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Wandern für Anfänger

Abel Tasman Nationalpark

Der Abel Tasman Nationalpark liegt am nördlichsten Zipfel der Südinsel und ist ganz anders als alles was wir bisher hier in Neuseeland gesehen haben. Türkisfarbenes Wasser kannten wir zwar schon von den zahlreichen Seen, hier erinnert uns das türkisblaue Wasser und die vielen kleinen Buchten mit Sandstrand eher an die Südsee als an Neuseeland. Der Abel Tasman Nationalpark ist mit 225 km² der kleinste, zugleich aber auch am besten besuchte Nationalpark Neuseelands. Neben seinen Strandbuchten ist er vor allem für seinen Coast Track berühmt, einem von Neuseelands Department of Conservation (DoC) als besonders sehenswert eingestuften Great Walk. Über 54 Kilometer erstreckt sich der Weg von Marahau bis nach Wainui Bay und wurde uns von anderen Reisenden als das Highlight überhaupt empfohlen.

„Den laufen wir auch!“, entscheiden wir irgendwann noch ganz im Süden. Immer entlang am Meer, über Strand, durch Wald und nie so wirklich steil – das klingt machbar. Allerdings sieht der Wetterbericht alles andere als gut aus für die nächste Woche: Montag und Dienstag Sonnenschein und anschließend Regen pur. Wir legten also einen Zahn zu und fuhren von der Westküste in einem Rutsch bis nach Marahau, dem Startpunkt des Walks. Bevor es los ging mussten wir allerdings ein wenig organisieren. Da es sich beim Abel Tasman wie bereits erwähnt um einen Nationalpark handelt und weil in Neuseeland Umweltschutz groß geschrieben wird gibt es im Park nur begrenzte Schlafmöglichkeiten. Man hat die Wahl zwischen einer sehr begrenzten Anzahl von Betten zu je 36$/Nacht oder einem Zeltplatz á 10$. Da wir Anfang Dezember zu beginn des Neuseeländischen Sommers unterwegs waren konnten wir die Übernachtung in den Hütten pauschal vergessen. Wer hier nicht mindestens 2 Wochen im Voraus bucht muss wirklich Glück haben. Ein Zelt hatten wir aber auch nicht mehr und den Camper dürfen wir auch nicht mitnehmen es musste also doch irgendwo ein Zelt her. In der iSite von Motueka wurde uns nicht nur geholfen ein Zelt zu finden, dort haben wir auch zusammen mit insgesamt 3 Mitarbeitern den gesamten Trip inklusive Rückfahrt mit dem Wassertaxi geplant und gebucht.

Abel Tasman was muss man bedenken?

Für eine mehrtägige Wanderung gibt es natürlich einiges zu bedenken, im Abel Tasman müssen zusätzlich einige Besonderheiten eingeplant werden.
• Egal ob Zelt oder Bett, Übernachtungen müssen im Voraus gebucht werden, es macht also Sinn sich vorher genau zu überlegen wieviele Kilometer man am Tag laufen möchte und kann.
• Einige Passagen des Abel Tasman Coast Tracks sind nur während Ebbe oder mit einem großen Umweg passierbar.
• Alles was man in den Park trägt muss man auch wieder mit raus nehmen, es gibt keine Mülleimer.
• Trinkwasser gibt es an den von DoC aufgestellten Hütten, dennoch sollte man, für den Fall, dass dieses System ausfällt Entkeimungstabletten oder etwas vergleichbares dabei haben.

Einkaufen, Einpacken schlafen und losgehen.

Ganz ehrlich, wir sind schon lange unterwegs, waren auch schon einige male Wandern, eine mehrtägige Wanderung war aber auch für uns etwas neues und so haben wir 2 riesige Anfängerfehler gemacht und uns echt blöd angestellt. Für 2 Nächte und 3 Tage braucht man natürlich Verpflegung, im Idealfall leicht und nahrhaft immerhin muss man das ganze Zeug auch tragen. Wir entscheiden uns aufgrund des angeblichen Feuerverbotes und weil es Gepäck spart für 3 Tage kaltes Essen. Es gibt viel Obst und Gemüse, Müsliriegel, Milchreis aus der Dose und die wohl trockensten Frühstücksriegel der Welt mit Marmelade. 3 Tage kaltes Essen? Mhh ja geht so, war aber noch ok.
Was muss mit was nicht? Es braucht nicht viel um darauf zu kommen, dass es abends auch mal kalt werden kann, einen Pulli und eine lange Hose sollte man schon dabei haben. Ach Quatsch, tagsüber scheint die Sonne und abends liege ich im Schlafsack im Zelt, was soll ich da Klamotten mitnehmen die ich wahrscheinlich nie anziehe? FEHLER NR 1 Natürlich wurde es kalt, sehr kalt sogar.
Die schwere Luftmatratze und den Blasebalg wahrscheinlich auch noch? Ach komm, es geht am Strand lang, da legen wir uns in den Schlafsack und gut ist. FEHLER NR 2 Hätten wir beim Zeltverleiher gefragt ob wir noch 2 Isomatten leihen könnten wären die Nächte wahrscheinlich nicht nur angenehmer, sondern auch länger gewesen.

