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Eine Wanderung durch Mordor vorbei an Vulkanen und blauen Seen

Das Tongariro Alpine Crossing

Auf dem Forgotten World Highway sind wir Ewigkeiten durch schöne, aber menschenleere Täler gefahren. Taumarunui bezeichnet sich selbst als Stadt, besteht im Großen und Ganzen aber bloß aus einer Straße. Auch der Weg bis zu unserem nächsten Ziel, dem Tongariro Nationalpark war alles andere als dicht besiedelt. Da stellt man sich ab und zu schon die Frage: Warum ist hier eigentlich nichts los?

Laut Maorilegende sind sowohl der Mount Taranaki als auch die Tongariro Gebirgskette Berggötter, sie lebten einst friedlich nebeneinander bis sich Taranaki in die mit Wäldern bedeckte Pihanga verliebte. Da allerdings auch Tongariro ein Auge auf die schöne Pihanga geworfen hatte kam es zum Streit zwischen den Göttern. Der Himmel verdunkelte sich und die Erde bebte. Als es wieder ruhiger wurde hatte sich Pihanga auf die Seite Tongariros geschlagen. Taranaki, der mit dieser Entscheidung alles andere als zufrieden war, zog schmollend Richtung Meer. Er hinterließ eine tiefe klaffende Wunde in welcher heute der Whanganui River entspringt. Laut Legende wird Taranaki eines Tages zurückkommen und versuchen Pihanga doch noch für sich zu gewinnen. Bei den Maoris ist die Gegend zwischen den beiden Bergen deshalb noch heute sehr unbeliebt. Klar, wer will schon zwischen zwei kämpfende Götter geraten?

Nachdem wir den Diplomaten mit fachmännischer Skype-Hilfe und einigen Litern Wasser reparieren konnten verließen wir Taumarunui früh morgens. Der Temperaturregler blieb selbst auf dem Highway im grünen Bereich und so erreichen wir den vom DOC verwalteten Mangahuia Camping Ground am Fuße des Tongariros bereits gegen 10 Uhr. Während die anderen Camper gerade ihr Zeug zusammenpackten fingen wir an unsere Zelte aufzubauen. Obwohl das Wetter vielversprechend aussah und wir auch zeitlich keine Probleme gehabt hätten entscheiden wir uns dagegen direkt mit dem Tongariro Alpine Crossing zu beginnen. Wer will schon in der Mittagshitze einen Vulkan erklimmen? Eben! Stattdessen besuchten wir die nahegelegene Ruapehu i-Site, informierten uns über die bevorstehende Wanderung und darüber was man am, im und um den Tongariro Nationalpark noch erleben könnte und planen den morgigen Tag.

Tongariro Alpine Crossing – so ist der Plan

Nachdem es mit der ersten Götterbesteigung so fantastisch geklappt hat und wir vom Dach des Taranakis schon die Tongariro Gebirgskette sehen konnten stand natürlich fest, dass wir versuchen wollen auch den Tongariro zu bezwingen. Außerdem wird das Tongariro Alpine Crossing als Neuseelands schönste Tageswanderung beworben, die müssen wir uns also ansehen. Wie immer gibt es verschiedene Wege auf, über oder auch um die Tongariro Gebirgskette. Wir entscheiden uns für eine leicht abgewandelte „klassische“ Variante des Tongariro Alpine Crossing.

Vom Mangatepopo Parkplatz wollen wir bis zum Blue Lake laufen, dort Mittagspause einlegen und anschließend umdrehen. Die „klassische Variante“ sieht vor etwas weiter bis zum Ketetahi Parkplatz zu laufen und sich von dort für 20$ p.P. zurück bis Mangatepopo fahren zu lassen. Der Geiz! Und die Tatsache, dass es nach dem Blue Lake wohl bloß über ein Geröllfeld bergab geht werden uns also umdrehen lassen. Geröllfeld, davon hatten wir nun wirklich schon genug.

Unterwegs im Flachland des Tongariro

Für heute entscheiden wir uns für zwei kleine Wanderungen im Flachland des Tongariros – Ziel sind 2 Wasserfälle von denen der eine wohl schon beim Herrn der Ringe „mitgespielt“ hat.

Ein kurzes Stück, durch einen grünen mit Farnen überwucherten Wald, vorbei am Fluss und schon stehen wir irgendwo in der Prärie. Die Natur rund um den Tongariro ist so abwechslungsreich, dass sie mich glatt an Argentinien erinnert … wären da nicht die Vulkane im Hintergrund.

Hatten wir uns eben noch dazu entschieden die Mittagshitze nicht auf dem Vulkan verbringen zu wollen, stehen wir keine 3 Stunden später in eben jener Mittagshitze irgendwo zwischen kargen Büschen in der prallen Sonne – guter Tausch. Gut, dass es bis zum ersten Wasserfall bloß 30 Minuten sind. Schwimmen klappt zwar nicht, dafür lassen wir uns bei einer Dusche den Rücken massieren. Auch nett.


Der zweite Wasserfall liegt mitten im Wald umgeben von jeder Menge Grün. Irgendwo hier hat Gollum gefischt! Weil wir uns nicht so wirklich mit dem Herrn der Ringe auskennen und weil es trotz ausziehender Wolken noch recht warm ist, entschließen wir uns noch eine Runde zu schwimmen, ehe es zurück zum Campingplatz geht.

Wolken über Mordor

Als der Wecker morgens um 4 klingelt hat es zwar aufgehört zu regnen, es nieselt aber noch. Um 4:30 Uhr nieselt es und ist kalt, die Entscheidung, dass wir erstmal noch liegenbleiben fällt noch aus dem Schlafsack innerhalb von 2 Minuten.

