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Von einer neuen Familie und viel Sightseeing

Unterwegs in Chicago

Für unsere Reiseplanung von Kolumbien nach Kalifornien, anschließend nach Chicago und schlussendlich über Kalifornien nach Hawaii zu fliegen wurden wir nicht bloß einmal komisch angeschaut. Selbst der Grenzbeamte fragte zwei Mal nach ob er unseren Plan denn richtig verstanden hätte. Verständlich, immerhin kamen durch den 10-tägigen Aufenthalt zwei Inlandsflüge auf uns zu die man sich mit ein bisschen Planerei auch vom Leib hätte halten können. Warum also das extra Geld und die extra Zeit investieren? Familie. Was macht man nicht alles für die Familie? Gut, jetzt muss man wissen, dass wir beide die „Familie“ bis zu dem Zeitpunkt als wir in Chicago aus dem Flugzeug stiegen zuvor noch nie so wirklich gesehen hatten. Nina war im Alter von 2 Jahren das letzte Mal hier und alle Jubeljahre war einer „der Amis“ für wenige Tage zu Besuch in Deutschland. So wirklich als „kennen“ kann man das also nicht verbuchen. Der Kontakt lief größtenteils über Emails und Postkarten zu Weihnachten.

Der endgültige Entschluss doch noch nach Chicago zu fliegen fiel auch erst relativ spät wurde aber mit soviel Begeisterung aufgenommen, dass wir unmöglich hätten einen Rückzieher machen können. Wie lange bleibt man bei Menschen die man nicht wirklich kennt, die sich aber total freuen uns bei sich zu haben? Ich hätte ja spontan gesagt einen Monat – muss sich ja auch lohnen, außerdem hat man dann Zeit für alles und muss sich nicht stressen. Weil wir aber niemandem zur Last fallen wollten und auch weil uns die Zeit später ggf irgendwo gefehlt hätte wurden es schlussendlich 10 Tage. 10 Tage die man nicht hätte besser verbringen können.

Ankunft in Chicago

Inlandsflüge sind in Amerika vergleichsweise günstig. Das Bussystem kann man auf Langstrecke nicht nur preistechnisch vergessen und über Züge müssen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Wie sich das für Verwandte gehört wurden wir vom Flughafen abgeholt und zum ersten Kennenlernen in ein Restaurant kutschiert. Buffet – All you can eat! Es gibt alles. Neben einem Hauptgang (ich bereue noch immer, nicht das 600 g Steak genommen zu haben) gibt es auf dem sogenannten Salatbuffet jede Menge Salat, außerdem knapp 8 verschiedene Nachspeisen und Rippchen. Ja, es gab Rippchen im All you can eat Bereich :). Zu uns gesellen sich Debbie, Vicki, Penny und Jim. Während des Essens gab ich mir größte Mühe zu verstehen und zu behalten wen wir in unseren 10 Tagen noch alles kennenlernen sollten und wie die ganze Familie untereinander verwandt ist. Gefühlt 100 Namen und 200 Orte die wir sehen müssen und überhaupt. Ich brauchte knapp 2 Stunden um zu wissen, dass ich diese Fremden mag.

Die nächsten 10 Tage wohnen wir zusammen mit Debbie und in diesem Bericht könnte es auch daraum gehen, wie wir einzelne Familienmitglieder kennenlernen durften, wer wie häufig beim abendlichen Skipbo-Spiel gewonnen hat oder wie wir auf einer Geburtstagsfeier in einer Privatsuite des Hilton Hotels gelandet sind. Es könnte darum gehen wie unglaublich nett alle zu uns waren und wie wir schon nach den ersten 2 Tagen bereuten bloß 10 Tage hier zu bleiben. Man könnte auch ein ganzes Kapitel darüber schreiben wie wir das erste Mal eine typische Chicago Deep Dish Pizza oder ein Chicago Style Hot Dog gegessen haben. Selbst wenn gar nichts passiert wäre könnten wir über den schönen Herbst, den irgendwie heimischen Herbstgeruch und das Gefühl endlich wieder ein Zuhause gehabt zu haben schreiben. Wir kümmern uns hier dann aber doch „nur“ um die touristischen Sehenswürdigkeiten Chicagos, alles andere würde den Rahmen sprengen.

