überwiegend diese typischen Strand-Karibikbilder. Wahrscheinlich ein klassischer Fall vom Standpunkt. Wir machen uns auf Richtung San Blas und lasst euch gesagt sein, dort gibt es sie die typischen Strand-Karibikbilder – versprochen;)

Kommentare
6 kommentare zu “Segeltrip in Bocas del Toro”
  1. Patrick sagt:

    Chewbaccaaaaa!!!!!!!! Er lebt!!

  2. Andre sagt:

    Sehr geil =)

  3. TheBuzz T.an sagt:

    die faultiere sind aber süüüüüüß

  4. Olaf sagt:

    Ja, mega geil!!!!

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