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Einmal rum und hoch hinaus

Rutschpartie am Mount Taranaki

Nach schönen aber langen 5 Wochen in Wellington sind wir endlich wieder „on the road“. Ganz ohne Ziel, ganz ohne Stress und ein weiteres mal mit Freunden. Maurice und Nadine werden uns die nächsten Wochen begleiten. Vielleicht begleiten wir eher sie oder wir begleiten uns alle irgendwie… Während für uns noch in Wellington feststand, dass nach Neuseeland „nur noch“ ein Monat Asien ansteht bevor es zurück geht, ist dieser Trip für Maurice und Nadine der erste „Urlaub“ in ihrer neuen Wahlheimat Neuseeland. Wann wir wo sind, wohin wir wollen und was wir von diesem Reiseabschnitt erwarten ist zu Beginn noch gar nicht klar – wir starten so ungeplant wie sonst auch. Ich freute mich darauf endlich wieder unterwegs zu sein. Auch wenn die 5 Wochen in Wellington schön waren, so wirklich „produktiv“ waren sie nicht. Ich bin gespannt wie das Zuhause wird, aber das ist ein anderes Thema.

Diplomatisch mit Zelt unterwegs

Zu viert unterwegs sein heißt in Neuseeland fast automatisch auch, dass man mit Zelten unterwegs ist. Außer natürlich man schwimmt im Geld, nur so kann man sich ein Wohnmobil mit 4 Schlafplätzen oder die allabendliche Hotelübernachtung für 4,5 Wochen leisten. Überraschung: Nach über einem Jahr unterwegs schwimmen wir nicht mehr im Geld. Haben wir auch noch nie und selbst wenn, hätte uns unsere lippisch-sparsame Erziehung davon abgeraten 150$+ pro Tag nur für einen Schlafplatz auszugeben. Wir haben uns stattdessen in Wellington für einen ´97er Mazda Capella, mit ein paar kleineren und größeren Macken und stolzen 217.000 km auf der Uhr entschieden. Für 1000$ hoffen wir, dass er noch eine Weile hält und wir ihn später in Gisborne wieder verkaufen können. Dunkelblau, unauffällig, schön tief und mit langer Antenne: ein typisches Diplomatenmobil – der passt gut zu uns.

Raus aus Wellington

Die erste Nacht im Zelt verbrachten wir in Koitata, einem kleinen Dorf an der Westküste Neuseelands. So wirklich viel gab es hier nicht, eigentlich gab es gar nichts, nichtmal einen Shop. Koitata ist so klein, dass man es nichtmal findet wenn man danach googelt (bei Google Maps klappt’s). Nach der „stressigen“ Zeit in Wellington, genau das was wir wollten: einfach mal nichts, dazu ein bisschen Strand mit unglaublich viel Treibholz und einem Fluss der bis ins Meer mündet. Wir üben uns im Strömungsschwimmen, werden gnadenlos abgetrieben, es gibt Abendessen vom Gasgrill – stilecht Nudeln, was soll es sonst beim am ersten Campingabend geben – und einen Strandspaziergang zum Sonnenuntergang. Schön kitschig und kitschig schön. Kurz bevor die Sonne im Meer verschwindet erblicken wir am Horizont Mount Taranaki. Zugegen, es war recht einfach, immerhin ist die Perfekte Kegelform des Vulkans auch aus recht großer Entfernung leicht auszumachen.

Mount Taranaki, da wollen wir rauf. Mit Maurice und Nadine habe ich da ganz gute Gefährten gefunden, die Aussicht auf eine 8 Stundentour mit zeitweiligem Klettern wirkt auf Nina leider noch immer abschreckend.

Taranaki – 8 Stunden über Vulkangestein, zeitweise klettern und etwas über 1500 Höhenmeter …

Wir starten unseren Ausflug in der iSite von New Plymouth. Der Mann hinter dem Schalter scheint sich auszukennen, wo wir starten, wie Lange der Trip dauert und was wir alles mitnehmen sollen, er erklärt wirklich alles sehr logisch. Aus irgendwelchen Gründen empfiehlt er uns gegen 8 Uhr zu starten das hätte allerdings bedeutet, dass wir in der Mittagshitze über Vulkanstein laufen würden. Zum einen hatten wir da wirklich kein Interesse dran, zum andern wussten wir auch, dass sich fast täglich ab 11 Uhr Wolken am Gipfel versammeln. Wir wollten also früher los. Unsere Zelte schlugen wir kostenbedingt in Waitara auf. Der Campingplatz in New Plymouth wollte doch tatsächlich 20$ p.P. und Nacht. Der Waitara Campground liegt zwar etwas weiter außerhalb, ist aber dennoch sehr schön gelegen und günstig obendrein.

Morning Drizzle – einmal durchspülen

„Morning drizzle, partly cloudy“, das war die Wettervorhersage für den kommenden Tag. Gar nicht so schlecht, so ein paar Wolken können ja auch entspannt sein. Unsere Wecker klingeln um 4 Uhr, es ist trocken und sternenklar, super. Zähneputzen, ab ins Auto und los geht die wilde Fahrt. Nach 20 Kilomentern halten wir auf halber Strecke in Ingelwood aus Sternenklar wurde „partly cloudy“. Irgendwie blöd, man weiss ja nie, aber morgen soll es besser werden. Wir brechen unseren ersten Anlauf ab und liegen um 5:12 Uhr wieder im Zelt, auch schön.

