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Ein Sound im Fjordland

Kayak-Tour auf Milford Sound

Für die Maoris ist Milford Sound das Meisterwerk Tū Te Rakiwhānoas der am südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands für reichlich Fischbestand und  sichere Gewässer sorgen wollte. Der Legende nach schlug der junge Halbgott mit einer Axt  immer wieder Kerben in die noch junge Erde. Nach einigen Probeschlägen entstand mit besonders viel Präzision und Kraft Milford Sound. Umgeben von bis zu 1200 m hohen Steilklippen reicht Milford Sound seit diesem Tage 15 km ins Landesinnere. Für die Maoris ist Milford bis heute ein heiliger Ort, für viele Touristen das Highlight ihres Neuseelandurlaubs und für uns ist Milford eins von vielen Highlights.

Fjord oder Sound?

Ganz kurz vorweg, auch wenn in dem Text immer die Rede von einem Sound ist, handelt es sich beim Milford Sound um einen Fjord. Der Unterschied? Ein Fjord wird durch langsam fließende Gletscher in den Fels geformt während ein Sound durch einen Fluss oder See geformt wird. Ich weiss, dass ihr das wusstet… Als die Neuseeländer herausfanden, dass ihre vermeintlichen Sounds in Wahrheit alle bloß Fjorde waren nannten sie das Gebiet kurzerhand Fjordland. Ich hätte Soundland natürlich besser gefunden, wäre geologisch aber wohl nicht richtig.

Milford Sound, lohnt sich das?

Auch wenn wir immer mal wieder gehört haben Milford Sound sei gar nicht so besonders und zudem extrem teuer und abgelegen wollten wir uns den wohl berühmtesten Fjord Neuseelands auf keinen Fall entgehen lassen.

Wann schaut man sich einen, mit 8000 mm Niederschlag im Jahr, der regenreichsten Orte der Welt an? Na klar an einem der schönsten Tage des Jahres. Wie es der Zufall so wollte war für unseren angepeilten Zeitraum einer der sonnigsten Tage seit Menschengedenken Langem vorausgesagt. Fest entschlossen, das gute Wetter sinnvoll zu nutzen, buchten wir also noch 3 Tage bevor es eigentlich los ging eine der teuersten Kanutouren der Welt. Für 150$ p.P und damit so teuer wie eine Woche Bolivien wollen wir Milford einen halben Tag mit dem Kayak erkunden. Klingt doch nach einem fantastischen Plan.

Milford Tag: 1 Der Weg ist das Ziel

Das der Milford Sound abgelegen ist wussten wir ja, wie abgelegen fällt uns dann aber doch erst auf als uns zuerst die freundliche Dame auf dem Campingplatz und später 2 Schilder an den chronisch überteuerten Tankstellen darauf hinweisen, dass man doch auch für 50ct/l über dem Durchschnittspreis lieber nochmal volltanken sollte. „Make sure you got enough fuel, be save, enjoy your Trip.“ 109 km hin, 109 km zurück ein bisschen extra Sprit für Tagestouren und schon kann es losgehen. Die 109 km ab Te Anau führen über die gut ausgebaute Route 94 zuerst immer entlang des Lake Te Anau, später durch atemberaubende Täler, hoch bis zur Schneefallgrenze (bis letzte Woche schneite es regelmäßig) vorbei an hungrig verspielten Keas, die sich über Antennen und Scheibenwische hermachen als sei es das leckerste auf der Welt (wir bleiben glücklicherweise verschont), durch einen einspurigen unbeleuchteten Tunnel, 100te Kurven und die abwechslungsreichste Natur seit Argentinien. Entlang der zu Beginn endlos scheinenden Strecke gibt es unzählige Gründe immer mal anzuhalten und sich die Füße zu vertreten, die kleinen (30-minütige) Wanderstrecken zu Wasserfällen oder Aussichtspunkten könnten die Strecke zu einem Tagestrip machen, wären nicht 4 Reisebusse unterwegs die genau das tun. So teilt man sich die kleinen Wege leider ab und zu mit im Rudel auftretenden rüstigen Rentnern.

Letztendlich halten wir nicht überall an und erreichen unser Ziel, die einzige Übernachtungsmöglichkeit mit monopolistisch hohen Preisen, schon gegen 13 Uhr. Die Milford Lodge versorgt Reisende mit Einzelzimmern, Doppelzimmern, Betten im Schlafsaal und Stellplätzen für Campervans. In der Hochsaison sollte man allerdings im Voraus planen und seinen Platz so früh wie möglich buchen. Schlau wie Fuchs und mit unserem 3-Tages-Plan im Hinterkopf hatten wir das natürlich schon erledigt. Einen Stellplatz ohne Stromanschluss für 2 Nächte gibt es für 80 NZD. Als wir ihn „bezogen“ mussten wir feststellen, dass es sich bei einem Stellplatz an der Milford Lodge auch wirklich nur um einen Stellplatz handelt. Schotterboden, keine Unterteilung, nichts. Ein teurer Parkplatz ohne jegliche Extras.

