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Vom Lake Taupo in die Waitomo Caves

Heiße Quellen und Glühwürmchen

Lake Taupo, der größte See Neuseelands, liegt im Herzen der Nordinsel. Hier treffen nicht bloß am Wochenende erholungssuchende Neuseeländer und adrenalin- bzw. abenteuersuchende Touristen aufeinander. Auf, im, um und sogar über dem See ist für jeden etwas dabei. Das Angebot reicht von Kanutouren zu übergroßen Maori-Steingravuren am Ufer des Sees, Angelausflüge in eine der fischreichsten Regionen Neuseelands über Jetbootfahrten zu den Huka-Falls, bis hin zum Fallschirmspringen. Neben alledem hat sich Taupo inzwischen als inoffizieller Startpunkt für das Tongariro Crossing etabliert. Mit dem Bus werden Interessierte ab 5 Uhr morgens im Halbstundentakt bis direkt an den Wanderweg kutschiert, nachmittags wird man am anderen Ende abgeholt und „Heim gefahren“. Gut, dass wir diesen Teil schon abgehakt hatten.

Für unsere 2 Nächte in Taupo schlagen wir unsere Zelte auf dem kostenlosen „Reid’s Farm Recreation Reserve“ auf. Etwa 10 Minuten außerhalb Taupos Innenstadt und auf halber Strecke zu den Huka Falls gibt es hier Stellplätze direkt am Fluss und eine große Campingwiese. Die aufgestellten Toiletten werden täglich gereinigt und duschen kann man für kleines Geld in der Stadt. Einem längeren und dennoch günstigen Aufenthalt in Taupo steht prinzipiell also nichts im Wege. Außer man hat so viel Glück wie wir und legt seinen Aufenthalt in Taupo auf 3 Regentage.

Was macht man bei Regen in einer auf Sommer ausgelegten Stadt wie Taupo?  Natürlich kann man sich einfach Regenklamotten anziehen und so tun als wäre der Regen gar nicht da. Nach der Taranaki Besteigung und dem Tongariro Crossing innerhalb von einer Woche entscheiden wir uns dann aber doch dazu es in Taupo wetterbedingt etwas ruhiger angehen zu lassen, das geht nämlich auch ganz hervorragend.

Taupo und seine heißen Quellen

Hatte ich erwähnt, dass der Lake Taupo ein Vulkansee ist und dass sich auch heute noch rund um den See vulkanische Aktivitäten beobachten lassen? Am auffälligsten ist sicherlich der Geruch, in Taupo ist es zwar nicht so auffällig wie in Rotorua aber auch hier lässt sich ein in unregelmäßigen Abständen auftretender Schwefelgeruch nicht von der Hand weisen. Nicht ganz so auffällig, dafür aber viel angenehmer, sind die in der Stadt verteilten heißen Quellen. Ich muss dazu sagen, dass ich von heißen Quellen und darin badenden, dicht aneinander gedrängten Personen nicht wirklich viel halte (mir ist es in der Badewanne schon zu langweilig) und dementsprechend nur als Außenstehender (zugegeben an dem Tag ziemlich schlecht gelaunter) berichten kann.

Die erste und bei schönem Wetter wohl auch sehr schöne heiße Quelle liegt etwa 2 km außerhalb des Stadtzentrums, direkt am Strand, glaubt man dem Lonely Planet entstehen hier an guten Tagen unzählige „Privatpools“, gefüllt mit heißem Quellwasser. Während unseres Besuchs sahen wir zwar nur einen großen Pool, der war wohl aber immerhin sehr warm und angenehm.

Die zweite und wenn ihr mich fragt schönere Quelle mündet in den Waikato River und ist über den Spa-Park zu erreichen. Der Otumuheke Stream fließt über mehrere kleine Wasserfälle, durch einige kleinere Becken bis in den Waikato-River. Je nachdem wie weit man sich vom Stream entfernt wird die Wassertemperatur kühler.

Huka Falls

Etwa 45 Gehminuten flussabwärts vom Otumuheke Stream zwängt sich der zuvor etwa 100 m breite Waikato River durch eine etwa 300 m lange und gerade einmal 15 m breite Schlucht. Die Huka Falls genannte Kaskade wirbelt das Wasser ordentlich durch ehe es mit ca 140.0000 pro Sekunde einen 11 m hohen Wasserfall hinunterstürzt. Würde man das Wasser an dieser Stelle auffangen, man hätte einen Olympiapool in 18 Sekunden zum Überlaufen gebracht. Das hinabstürzende, sich durch die Schlucht zwängende, türkisblaue Wasser hätten wir uns gern noch weiter ansehen können, aufziehender Regen zwingt uns allerdings zum Umkehren.

Orakei Korako

„Orakei Korako is arguably the best thermal area left in New Zealand„, sagen der Lonely Planet und die Frau in der iSite. Wenn etwas so angepriesen wird und dann auch noch einen mystisch-einladenden Flyer hat wollen wir uns den geothermalen Park Orakei Korako auch ansehen. Von Taupo bis Orakei Korako sind es etwa 40 Minuten und auf dem Weg bzw. mit kleinem Umweg kann man sich auch super die Aratiatia Schleusen und einen Honigshop ansehen. Aus Gründen der deutschen Pünktlichkeit und dem tiefen Bedürfnis heraus die ersten oder wenigstens welche der ersten in Orakei Korako zu sein, verschieben wir unseren Besuch dort allerdings auf die Mittagszeit. Orakei Korako liegt abgelegen in einem kleinen dicht mit Wald bewachsenen Tal. Um den eigentlichen Park zu erreichen muss man mit einem Boot die mit etwa 150 m wohl kürzeste Bootsfahrt seines Lebens antreten. Auf der anderen Seite erwarteten uns Geysire, Schlammbecken und jede Menge bunte Felsen. Nadine verspürte das innerliche Verlangen bei jeder dieser „Attraktionen“ doch einmal die Temperatur messen zu dürfen.

