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3 Tage Antigua und Vulkan Pacaya

Antigua und frische Lava

Aus San Pedro waren wir ca 5 Stunden unterwegs bis wir Antigua erreichten. Die Strecke ist zu Beginn (aus San Pedro kommend) wirklich schön, es geht an der Seite des Atitlan Sees Serpentine für Serpentine nach oben, bis es schließlich auf der anderen Seite des Berges wieder relativ schnell runter geht. wahrscheinlich ist es einfach nicht so optimal einen Tunnel zu bauen wenn nebenan Vulkane stehen … So ist die Strecke aber auch wirklich interessanter.

In Antigua heisst es für uns erstmal Hostelsuche! Natürlich hatten wir uns vorher schlau gemacht, wo wir ungefähr bleiben wollen, hatten aber nichts im Voraus gebucht oder reserviert. Eins ist voll, ein anderes hat nur noch Platz in einem Dorm ohne Fenster – da suche wir doch lieber noch ein bisschen. Plötzlich steht Chris neben uns (einer der 3 verrückten Deutschen aus Semuc Champey) und sagt wir sollen doch einfach in ihr Stammhostel einziehen. Da uns auch dieses Zimmer nicht wirklich zusagt, verschlägt es uns schlussendlich in ein noch recht neues Hostel namens Capitan Tom. Geführt wird es von einer wirklich netten und extrem bemühten Russin und ihrem dauer-betrunkenem, faulen Ex-Mann. Macht aber nichts wir sind hier ja eh nur zum Schlafen.

Rundgang durch Antigua

Unseren ersten Tag verbringen wir damit die Stadt und ihre Ruinen bzw Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden, das ist sehr gut machbar denn so groß ist Antigua nun auch nicht. Wir starten am Cerro de la Cruz einem etwas höher gelegenem Aussichtspunkt von welchem man über die ganze Stadt bis hin zum Volcán de Agua sehen kann. Verrückt, der Vulkan heisst wirklich Wasservulkan. Wikipedia erklärt auch warum und zwar hat es wohl 1541 so viel geregnet, dass sich der Vulkankegel mit Wasser füllte und schließlich am 11. September auseinander brach. 11 September, der Tag scheint mir irgendwie ein schlechtes Karma zu haben.

Zurück geht es durch die zahlreichen schönen Gassen, vorbei an viele wirklich schönen Gebäuden und einmal über den Handwerksmarkt. Mit ein bisschen Geschick und Ausdauer kann man hier ganz gute Preise für alles möglich erzielen, wir kaufen heute jedoch nichts immerhin sind wir noch eine Weile unterwegs. Auf dem Heimweg buchen wir noch schnell eine Vulkantour für den nächsten Tag und kochen uns Abends frischen grünen Spargel mit Nudeln – Im März!

Der (noch fast aktive) Vulkan Pacaya

Vulkan, Vulkan wir fahren zum Vulkan. Nicht zu irgendeinen nein wir besteigen heute den Pacaya, einen der aktivsten Vulkane der Welt. Die letzte größere Eruption ist erst eine Woche her und führte in der deutschen Presse zu Schlagzeilen wie: „Guatemala: Gefährlicher Ausbruch: Vulkan Pacaya spuckt wieder“ In Guatemala sieht man die ganze Sache allerdings sehr entspannt, zwar ist es seit 2010 nicht mehr möglich bis ganz nach oben zum Krater zu laufen, weitere Vorsichtsmaßnahmen hält hier aber niemand für angebracht. Unsere Tour beginnt um 6 Uhr in der Früh, wir werden am Hostel abgeholt und fahren ca 1,5 Stunden bis zum Eingang des Naturschutzgebietes Pacaya dort zahlen wir die 50 Quetzales (5 €) Eintritt, könnten uns ein Pferd für den Aufstieg mieten und Wanderstöcke kaufen, lehnen allerdings alles dankend ab. Gegen 7:40 Uhr machen wir uns dann zusammen mit einer bunt-gemischten Gruppe und unserem Guide auf den Weg nach oben. Der Weg besteht größtenteils aus Steinen, Erde, Wurzeln und Pferdeäpfeln und führt zeitweise recht steil nach oben. Unser Stolz verbietet uns allerdings auf ein Pferd zurückzugreifen, haben sich dazu schließlich 2 korpulente Holländer durchgerungen, mit denen will man nun wirklich nicht gleichgestellt sein :-) Nein quatsch, der Aufstieg ist wirklich machbar, natürlich ist es zeitweise anstrengend, aber mit einer kleinen Pause zwischendurch geht das alles. Als wir am vermeintlichen Ende der Tour ankommen und alle ihre Fotoapparate rausholen um die letzte Woche ausgespuckte Lava zu fotografieren werde ich ein bisschen nölig. Das soll jetzt alles sein? Ich laufe eine Stunde oder länger nach oben um einen entfernten Blick auf die Lava werfen zu können? Verdammte Gruppen, jetzt müssen wir gleich mit denen wieder runter ohne dass ich mir die Finger verbrannt habe oder sonst was? Wirklich, da habe ich schlechte Laune bekommen. Glücklicherweise zu früh denn nach 15 Minuten Dauerfotografieren und Ausruhen ging es doch noch weiter.

Wir machten uns auf den Weg runter zum erst letzte Woche entstandenen und zum Teil wirklich noch heißen Lavafluss (sagt man das auch wenn es schon zum Stillstand gekommen ist?). Es wird sogar noch besser, wir überqueren ihn sogar und grillen Marshmallows über einer rot-glühenden höhle. Das war wirklich beeindruckend, es ist wirklich heiß (so heiß dass ich nichtmal ein anständiges Foto der Marshmallow-Brutzelei machen konnte), riecht nach Schwefel, dazu zerbricht frische Lava mit einem ganz interessanten knirschen unter den Füßen. Der Ausblick auf die zum Teil noch stark qualmende Lava und den Vulkan im Hintergrund ist wirklich todschick, wenn man sich vorstellt, wie dieser gewaltige Fluss letzte Woche erst entstanden ist und wie es wohl ausgesehen haben muss bevor bzw während er sich langsam den Hang hinunterwalzt ist es schon wirklich respekteinflößend. Ich hätte Stunden damit verbringen können über dieses Feld zu laufen oder einfach Stöckchen in die glühende Lava zu stecken und ihnen beim Verbrennen zuzusehen, sowas finde ich ja höchsinteressant. Wenn wir ohne Gruppe gewesen wären hätte ich mir auch super gern noch angesehen wie nah man denn jetzt noch an den Krater kommt und wie heiß es dort wohl ist. Leider hieß es aber nach etwa einer Stunde: „Vamos!“ und runter geht’s. Der Abstieg geht wesentlich schneller, ist er doch bei Weitem nicht so anstrengend wie der Aufstieg.

Letzter Halt ist ein Avocadobaum mit Selbstbedienung – so einen will ich auch. Wir ernten also 2 Avocados und lassen diese die nächsten 5 Tage in unseren Rucksäcken reifen. Interessanterweise überqueren wir in diesen 5 Tagen 4 Ländergrenzen und kommen erst in Costa Rica dazu sie zu zubereiten – ich glaube das ist nicht so schlimm, werden ihre europäischen Kollegen ein paar mehr Kilometer zurücklegen bevor sie verspeist werden.

Zurück in Antigua buchen wir noch schnell einen Bus bis nach Nicaragua und freuen uns auf eine kurze Nacht ehe es heisst: „Nächster Halt ist Managua, geschätzte Reisedauer 18 Stunden“

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