Nur so viel: die 10 Tagen in Chicago waren ein großes Highlight, es war unglaublich nett und schön jeden einzelnen kennenzulernen. Wir hoffen euch irgendwann einmal in Deutschland begrüßen zu können und freuen uns den „Umweg“ in Kauf genommen zu haben – Es hat sich mehr als gelohnt.

On the Ledge – SkyDeck Willis Tower

Das ehemals höchste Gebäude der Welt und derzeit höchste Gebäude Amerikas, der Willis Tower ist mit seinen 527 m Höhe fester Bestandteil in Chicagos Skyline. Heute beherbergt er auf 108 Etagen knapp 418.064 Quadratmeter Bürofläche und das weltweit höchstgelegene Skydeck der Welt. Auf 412 m Höhe wurden 2009 zwei Glasbalkone inklusive Glasboden angebracht. Debbie meinte, das müsste man gesehen haben. Gut, nichts wie hin.

Vor dem Gebäude hatte sich auch früh am Morgen schon eine ganz beachtliche Menschenschlange gebildet. Glücklicherweise ging es bis in den Turm und damit in den windgeschützten Bereich recht schnell. Leider mussten wir feststellen, dass die eigentliche Schlange wohl erst im Inneren beginnt und die derzeitige Wartezeit knapp 2 Stunden beträgt. 2 Stunden? Die stehen wir doch hier nicht rum um einmal von oben in die Runde gucken zu können. Richtig! Nina und ich hätten auch gesagt, dass wir es ja ein andermal versuchen können. Aber hey, wir sind hier in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und überhaupt. Debbie erfragte noch etwas am Ticketschalter als sie plötzlich mit 4 Citypässen in der Hand neben uns stand.
„Hiermit sind wir in 20 Minuten oben und außerdem habt ihr damit Eintritt in noch 4 weitere Sehenswürdigkeiten.“
„Ähhm ja, aber die kosten jeweils 100$, bist du verrückt?“
„Ach das war eine gute Investition, denkt nicht drüber nach. Kommt wir gehen an der Schlange vorbei.“

Schlussendlich sollte sie recht behalten, der Citypass war eine gute Investition und immerhin wussten wir jetzt was wir die nächsten Tage noch alles sehen würden. So macht man das in Amerika. Gut, also keine 2 Stunden anstehen. Das grinsend an der schier endlos scheinenden Schlange vorbeilaufen gefällt mir auch viel besser. Die Sicherheitskontrolle durchlaufen wir in 2 Minuten und schwupps stehen wir auch schon im Aufzug. Nicht irgendeinem Aufzug … Die im Willis Tower verbauten Aufzüge gehören zu den schnellsten der Welt, innerhalb von 45 Sekunden erreichen wir unser Ziel. Das ging so schnell, dass man auch mal einen Druckausgleich machen muss. Faszinierend. Die eigentliche Faszination beginnt allerdings erst hinter dem Aufzug, eine ganze Etage mit Panoramafenstern lädt dazu ein, sich die Nase wie ein Kind plattzudrücken. Debbie und Vicki zeigen uns Chicago, es gibt Geschichten zu wichtigen Gebäuden, Plätzen und Stadtteilen. Praktisch, so ein Überblick. Mir hätte die Aussicht ja gereicht aber wenn es einen Glasbalkon in 412 Metern Höhe gibt will man ihn ja auch nutzen. 4 Minuten anstehen und unzählige Teenie-Selfies später stehen wir in bzw. auf genau diesem Balkon und machen Selfies. Wie die 14-jährigen vor uns. Die ersten 3 Blicke in die Tiefe sind verrückt, faszinieren und erschreckend zu gleich. Einige Fotos später stehen wir auch schon wieder im Aufzug und rasen Richtung Ausgang.

Chicago Art Institute.