Was macht man mit so einem gewonnenen Tag? Richtig, man geht an den Strand. Keine Stunde Autofahrt entfernt von Waitara liegen die Tongaporutu White Cliffs eine bis zu 100 m hohe steil abfallende Kalksteinküste. Die hohen weißen Klippen und die bis auf den dunklen Strand reichen sind gerade von unten beeindruckend. Leider ist der untere Teil des Whitecliff Walkways nur bei Ebbe zu bewandern. Na Super, darüber hat natürlich bei unserem Spontanausflug niemand nachgedacht. Aber hey, wenn wir von Bucht zu Bucht sprinten sollten wir es noch zwischen den Wellen klappen. Man muss schon ein bisschen blöd sein um es so eine Idee dann auch tatsächlich auszuprobieren. So blöd wie Maurice und ich! Welle kommt, Welle geht, Welle kommt, Los! Auf nicht einmal halber Strecke bis zur rettenden Bucht zerschellt die Welle über, hinter und neben uns. Hat nicht geklappt! Welch eine Blöde Idee, aber es hätte ja klappen können.
Keine Angst die Wellen waren nur etwa 1 Meter hoch. Na gut, dann machen wir eben einen der „langweiligen“ Tracks oberhalb der Klippen, ist ja auch schön. Es geht durch grüne Wiesen vorbei an Kühen und Pferden. Ein ganz gutes Ausweichprogramm.

Mount Taranaki – Jetzt aber!

Weil es mit dem um 4 Uhr aufstehen so gut geklappt hat und weil früher bekanntlich besser ist, stellen wir uns den Wecker diesmal auf 3:30 Uhr. Sternenklar frisch und kalt begrüßt uns die Nacht. Nach etwa einer Stunde im Auto stehen wir um 5 Uhr am North Egmont Visitor Center auf 946 Höhenmeter. Bewaffnet mit jeder Menge Wasser, Essen und Stirnlampen machen wir uns auf den Weg. Ist es zu Beginn noch eisig kalt wird es überraschenderweise wärmer je höher wir kommen. Den Weg bis zur auf 1492m gelegenen Tahurangi Lodge, der einzigen Übernachtungsmöglichkeit auf Mount Taranaki schaffen wir noch vor Sonnenaufgang. Bis hierher ist der Weg noch gut ausgebaut und einfach zu finden.

Kurz hinter der Tahurangi Lodge beginnt allerdings der eigentliche Spass, der Weg führt zuerst über nicht enden wollende Treppen bis auf ein Geröllfeld. Soweit ich mich recht erinnere mein bisher größtes Geröllfeld, es scheint als würde man mit jedem Schritt wieder 20 cm bergab rutschen. Kein Halt und kein Ende in Sicht. Ich weiss gar nicht wie lange wir letztendlich für diesen Abschnitt gebraucht haben, es hat sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Nach dem Geröll wurden die Steine wieder fester und größer, der zuvor noch recht gut zu erkennende Pfad wird zu einem „du musst einfach nach oben“, der eine kraxelt weiter links, der andere weiter rechts, dabei ist sich jeder sicher, dass der jeweils andere den besseren Weg hat. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft.

Die Aussicht war schon während des Aufstiegs bombastisch, links und rechts das Meer unter uns eine ganz dünne Wolkendecke und die aufgehende Sonne mehr braucht man nicht…Weit in der Ferne sieht man die Gebirgskette des Tongariro die Wolkenschicht durchbrechen. Von oben wird einem die nahezu perfekte Kegelform bewusst, schaut man runter sieht man wie in einem nahezu perfekten Kreis rund um den Mt Taranaki Wälder wachsen, immer mal wieder durchbrochen von Flüssen.

Das es hier oben nur 3 Grad seien sollen merken wir kaum, viel zu schön ist der perfekte mit Schnee bedeckte Krater. Irgendwann wird es aber doch kühler, außerdem ziehen langsam Wolken auf, es wird also Zeit zu gehen.

Während wir auf unserem Weg nach oben nur einen weiteren Bergsteiger getroffen haben, reißt der Menschenstrom jetzt kaum mehr ab, immer mehr knallbunte Funktionsjacken kommen uns entgegen. Ich freue mich während unsres Geröll-Sprints zum einen das wir heute morgen noch alleine waren zum anderen aber auch darüber, dass diese Jacken endlich mal zum Einsatz kommen, immerhin zieht es sich innerhalb einer halben Stunde so sehr zu, dass die Sichtweite zeitweise auf unter 50m sinkt. Also ich hätte mich ja geärgert …

Kommentare
ein kommentar zu “Rutschpartie am Mount Taranaki”
  1. Hartmut sagt:

    Ich hab mich mal wieder sehr gefreut. Super Bilder Super Text und das auch noch zwei mal an einem Tag. Papa hat Euch lieb

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