Ohne Witz, ich kann mir selber nicht mehr erklären wie wir ich so blauäugig sein konnten. Schlussendlich hat aber doch alles geklappt und nächstes mal sind wir schlauer :)

Abel Tasman Coast Track Tag 1

Den Bulli konnten wir in einem separaten Bereich auf Old Macdonalds Farm, dem Campingplatz unseres Vertrauens stehen lassen. Nina mit einem kleinen und ich mit einem großen Rucksack bepackt geht es los. Die Sonne scheint, das Meer ist blau und die einsamen Buchten nicht weit. Da der Abel Tasman Coast Track weitestgehend an der Küste verläuft muss man sich keine allzu großen Sorgen um Steigung und Gefälle machen. Auf Empfehlung der iSite Mitarbeiter haben wir sogar unsere Wanderschuhe im Bulli gelassen und laufen stattdessen in Straßenschuhen. Der Weg ist die ersten Kilometer so gut ausgebaut, dass man ihn auch ohne Probleme mit dem Rad hätte fahren können – schön breit und befestigt, kein wirklicher bzw ein sehr einfacher Wanderweg.

Unser erstes Tagesziel, die Te Pukatea Bay, liegt etwa 13 km entfernt vom Parkeingang. Te Pukatea wurde uns als ruhige, sehr schöne und weniger überlaufende Alternative zu Anchorage (der ersten Hütte) vorgestellt. Ruhig und schön, genau das was wir wollten. Weniger überlaufen ist zur Hauptreisezeit ja auch immer ganz nett, immerhin gibt es im Abel Tasman auch Campingplätze mit über 100 Zeltplätzen (die zeitweise auch voll belegt sein sollen), da hatten wir nun wirklich keine Lust drauf. Überlaufen war Anchorage nachmittags glücklicherweise noch nicht, so konnten wir in aller Ruhe unser Wasserflaschen auffüllen und die letzte halbe Stunde in Angriff nehmen. Te Pukatea ist wohl so ziemlich das was man sich unter Bucht mit Traumstrand vorstellt. Eine sichelförmige Bucht umgeben von hohen Felsen. Außer uns stehen hier für diese Nacht nur 4 Zelte, man kann also gut und gerne behaupten wir hatten die Bucht fast für uns alleine. So lässt es sich doch aushalten, naja fast zumindest, leider verschwindet die Sonne an der Te Pukatea Bay recht früh und erinnert mich so an FEHLER NR 1. Keine Sonne und aufkommender Wind lassen uns recht früh Schutz im Zelt suchen. Kaum im Zelt fällt uns auf, dass auch der Sandboden nicht so weich ist wie unsere Erinnerung uns das gerne vorgaukelt. FEHLER NR 2 macht sich immer mal wieder bemerkbar, lässt sich die erste Nacht allerdings noch ganz gut verkraften. Der eigentliche Grund für die kurze Nacht ist unser Wanderplan. Auf unserem Plan stehen 22 Kilometer bis nach Awaroa, von denen der erste Kilometer nur bei Ebbe zu bewerkstelligen ist.

Tag 2: 22 Kilometer und eine Dusche

Tag 2 beginnt also schon um 5:30 Uhr, noch bevor die Sonne zu sehen ist verlassen wir Te Pukatea (eigentlich ist der Sonnenaufgang hier das Highlight) und machen uns auf den Weg nach Awaroa. Auf unserem Weg durch Anchorage waren wir froh, die halbe Stunde bis nach Te Pukatea gelaufen zu sein. In Anchorage stand Zelt an Zelt, ich weiss gar nicht wo die noch alle her gekommen sein konnten. Gut, dass wir hier nur schnell vorbei gehen und unseren Weg am Strand fortsetzen. Mit der aufgehenden Sonne im Nacken läuft es sich super, auch an den großen Rucksack hat man sich inzwischen gewöhnt, da stört es nicht einmal, das wir noch vor dem Frühstück durch kaltes Wasser und scharfe Muscheln spazieren müssen.