Das 1866 gegründete Chicago Art Institute zählt mit einer der größten Kunstsammlungen zu den bedeutendsten Kunstmuseen weltweit. Auf über 52,000 m2 Grundfläche gibt es neben bekannten Größen wie van Gogh und Monet auch jede Menge vergleichsweise junge Kunst zu bewundern. Wer sich für Kunst interessiert sollte sich das Chicago Art Institute auf keinen Fall entgehen lassen.  Ich weiss leider nicht so wirklich was ich über einzelne Bilder bzw ganze Ausstellungen schreiben soll. Klar ist es schön einen van Gogh den man normalerweise nur von Bildern kennt mal in live zu sehen und ja auch der 2×3 meter große Seurat eine Etage weiter unten war bemerkenswert. Ich kann mich aber nicht davor stellen und die Linienführung bewundern. Also bitte. Keine Sorge, den Umstand, dass ich ein Kunstbanause bin haben wir schon geklärt.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich allerdings das direkt gegenüberliegende Restaurant mit dem netten Namen „Russian Tea Time“ neben richtigem Schwarzbrot (ist das was typisch russisches?) gibt es hier gutes russisches Essen in anständigen Portionen zu vernünftigen Preisen. Immerhin kein Essensbanause.

Milennium Park

Direkt hinter dem Art Institute liegt der Millennium Park, auch wenn der ursprüngliche Plan, den Park im Jahr 2000 zu eröffnen nicht aufging, und obwohl er mit 450 Mio $ mehr als dreifach so teuer wurde als ursprünglich geplant, hat der Park heute seinen festen Platz in der Stadt eingenommen. Der von den Bewohnern Chicagos auch gern als ihr Central Park bezeichnete Park reicht vom Zentrum Chicagos bis zum an den Lake Michigan grenzenden Grant Park. Wie wohl alle anderen auch hatten wir unseren Spass mit dem auf dem At&T Plaza stehenden Cloud Gate – The Bean. Auch wenn die Skyline mit blauem Himmel und kleinen Schäfchenwolken bestimmt noch besser ausgesehen hätte.

Field Museum

Das Field Museum ist wohl ein klassisches amerikanisches Naturkunde Museum. Klassisch amerikanische heißt in diesem Fall natürlich auch nur klassisch nach meiner Fernsehbildung. In dem von außen wie ein Regierungsgebäude aussehendem Museum steht mit „Sue“ unter anderem das vollständigste T-Rex Skelett weltweit. Aufgeteilt nach Kontinenten und Epochen hatte ich das Gefühl in einem recht „altem“ Museum geladendet zu sein. Viel Text, viel Theorie und nur mäßig spannend. Jedenfalls für Erwachsene, Kindern reicht es wahrscheinlich Sue zu sehen um für den Rest der Woche glücklich zu sein. Glücklicherweise hat die Museumsleitung anscheinend ähnliche Erfahrungen gemacht, die neueren Ausstellungen sind spannender und interaktiver. So gibt es beispielsweise mit „Underground Adventures“ eine Ausstellung die dem Besucher das Gefühl gibt auf ein 1000stel seiner eigentlichen Größe geschrumpft, und tief unter der Erde ausgesetzt worden zu sein. Riesige Regenwürmer und andere Krabbelviecher sind zwar in riesig nicht sympatischer, aber interessanter.

Museum of Science and Industries

Hatte ich geschrieben, das Field Museum sei typisch amerikanisch? Das Museum of Science and Industries toppt den Amerika-Faktor nochmals. Wer im Museum of Science and Industries war, versteht auch weshalb die Amerikaner so auf Wissenschafts-Wettbewerbe abfahren. Ich weiss gar nicht was man hier nicht machen konnte …

Ein Museum zum anfassen und ausprobieren – ob schlüpfende Küken, Tornado-Simulator, ein ganzes U-Boot mehrere Flugzeuge und unendlich viel zu entdecken. Das Museum ist riesig und hat uns einen ganzen Tag unterhalten. Kinder bzw. Familien könnten hier bestimmt 3 Tage verbringen ohne auch nur einen einzigen Raum doppelt gesehen zu haben.

Wir kommen wieder …

Wir hatten eine wunderschöne Zeit in Chicago und haben es sehr genossen für 10 Tage ein richtiges „Zuhause“ zu haben. Debbie und die ganze Familie haben es uns leicht gemacht uns wohlzufühlen und wir freuen uns auf ein Wiedersehen, aber nun geht es für uns erstmal nach Hawaii und hinein in ein ganz anderes Kapitel der Reise …

 

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