Wandern zum Lake Marian

Weil es noch relativ früh war und wir den Parkplatz nicht soo pralle fanden um einfach nichts zu tun entschieden wir uns für eine kleine Wanderung. Da es rund um die Lodge bloß 15 Minuten Tracks gibt und weil ich von den Bergen ein bisschen angefixt war entschieden wir uns nach Rücksprache mit einer Rangerin dazu den mit 3,5 Stunden angegebenen Lake Marian Track in Angriff zu nehmen. Von den 109 km die wir vor knapp 1,5 Stunden abgeschlossen hatten fahren wir spontan 35 km wieder zurück um an den Startpunkt der Wanderung zu gelangen. Mit ein bisschen vorausschauender Planung hätte sich das auch vermeiden lassen… Nächstes Mal. Über einen türkisblauen Gebirgsfluss geht es in den dicht bewachsenen Wald immer entlang des Flusses, der Weg wird schmaler, die Steine größer, zwischenzeitlich müssen wir beinahe klettern. Gut, dass wir uns extra Wanderschuhe gekauft haben und die endlich einmal nutzen. Nach knapp 2 Stunden strammer bergauf Wanderung erreichen wir unser Ziel: Lake Marian! Lake Marian ist im klassischen Sinne ein Bergsee, gefüllt mit eiskaltem kristallklarem Schmelzwasser liegt er zwischen 3 imposanten Bergen. Ich für meinen Teil hätte ja gerne einen Weg auf einen dieser Berge gesucht, musste aber einsehen, dass das wahrscheinlich nicht die beste Idee des Tages gewesen wäre, immerhin begann die Sonne schon hinter einem exakt dieser Berge zu verschwinden. Auch wenn der Rückweg eine halbe Stunde schneller abgehakt war waren wir froh als wir den Camper erreichten, ganz ohne Sonne wurde es nämlich doch recht schnell ziemlich frisch.

Wicked! Mit dem Kayak durch Milford Sound

Pünktlich um 8 betreten 2 mit Schwimmweste und Spritzdecke bekleidete Personen den Aufenthaltsraum der Milford Lodge. Neben uns holen sie allerdings auch noch 26 andere ab. 28! Wenn das nicht eine ordentliche Gruppengröße ist. Nach ein bisschen Papierkram á lá wenn wir sterben ist das unser Problem, geht es auch schon los zum Anleger. Es gibt für jeden schicke Merino-Leggins und Pullis im Kringel-Look (das soll einen angeblich warm halten, wenn es nass wird nicht der Kringel-Look) und eine Einführung wie man das Paddel zu halten hat um möglichst effektiv voran zu kommen. Es folgt eine Einweisung in die Rettungsweste und die Kayaks, anschließend eine Trockenübung wie der Spritzschutz zu lösen ist falls wir kentern sollten.

Nach etwas über einer Stunde sitzen wir endlich im Kayak auf dem Wasser. Jenny, unser heutiger Guide unterteilt die Kayaks in 4er Gruppen und findet es total „Cool, Wicked“ das wir alle so suuper Paddeln können. Bei strahlend blauem Himmel und keiner einzigen Welle weit und breit wahrlich eine Meisterleistung. Mit unser kleinen Vierergruppe fahren wir entlang des Ufers etwa 3 km Richtung Meer, vorbei an vielen kleinen Wasserfällen, und steilen Klippen „wicked landscape“. Das laut Guides most wicked beste Wetter der letzten 6 Wochen sorgt für klare Sicht auf die, sonst allzu häufig in einer dicken Wolkendecke verschwundenen, umliegenden Berggipfel. Die Natur erinnert mich ein bisschen an Schweden auch wenn hier die umliegenden zum Teil mit Schnee bedeckten Berge um einiges beeindruckender sind. Auch wenn wir das offene Meer, nach unseren 3 km, noch nicht sehen können erklärt uns Jenny, das innerhalb des Fjordes eine ganz besondere Unterwasserwelt anzutreffen ist. Die oberen 20 cm der Wasserdecke bestehen aus Frischwasser (Regen) während das drunterliegende höher konzentrierte Salzwasser Lebensraum für Meeresbewohner sei, die normalerweise nicht in so flachem Gewässer anzutreffen seien. Mit etwas Glück könnten wir also Delphine, Pinguine und Robben sehen. Wir hatten unsere Glücksportion anscheinend schon für das Wetter eingesetzt und sahen nichts Außergewöhnliches. Nach der Überquerung machen wir uns auf der anderen Seite des Fjords wieder auf den Rückweg. Insgesamt waren wir etwa 2,5 Stunden auf dem Wasser, für 150 $ kein schlechtes Geschäft (für den Veranstalter) oder um bei Jennys Worten zu bleiben: Wicked!

Überraschend geschafft verbringen wir den Rest des schönen Tages auf den 15-minütigen Wanderwegen rund um die Lodge. Der kommende Tag bringt Regen und tief hängende Wolken, anscheinend haben wir mal wieder alles richtig gemacht und verlassen Milford mit einer eintreffenden Sturmwarnung.

Wenn wir nochmals vor der Entscheidung stehen würden ob es eine Kayaktour oder „nur“ eine normale Bootstour werden soll würden wir höchstwahrscheinlich zur Bootstour tendieren denn auch wenn die Kayaktour wunderschön war wäre die Natur von einem „Touriboot“ nicht weniger schön gewesen. Die Boote fahren weiter aus dem Fjord hinaus weshalb man wahrscheinlich noch etwas mehr sieht. Mit etwas Glück gibt es bei bookme Sonderangebote ab 30$

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