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Neuseeland - Willkommen am Ende der Welt

Zwischen Christchurch und Akaroa

G’day vom anderem Ende der Welt. Neuseeland – viel weiter weg von Zuhause geht es nun wirklich nicht. Wir sind jetzt seit etwas über einer Woche hier, da wird es Zeit für ein kurzes Resümee, immerhin wollten wir den Blog ja etwas aktueller führen sechs Wochen in Neuseeland und der Versuch den Blog aktueller zu führen ist mal wieder gescheitert. Neues Jahr, neues Glück. Wir versuchen dann mal schnellstmöglich alles bisher Passierte nachzuliefern. Der Flug ab Sydney bis Christchurch verging mit seinen gerademal etwas über 3 Stunden für uns und unser inzwischen erprobtes Sitzfleisch wie im Flug. (Ich wollte ja schon immer mal so einen Klischeemist schreiben).

Was nicht wirklich wie im Flug verging? Die eigentliche Einreise und die darauf folgende Nacht am Flughafen. Neuseeland ist bei der Einreise noch eine ganze Ecke strenger als Australien. Aufgrund der Abgelegenheit leben hier einige Tier- und Pflanzenarten, die man sonst nirgends auf der Welt findet. Um eben dieses Ökosystem zu schützen werden Touristen bei der Einreise gerne auch dreimal gefragt, ob sie denn ein Zelt, benutzte Wanderschuhe oder irgendetwas Essbares dabei hätten. Unser 30$-Zelt haben vorsichtshalber direkt in Sydney gelassen, die Wanderschuhe waren gerade neu, unsere restlichen Bananen und 2 Karotten mussten wir dennoch abgeben. Hätten wir nicht schon vorher gewusst wie „pingelig“ sie hier sind wären wir mit unseren Rucksäcken wahrscheinlich einfach durch die „nothing to declare“ Kontrolle gewandert und hätten im schlimmsten Fall 400$ bezahlen dürfen.  Die ganze Einreise ging glücklicherweise relativ schnell über die Bühne und erinnerte uns an eine organisiertere Version unser Einreise nach Chile. Die erste Nacht verbrachten wir am Flughafen, erst auf einem viel zu hartem Boden und später sitzend auf viel zu harten Stühlen.

Nach 2-3 Stunden eines schlafähnlichen Zustands und einem viel zu teurem Frühstück saßen wir irgendwann morgens in unserem neuem Zuhause: Einem schwarzem Toyota Grand Hiace. Mit und in diesem Fahrzeug erkundeten wir bis zum 17.12 die Südinsel Neuseelands. Weil die erste Nacht aus schlaftechnischer Sicht nicht wirklich erfüllend war hielten wir kurzerhand einen Mittagsschlaf ehe das erste Mal ein neuseeländischer Supermarkt erkundet wurde. Nach ca. 5 Minuten mit dem Gedanken: „ach du lieber Herr, dass ist aber alles schweineteuer“ und dem anschließenden erneutem Wechselkurs-Vergleich stellen wir erfreut fest, dass Neuseeland gar nicht soo teuer ist – wahrscheinlich sogar ein bisschen günstiger als Australien. Juhu.

Vollgepackt mit allem was man so braucht entschieden wir uns die nächste Nacht etwas weiter außerhalb irgendwo am Meer zu verbringen. Bevor es jedoch ans Meer ging wollten wir dem Zentrum von Christchurch noch einen Besuch abstatten.

Christchurch. Oder das was davon über ist.

