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Ausflug in Perus verwaschene Vergangenheit

Die Ruinen rund um Trujillo

Trujillo liegt von Lima aus etwa auf halber Strecke auf unserem Weg nach Ecuador und eignet sich deshalb prima für einen Zwischenstopp. Neben einer Altstadt die sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert haben soll und der Nähe zum Pazifik lohnen sich hier vor allem die Ausflüge zu den Ausgrabungsstätten von Chan Chan, der wohl einst größten Stadt aus Lehmziegeln.

Überrumpelt in eine Tour gestolpert …

Wir sind auf der Suche nach einer Wäscherei als uns eine junge Frau von der gegenüberliegenden Straßenseite „anbrüllt“ „Tour, Brujo, Tour English…“ sie wiederholt dieses Angebot unaufgefordert etwa 8 mal während wir ihr versuchen zu verstehen zu geben, dass wir eigentlich nur eine Wäscherei suchen und zumindest heute gar kein Interesse an einer Tour haben, schon gar nicht auf eine Ganztagstour. Irgendwie und mir ist bis heute unklar wie sie das geschafft hat, stehen wir keine 2 Minuten später in ihrem Büro und buchen eine Halbtagstour zur Ausgrabungsstätte „El Brujo“ für weniger als die Hälfte des eigentlich angeschlagenen Preises.

Auf nach El Brujo

Brujo, über diesen Ort wissen wir rein gar nichts, außer dass die Brujo-Tour zu einer der 2 empfohlenen Touren Trujillos gehört. Unsere Wäsche können wir auch später noch wegbringen versichert sie uns, die Tour geht allerdings in 5 Minuten los und deshalb sollten wir uns doch schonmal in ein Auto setzen. Manchmal muss man sich ja auch einfach fügen und so sitzen wir in einem viel zu gut klimatisiertem Kleinwagen mit einem Fahrer der nicht spricht als es auch schon los geht. Auf unserer ca 1-stündigen Fahrt steigt bloß eine weitere Touristin zu – jetzt wissen wir auch warum die Tour so billig war, stattgefunden hätte sie nämlich eh ob nun mit oder ohne uns.

Auf der Fahrt die uns größtenteils durch Zuckerrohr-Plantagen führt hole ich ein wenig der viel zu kurzen Nacht nach ehe wir mitten im Nirgendwo vor einem gigantischem Beton-Bauwerk stehen bleiben. „Museo“ lässt der bisher stumme Fahrer verlauten. Ohne genau zu wissen was wir uns hier eigentlich anschauen steigen wir aus als auch schon ein weiterer Peruaner auf uns zu kommt, er begrüßt unser Mitfahrerin und uns freundlich und auf perfektem Englisch. Die Pyramide würden wir uns später ansehen, zu erst wolle er uns allerdings das Museum zeigen.

Pyramide? Ich weiss noch wie ich mir sicher war mich verhört zu haben… Trujillo ist heute allerdings tatsächlich Ausgangsort für Besuche bei den Pyramiden „Huaca de la Luna & Huaca de la Sol“ den Sonnen und Mond-Tempeln und zum archäologischen El Brujo Komplex.

Moche – Vorfahren der Inka

Gut, es gibt also Pyramiden in Peru – besser gesagt es gab Pyramiden in Peru. Eduardo erklärt uns, dass es sich bei diesen Pyramiden um Überreste der Moche-Kultur handelt. Die Moche, so vermutet man heute sollen das erste Volk überhaupt auf peruanischem Boden gewesen sein. Die Überreste der Pyramiden sollen aus dem 1-6. Jhd. stammen und sind somit noch viel älter als die Überreste der Inka.

Im Museo Cao werden zahlreiche bei Ausgrabungen gefundene Relikte ausgestellt, unter anderem beeindruckend detailliert verzierte Tongefäße und Goldschmuck. Am beeindruckensten ist allerdings die am ganzen Körper tätowierte Señora de Cao. Diese Mumie, die auch Namensgeber des Museums ist, wurde 2006 bei Ausgrabungen entdeckt. Heute sind sich die beteiligten Archäologen sicher, dass sie damals die wohl älteste bisher bekannte Herrscherin Perus entdeckt haben. Leider durften wir hier nicht Fotografieren.