5:30 Uhr, der Niesel hat sich verzogen, wir können die Sterne sehen. Es ist Zeit aufzubrechen.

Das man bei schlechtem Wetter nicht unbedingt auf Bergen herumläuft haben wir inzwischen verstanden, dass wir aber nicht noch einen Tag im Tongariro verbringen wollen ohne das Tongariro Alpine Crossing zu machen wissen wir auch und so starten wir trotz Wolken irgendwann gegen kurz nach 6 Uhr am Mangatepopo Parkplatz. Außer uns stehen hier bisher nur 5 weitere Autos. Noch während wir uns die Schuhe anziehen rollt allerdings der erste kleine Bus auf den Parkplatz, ab jetzt wird es also voll. Die ersten 40 Minuten des eigentlich 19,4 km langen Wanderwegs geht es durch die selbe prärieähnliche Landschaft wie gestern. Danach wird das Vulkangestein langsam größer, es geht über Treppen und endlose Steine und obwohl die Wolken noch immer tief hängen freut man sich auf den Moment, wenn man erst einmal oben ist.

 

Oben, ja wo genau ist eigentlich oben? Beim Mount Taranaki war das ja recht einfach, oben ist da wo es nicht mehr weiter geht. Wie aber ist das bei einer Gebirgskette? Da gibt es doch mehrere oben. Unser erstes oben erreichen wir mit dem Südkrater, etwa 800 m grade Fläche zu jeder Seite umgeben von mindestens 2 Vulkanen.

Auf uns wirkt die Szenerie so schroff und Mars-ähnlich das wir uns sicher sind, hier wurde eine der großen Schlachten vom Herrn der Ringe gefilmt. Platz genug wäre dafür in jedem Fall.

Von knapp 1700 m geht es dann aber doch nochmal eine ganze Ecke nach oben und hinein in die Wolken, auf 1900 m halten sie sich wacker an den umliegenden Gipfeln fest. Oben! Auch wenn wir nicht wirklich viel sehen sind wir an der höchsten Stelle der heutigen Tour angekommen, von hier sollten wir eigentlich einen guten Überblick auf die Emerald Lakes und die Vulkane haben. Eigentlich. Unsere Sichtweite beträgt zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 30 m.

Mit jedem Schritt den wir weiter gehen riecht es mehr nach faulen Eiern, der neben uns liegende Red Crater und selbst einige Stellen des Weges qualmen fröhlich vor sich hin, an einigen Stellen ist das Gestein sogar richtig warm. Aus großen Steinen werden kleine Steine und aus Stein wird Geröll. Endlich… Mit vorsichtigen Schritten machen wir uns auf den weg nach unten Richtung Central Crater und zu den 3 türkisblau-leuchtenden Emerald Lakes. Vom typischen Türkisblau sind wir leider recht weit entfernt, wir freuen uns aber darüber zwischenzeitig wenigstens 2 gleichzeitig zu Gesicht zu bekommen. Das vom Schwefel gelb gefärbte Gestein und die Seen sind auch mit Wolken schön anzusehen.

Vorbei an den Seen und rein in den Krater, diesmal geht es durch den Central Crater. Größentechnisch steht er dem South Crater in nichts nach, hier liegen jedoch mehr Steine rum – wir sind uns ein weiters mal sicher, dass hier eine der großen schlachten vom Herrn der Ringe gefilmt wurde… Vielleicht. Einen kurzen Aufstieg später sitzen wir am Blue Lake und machen Mittagspause, umgeben von kleinen qualmenden Stellen und dem Geruch von faulen Eiern. Geschafft, jetzt müssen wir nur noch zurück. Frisch gestärkt machen wir uns also auf den Weg, durch den Central Crater, vorbei an den Emerald Lakes, das Geröllfeld rauf Richtung Red Crater. Plötzlich verschwinden die bis zu diesem Zeitpunkt hier festgeschnürrt scheinenden Wolken und wir ergattern für knapp 30 Minuten Postkarten-Wetter für das Tongariro Alpine Crossing. Nicht nur die leuchtend blauen Emerald Lakes und der in der Ferne glitzernde Blue Lake bekommen bei Sonnenschein eine ganz besondere Färbung, auch der Red Crater scheint in allen nur erdenklichen Rottönen zu strahlen.

Wir bahnen uns unseren Weg, vorbei an ungläubig guckenden Gruppenreisenden (das man zurück läuft ist für das Tongariro Alpine Crossing anscheinend wirklich ungewöhnlich) und finden unseren Weg zurück, insgesamt waren wir etwa 8 Stunden unterwegs und haben in etwa 24 km zurückgelegt. Das Tongariro Alpine Crossing können wir als schönste Tageswanderung durch Neuseelands Berge bestätigen, ob es tatsächlich zur schönste Tageswanderung Neusselands reicht, kommt wahrscheinlich darauf an, was man sehen möchte. Schön ist es allemal.

Kommentare
ein kommentar zu “Das Tongariro Alpine Crossing”
  1. Lorena sagt:

    Wow toller Artikel und eindrucksvolle Bilder! Ich wollte unbedingt mal nach Neuseeland, da Freunde von mir ihren Urlaub dort verbracht haben und nicht mehr aufhören wollten, davon zu schwärmen =) Dieses Jahr war ich bereits in Schenna Italien, aber nächstes Jahr nehme ich mir fest vor, nach Neuseeland zu fliegen! Vielen Dank für diesen Artikel und liebe Grüße

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