„Hier links, dann rechts und schon sind wir im Zentrum“, hätte Nina uns nicht gelotst hätten wir das Zentrum wahrscheinlich erstmal übersehen. Kaum Hochhäuser und auch nicht besonders dicht bebaut – zumindest nicht mehr. Im Februar 2011 verwüstete eines der schlimmsten Erdbeben in Neuseelands Geschichte die zweitgrößte Stadt des Landes. Als erdbebenunerfahrener Deutscher fällt es einem schwer sich vorzustellen, was genau damals hier passierte. Selbst knapp 4 Jahre später ist die Zerstörung noch an vielen Ecken zu sehen. Wir parken den Camper direkt neben einem Fluss, von hier sind es ca 4 Minuten Fußweg bis zur ChristChurch Cathedral. In unser Naivität merken wir die ersten 2 Minuten gar nicht, dass wir über abgerissene Gebäude laufen. Viel mehr wundern wir uns über den ungenutzten Raum mitten im Zentrum. Wir überqueren einen Platz in etwa so groß wie der Ravensberger Park in Bielefeld, loser klein gemahlener Beton, kein Baum, kein Gras, keine Funktion, nur eine inzwischen mit Wasser vollgelaufene untere Etage einer Tiefgarage derer dicke Betonpfeiler bloß noch bis auf Straßenhöhe reichen erinnert daran, dass es hier mal anders ausgesehen hat.

Es dauert seine Zeit, bis man versteht wie weit ein Erdbeben die Infrastruktur einer Stadt zerstören kann, klar hier und da eine Lücke zwischen den großen Gebäuden. „In Deutschland wäre das schon wieder aufgebaut!“, denkt man vor sich hin. Wenn man kurz darauf an den großen, von außen noch völlig intakt aussehenden Gebäuden vorbeiläuft und sieht, dass auf der Rückseite etliche Fenster fehlen, dass der Bauzaun so aussieht als würde er schon länger dort stehen und dass die Geschäfte im Erdgeschoss des Gebäudes alle verlassen sind, fällt einem auf, wie präsent dieses Erdbeben auch 4 Jahre später noch ist. Mit einem ganz komisch mulmigen Gefühl erreichen wir die ChristChurch Cathedral. Auch hier würde man, wäre da nicht der Bauzaun, von hinten nichts böses vermuten. Die Sonne scheint, die Kirche sieht noch aus wie eine Kirche, warum sie abgesperrt ist merken wir erst als wir auf dem ehemaligem Kirchplatz stehen. Während die Rückseite noch völlig intakt scheint, klafft in der Vorderseite ein riesiges Loch, kein richtiges Loch, es fehlt die komplette Außenwand, Außerdem fehlt der ehemalig Kirchturm (wenn man das nicht weiss merkt man es auch erst später). Auf dem ehemaligem Kirchplatz steht eine Engelsstatur (das Kriegerdenkmal). Provisorisch wurden die Engel mit Hilfe von Spanngurten festgeschnürt. Da steht man also im ehemaligem Zentrum Christchurchs, schaut auf eine Kirche die keine mehr ist, sieht 12-stöckige Hotels die keine mehr sind, sieht ein Kriegerdenkmal auf dem die Engel mit Spanngurten erfestgeschnürrt wurden und begreift ganz langsam was dieses Erdbeben für Christchurch bedeutet.

Wir laufen ca 1,5 Stunden durch das ehemalige Zentrum, orientieren uns an Infotafeln und versuchen mit ihrer Hilfe nachvollziehen zu können wie es hier vor noch 4 Jahren ausgesehen haben mag. Natürlich gibt es Ecken wie beispielsweise das hippe, aus bunten Containern zusammengebaute Shoppingcenter Re:Start oder die New Regent Street in denen das Erdbeben schon fast vergessen scheint. Ein Erdbeben dieses Ausmaß lässt sich aber nicht vergessen. Erdbeben sind wie Kriege, selbst wenn man nicht dabei war möchte man sich am liebsten nicht vorstellen wie es wirklich war – selbst 4 Jahre später nicht. Hier sieht man recht gut wie stark das Beben das Zentrum getroffen hat, wie gesagt es stehen noch immer Gebäude die abgerissen oder aufwändig restauriert werden und wie ihr seht stehen nicht mehr viele Gebäude. Das mulmige Gefühl und die Vermutung, dass es in Deutschland wahrscheinlich noch genauso aussehen würde begleiten uns noch eine ganze Weile und selbst jetzt (5 Wochen später) weiss ich nicht so wirklich wie man Christchurch anderen Menschen beschreiben soll. Ich weiss nicht einmal ob es gut war, dass wir uns die Stadt angeschaut haben oder ob die Bewohner es schrecklich oder gut finden wenn die Touristen eine halb zerstörte Stadt sehen und versuchen zu verstehen was hier geschehen ist.