Die Pyramide von El Bujo

Hinter dem Museum führt ein ca 300 m langer Weg zu einem Erdhaufen. Wenn auf diesem Hügel keine kleinen Hütten stehen würden, kein eingezäunter Weg zu ihm führen würde und wenn auch kein riesiges Sonnen-Regen-Segel gespannt worden wäre würde man wohl kaum vermuten, dass hier eine der ältesten Pyramiden auf südamerikanischem Boden steht. Sandstürme und Regen haben die einst prächtige Pyramide in einen unförmigen, nichts sagenden Hügel verformt. Unter dem Segel allerdings zeigt sich welche Ausmaße die Brujo Pyramide einmal gehabt haben muss. Eine der aus Lehmziegeln errichteten Ebenen zeigt eine am Hals durch ein Tau verbundene Menschenkette, die Forscher gehen davon aus, dass hier Sklaven dargestellt wurden und dass auch die anderen Ebenen früher bunt verziert gewesen sein dürften. Eine „Etage“ weiter oben findet sich der ehemalige „Innenhof“ und die Grabkammer der „Señora de Cao“. Hier oben sind die Wände besser erhalten und man erkennt, nicht nur die recht „grafisch“ dargestellten Fische und Quallen sondern auch die verschiedenen Bilder der damaligen Gottheiten.

Eduardo lässt uns wissen, dass die Pyramiden erst seit wenigen Jahren erforscht werden und man davon ausgeht, dass sich im Inneren noch weitere Mumien und Aufschlüsse über die damalige Kultur befinden, allerdings hätten die „Eigentümer“ des Brujo-Komplexes zur Zeit keine wirkliche Lust auf neue Ausgrabungen. Man sei mit den Auswertungen der letzten Ausgrabung ja noch immer beschäftigt …

Mit dem nicht sprechendem Fahrer geht es zurück zu unserer Wäsche, wir verbringen den Rest des Tages damit eine Wäscherei zu suchen, geben allerdings irgendwann schlecht gelaunt auf. Für den nächsten Tag haben wir uns den beworbenen Tagesausflug vorgenommen. Auf dem Tagesplan stehen die Ausgrabungsstätten Huacas del Sol, Huacas de la Luna und die größte jemals aus Lehmziegeln errichtete Stadt Chan Chan außerdem besuchen wir den kleinen Fischerort Huanchaco.

Huacas de la Luna

Die ebenfalls aus der Moche-Zeit stammenden Pyramiden „Huacas del Sol“ und „Huacas de la Luna“ stehen ca 10 km außerhalb Trujillos und liegen keine 500 Meter auseinander. Auch sie sind durch Wind und Wetter von außen kaum noch als Pyramide zu erkennen, dennoch zählen sie zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Norden Perus.

Nach einem Besuch im Museo Huacas de Moche, in dem es im Grunde genommen die selben Gegenstände zu sehen gibt wie gestern im „Museo de Cao“ machten wir uns mit Guide und Gruppe auf den Weg Huacas de la Luna zu besichtigen. Auf dem Weg nach oben läuft uns ein Viringo über den Weg. Viringos sind Hunde ohne Fell, glaubt man unserem Guide wurden sie früher aufgrund ihrer hohen Körpertemperatur als „wärmedecke“ für Menschen mit Athritis verwendet – richtige Nutztiere also.

Im Inneren wird uns erklärt, dass es für Archäologen nahezu unmöglich ist, die ältesten Hinterlassenschaften und Pyramiden der Moche-Kultur zu erforschen, der Grund dafür ist ihre Bauweise. Die Pyramiden wurden durch jeden neuen Herrscher größer, einfach erklärt wurde mit jedem neuen Herrscher eine neue Ebene auf die alte Pyramide gesetzt. Die Älteste und somit kleinste Pyramide liegt heute angeblich unter mindestens 7 neueren Pyramiden. Würde man die älteren Pyramiden erforschen wollen müssten die neueren – wie eine Glocke über die älteren gebauten – abgetragen werden. Man sieht heute die größte, jedoch nicht die älteste Pyramide der Moche. Durch diese Bauweise bestand die Huaca del Sol aus 140 Mio. Lehmziegeln – „bestand“, weil bis heute gut ein Drittel der ehemaligen Pyramide durch Regen weggespült wurde.