Frühstück gibt’s am weißen Sandstrand der Torrent Bay, hier wohnen überraschenderweise Menschen in richtigen Häusern, fast dorfähnlich (ich hielt das in einem Nationalpark bisher für ausgeschlossen). Nach einem letzten Blick Richtung Meer und auf die zurückgelegte Strecke geht es weiter Richtung Bark Bay. Der Weg bleibt gut ausgebaut, überrascht heute aber häufiger mit fiesen Steigungen, zudem scheint die Sonne als wolle sie uns sagen: „Im Schatten verbrennt ihr zwar nicht, schön warm-schwül mach ich es aber trotzdem“. So schwitzen wir vor uns hin, laufen bergauf, bergab und fragen uns was genau an dieser Strecke so toll sein soll. Der Wald ist nicht wirklich spektakulär und so langsam könnte mal wieder was neues kommen. Einige Kilometer durch den immer gleichen Wald und mit nur seltenem Meerblick erreichen wir Onetahuti Beach, einen etwa 2 km langen Sandstrand mit ruhigem, türkisen Wasser. Ja ok, der Weg hat sich ja doch gelohnt und nach einer Mittagspause mit ordentlichem Vanille-Milchreis aus der Dose sieht die Welt auch schon wieder ganz anders aus. Von Onetahuti bis Awaroa sind es auch nur noch ca. 5 km, ein Kinderspiel also.

Leider führt der Weg nach der kurzen Abwechslung am Strand wieder in den immer selben Wald, es geht ein bisschen auf und ab, es gibt ein paar kleine Brücken zu überqueren und plötzlich steht man vor dem Meer. Ein Schild weist darauf hin, das es ab hier nur bei Ebbe weiter geht und, dass man auf gar keinen Fall über das angrenzende Privatgrundstück ausweichen soll. Na super, da stehen wir jetzt also keine 30 Minuten vor Awaroa unserem Ziel für heute und können nichts machen außer warten bis das Wasser wieder weg ist und uns ein bisschen Strand zur Verfügung stellt. Ach, es war ja eh wieder mal Zeit für einen Müsliriegel. Eine knappe Stunde später geht es aber auch schon weiter, bis Awaroa geht es wieder am Strand entlang.

Das Awaroa Inlet ist der einzige Teilabschnitt des Weges, den man nur während der Ebbe überschreiten kann (normalerweise gibt es längere Ausweichrouten), an der Awaroa Hut sitzen schon einige Wanderer und warten auf die Ebbe. Bis die Passage passierbar ist dauert es aber wohl noch 2 Stunden, blöd wenn man schon 4 Stunden wartet. Wir wollen zum Glück erst Morgen früh rüber und bauen unser Zelt auf. Es gibt nur eine vergleichsweise harte Wiese als Zeltplatz, dafür steht vor der Awaroa hut aber eine Dusche und die haben wir uns verdient … und ja auch ein bisschen nötig. Die kommende Nacht ist fast wie die vorangegangene, nur in unbequem, da ist es gut, dass wir eh um 6 Uhr weiterziehen.

Tag 3: Und dann kam der Regen

Als um halb 6 der Wecker klingelte war die Nacht für uns schon lange vorbei, in der Nacht einsetzender Regen hatte sich seinen Weg durch das Zelt bis in meinen Schlafsack gebahnt. Unbequem und nass, was für eine Sch*. wisst ihr eigentlich wie saugfähig so ein Schlafsack ist und wie schwer der werden kann. Ja blöd gelaufen aber hey, war ja die letzte Nacht, das macht jetzt auch nichts mehr. Bepackt mit nassem Schlafsack und noch viel nasserem Zelt machen wir uns etwas verspätet auf den Weg, das etwa 1 km breite Inlet zu überqueren. Bis in die Mitte klappt alles wie geplant, weiter geht es aber nur ohne Schuhe und mit kurzer Hose. Hach ich Fuchs, gut dass ich mir keine lange angezogen hatte. Der Regen lässt mal nach, legt dann aber wieder los und so sind wir irgendwann gut durchnässt. Der Weg gewinnt auf diesem Abschnitt deutliche Sympathiepunkte, nicht mehr so ausgebaut, nicht mehr so breit. Schade, dass es regnet, trocken hätte diese Passage bestimmt mehr Spass gemacht. Wir erreichten Totoranui, den Ort von dem uns das Wassertaxi um 14 Uhr abholen sollte um kurz nach 9 – völlig durchnässt, etwas unterkühlt, aber glücklich. Glücklicherweise konnten wir das Wassertaxi noch umbuchen und wurden letztendlich schon um 11 Uhr abgeholt. Während wir auf dem Boot im trockenen saßen, entschied sich der Regen dazu mal so richtig loszulegen, da freut man sich doch gleich doppelt bis 5-fach auf eine heiße Dusche.

Mit den Gedanken bei den Menschen, die wir gestern in Awaroa kennenlernten und die sich für diesen Regentag die 22 km Strecke vorgenommen hatten machen wir es uns mit heißem Tee im Bulli gemütlich. Ach, der Abel Tasman, ist er nicht wunderschön – also wenn das Wetter passt und man die richtige Ausrüstung dabei hat.

Würden wir ihn nochmals laufen?  Wenn das Wetter mitspielt und wir in Awaroa anfangen könnten sofort. Aber fragt uns in 3 Jahren nochmal, dann würden wir bestimmt sagen: „Klar! Nee, lange Klamotten brauchst du da nicht, ist doch Sommer…“

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