Orakei Korako ist durchaus interessant und der gut ausgebaute und angelegte Rundweg mit allerlei Erklärtafeln ist gut gemacht. Die 36$ für eine zweiminütige Bootsfahrt und das Privileg sich ein Stückchen Natur ansehen zu dürfen hinterlassen aber jedenfalls bei uns einen faden Beigeschmack. Falls man sich vorher schon einmal geothermale Parks angesehen habt (beispielsweise kostenlos in Rotorua), würden wir Orakei Korako nicht wirklich empfehlen.

Aratiatia und die Flut

Auf dem Rückweg legen wir einen kurzen Zwischenstopp an der Aratiatia Schleuse ein. Mehrmals täglich öffnen sich an diesem zur Stromgenerierung errichteten Staudamm die Schleusen um überschüssiges Wasser in den Waikato-River fließen zu lassen. Wenn man gerade hier ist, und es zeitlich passt kann man sich die 10 Minuten ruhig ansehen, meinen Tagesplan würde ich danach jedoch nicht auslegen.

Den kommenden verregneten Nachmittag verbringen wir in Taupos Indoor-Pool. Kurz zusammengefasst: Ich schwimme endlich mal wieder eine ernstzunehmende Runde, wir spielen mit einem Gummitier und schaffen es irgendwie Maurice sein Trommelfell zu zerstören.

Waikato Caves

Kaum eine Attraktion Neuseelands (Hobbiton einmal ausgenommen) ist so gefragt wie die Glühwürmchenhöhlen in Waitomo. Egal wo man hin kommt oder mit wem man spricht: in Waitomo sollte man wohl gewesen sein. Auch wenn wir alle nicht wirklich das Gefühl hatten Waitomo unbedingt sehen zu müssen entschieden wir uns auf unserem Weg nach Auckland einen kurzen Zwischenstopp in Waitomos Unterwelt einzulegen. Am Vortag konnten wir über book me noch 3 verhältnismäßig günstige „Restplätze“ ergattern und mussten so nur einmal den regulären Eintrittspreis von 60$ zahlen. Rund um die Waitomo Caves hat sich in den letzten Jahren eine riesige Tourismusindustrie gebildet. Von einfachen Hölenwanderungen, über Black Water Rafting bis hin zur geführten Tagestour inklusive Abseiling, Rafting und und und … Waitomo verspricht Abenteuer für jeden. Das man für dieses Abenteuer allerdings bis zu 700$ p.P. und Tag ausgeben kann liest man eher selten.

Unsere Tour ist mit 60$ eine der günstigsten, dafür mit etwa 20 Personen gut besucht. Laut Veranstalter dauert sie etwa 1,5 Stunden. Mit einem Kleinbus fahren wir etwa 20 Minuten über Felder bis wir vor dem Eingang zur so genannten Footwhistle Cave stehen. Der Einstieg zur Höhle liegt gut versteckt zwischen viel Grün in einer Felsspalte – durchaus nett. Im Inneren erwartet uns ein etwa 50 m langer Tunnel ehe wir in der ersten „Kammer“ stehen. Stalaktiten, Stalagmiten, etwas Wasser – alles da, nur keine Glühwürmchen. Etwa 2 Minuten wird uns etwas Geschichtliches zur Höhle und zu Waikato erzählt ehe der Guide sich endlich dazu entscheidet das Licht aus und damit die Glühwürmchen sichtbar zu machen. Da hängen sie nun zu 1000ten an der Decke gerade so als würde man im Nirgendwo in den Nachthimmel starren – je länger man schaut, je mehr sieht man auch. Das Licht wird wieder angeschaltet, es geht weiter in die nächste, noch größere Kammer – die Cathedrale. Licht aus… das Sternenmeer ist zurück. Insgesamt sehen wir uns 4 „Räume“ an ehe wir nach etwa 40 Minuten wieder am Ausgang stehen. Wieder oben gibt es noch einen Tee und etwas mehr Geschichte zu den Waitomo Caves ehe wir zurück kutschiert werden.

Klingt toll? Wenn man durch Neuseeland reist, sieht man Glühwürmchen aber an fast jedem Gewässer, so wirklich was besonderes sind sie hier nicht. Für 40 min 60$? Gutes Geld, 20$ wären aber noch immer mehr als genug. Wenn ihr irgendwann einmal durch Neuseeland reist und das Geld nicht wirklich locker sitzen habt, überlegt euch ob ihr den Stopp an den Waitomo Caves wirklich einlegen wollt. Als 50x spannendere und zudem kostenlose Alternative würden euch die Abbey Caves nahe Whangarei ans Herz legen. Später dazu mehr. Für uns ging es aus Waitomo über Hamilton (inklusive Stopp für Maurice beim HNO) nach Auckland.

Kommentare
ein kommentar zu “Heiße Quellen und Glühwürmchen”
  1. Elisa sagt:

    Diese Art von Erholung brauche ich auch jetzt :) Aber der Fluss sieht auf den Bildern schon echt mächtig aus, da will ich mir gar nicht vorstellen, wie laut er ist, wenn man direkt da steht. Coole Reise. Schicke euch die besten Grüße aus Kaltern

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