Die Bemalungen auf den Außenwänden erinnern uns ebenfalls an die von gestern, mit dem Unterschied, dass sie hier teilweise restauriert wurden und deshalb besser zu erkennen sind. Unter einem großem Dach wurde ein Teil der drittältesten Pyramide freigelegt (um die Bauweise zu verdeutlichen) es fällt auf, dass die Moche wenigstens über diese 3 Herrscher-Generationen den selben Gott verehrten. Außerdem wurden etliche Steine mit unterschiedlichen Mustern gefunden. Die unterschiedlichen Muster dienten zur Identifikation des Steinelieferanten. Die Pyramiden sind super interessant und ich für meinen Teil kann jeden Grabräuber nachvollziehen, würde ich doch am liebsten selbst einen Tunnel graben um nachzusehen was im Inneren verborgen ist. Inzwischen steht Grabraub allerdings auch in Peru unter Strafe und sollte man erwischt werden drohen bis zu 5 Jahre Gefängnis. So viel Zeit habe ich nicht.

Nach einem Kurzen Mittags-Stopp in Trujillo, bei dem wir alle zu einem „Restaurant Turistico“ geführt wurden in dem schlussendlich niemand gegessen hat – schließlich gab es keine 50 m weiter das Mittagsmenü für ein drittel des Touristenpreises geht es weiter zu den Ruinen von Chan Chan.

Chan Chan – die Stadt aus Lehm

Chan Chan war wie bereits erwähnt die größte jemals errichtete Stadt aus Lehmziegeln, auf über 20 km^2 lebten hier um 1300 bis zu 60.000 Chimú. Wir starten unsere Tour an einer historischen Opferstätte, diese stand damals im Zentrum Chan Chans, heute steht sie umgeben von Wohnhäusern „mitten“ in Trujillo. Die Bewohner Trujillos haben Ihre Wohnhäuser mit der Zeit einfach über die verwaschene Lehmziegel-Stadt gebaut.

Als wir uns auf den Weg Richtung Meer und damit an die „Stadtgrenze“ Chan Chans machen verstehen wir auch weshalb. Die Fahrt dauert gute 10 Minuten und führt durch eine Hügellandschaft, die selbst wenn man weiss, dass es sich hier um alte Gebäude handelt bloß aussieht wie eine Aneinanderreihung schmutziger Sandhaufen. Besser erhalten bzw. restauriert ist der so genannte „Tschudi Complex“ diese ehemalige Wohnort der obersten Chimú, lässt auch heute bloß erahnen wie pompös, groß und schön die bis zu 4 m dicken Mauern früher verziert waren. Es gab einen öffentlichen Platz für Empfänge und Feierlichkeiten jeglicher Art, einen Süßwasserpool und zahlreiche kleinere Räume.

Seit 1986 ist der Tschudi Complex von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft und wird seitdem mit einem speziellen Plastiküberzug vor weiterer Zerstörung geschützt. Viele der Mauern mit maritimen Mustern wurden bereits restauriert, für einen großen Teil kommt dieser Schutz allerdings einige Jahrhunderte zu spät und so wird ein Besuch Chan Chans und auch der Pyramiden wohl bis auf weiteres bloß für einen verwaschenen Einblick in die Prä-Inkazeit Perus sorgen können.

Der Fischerort Huanchaco

Zum Sonnenuntergang fahren wir nach Huanchaco, einem kleinen Fischerort keine 40 Minuten von Trujillo. Hier kann man nicht bloß wunderbar Pelikane beim Sonnenbad beobachten auch einige Fischer in ihren wackeligen Schilffbooten hoffen in der Dämmerung auf einen guten Fang. Schön war es und ein wenig traurig sind wir schon nicht noch eine Nacht hier verbringen zu können, aber der Bus nach Ecuador ist gebucht.

Wir haben auf den Touren viel gelernt und erfahren, aber es ist doch schwer immer alles relevante hier in einem Bericht zu komprimieren.

Solltet Ihr Fragen zu diesem Bericht oder zu unserer Reise im Allgemeinen haben freuen wir uns über eure Fragen und Kommentare!

 

Kommentare
ein kommentar zu “Die Ruinen rund um Trujillo”
  1. Paul sagt:

    Ja, die Tempelanlagen um Trujillo sind wirklich spektakulär =).

    Beim Lesen sind mir wieder ein paar Erinnerungen hochgekommen =).

    Vielen Dank =).

    Paul

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