Free Camping in Neuseeland.

Über Free Camping in Neuseeland, was wo erlaubt ist, wer wo stehen darf und wie lange könnte man bestimmt 3 Artikel schreiben und dennoch hätte man nicht alles restlos geklärt. Es gibt eine ganze Menge kostenloser Campingplätze in Neuseeland, einige darf man nur benutzen wenn man im Auto schläft, auf anderen darf man nur stehen wenn der eigene Camper „self-contained“ (Selbstversorger inklusive Ab- und Frischwassertank) ist. Andere wiederum sagen man darf überall stehen wo es eine Toilette gibt … So wirklich zu 100% bin ich mir auch nach 4 Wochen nicht sicher ob wir wirklich immer richtig gestanden haben und ob es einen einfachen Merksatz gibt wer wann wo stehen darf. Wer auf Nummer sicher geht fragt in der lokalen i-Sight, die wissen bescheid.

Akaroa

Das Gute an Neuseeland – das lernt man in den ersten 3 Tagen die man im Land ist – ist, dass es so klein ist. Die Südinsel beispielsweise könnte man mit dem Auto innerhalb von 3 Tagen problemlos umrunden. Irgendwie ist man immer am Meer oder maximal 3 Stunden davon entfernt. Meer ist ja auch schön (wenn man nicht den ganzen Tag nichts macht) und überhaupt … außerdem kann man in und um Akaroa wohl ganz gut Wandern und mit etwas Glück Delfine sehen – unser erstes „richtiges“ Camping-Ziel hieß also Akaroa.

Akaroa liegt knappe 1,5 Stunden außerhalb Christchurch, die vulkanischen Berge sind nahezu komplett umgeben vom Meer und sind im Sommer ein beliebter Ferienort bei Einheimischen und Touristen. Auf dem Weg Richtung Akaroa sieht man nicht wirklich viel außer Schafen, grünen Bergen und dem Meer, trotzdem (oder grade deshalb) macht die Fahrt Spass. Unser Nachtlager schlagen wir in einer kleinen Bucht gegenüber Akaroa auf. Unsere erste Nacht auf einem kostenlosen Campingplatz, wobei „kostenlos“ nicht so wirklich stimmt immerhin zahlen wir für den Camper 49$ am Tag. Ob wir hier stehen dürfen oder nicht finden wir leider nicht heraus, schlafen aber dennoch ganz hervorragend.

Zusammen mit Laura und Felix (die beiden standen mit ihrem Camper die letzte Nacht neben uns) machen wir uns früh morgens auf den Weg Akaroa und die Umgebung zu erkunden. Es handelt sich um einen niedlichen kleinen Ort mit französischem Einfluss, was uns allerdings mehr reizt als die Erkundung des Ortes ist die unglaublich grüne Landschaft. Wir erkundigen uns in der lokalen i-Site nach möglichen Wanderwegen und starten anschließend vom Leuchtturm aus bergauf. Eine gute Entscheidung denn erst von oben kommt das tiefblaue Meer und die in 20 Grüntönen leuchtenden Berge wirklich zur Geltung. Ein bisschen fühlen wir uns wie in den Alpen. Sattgrüne Hügel, Kuhweiden und so einige Schafe machen das Bild perfekt.

Wir genießen den Tag „in den Bergen“ und verbringen die nächste Nacht irgendwo zwischen Akaroa und Christchurch. Abends regnet es in Strömen und wir lernen unseren Camper so richtig zu schätzen …

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